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Cebit
Die Schweiz: ein Hidden Champion in der IT-Welt

Die Schweizer sind bei der Digitalisierung ziemlich weit vorne dabei, wollen sich aber ganz bewusst von der EU absetzen.In diesem Jahr ist das Land Partnerland auf der Digitalmesse Cebit in Hannover.

Von Stefan Römermann | 15.03.2016
    Ein Stapel mit Akten in der Posteingangsstelle des Sozialgerichts in Berlin.
    Aktenberge. Mit intelligenter Automation will die Schweizer Post Behörden und Unternehmen dabei helfen, solche Berge zu bewältigen. (dpa/ picture-alliance/ Stephanie Pilick)
    Zugegeben. So ein Messerundgang der Bundeskanzlerin, der ist nicht unbedingt radiotauglich. Im Wesentlichen versucht Angela Merkel interessiert zu schauen, wenn ihr Chefs und Chefentwickler von großen und kleinen Firmen ihre Produkte auf der Messe vorstellen.
    "Insofern also wünsche ich dem Gastland Schweiz hier alles Gute. Ich wünsche der Cebit insgesamt einen guten Erfolg. Und freue mich jetzt auch einiges zu sehen, was die Schweiz hier so zu präsentieren hat."
    Auf den einzelnen Messeständen ging es dann meist ziemlich schnell. Wie beispielsweise auf dem Stand der Schweizer Post.
    "Sie war nur drei Minuten bei uns. Sie waren nur drei Minuten – aber das waren drei gute Minuten", erzählt lachend Thierry Golliard, Leiter Open Innovation bei der Schweizer Post – von seiner kurzen Begegnung mit der Bundeskanzlerin.
    Mit intelligenter Technik die Aktenberge in Unternehmen bewältigen
    "Wir haben intelligente Automation vorgestellt. Das heißt eigentlich, Wie wollen wir die Prozesse für unsere Kunden intelligent umsetzen."
    Zugegeben: Das klingt im ersten Moment etwas trocken und abstrakt. Und vielleicht war die Kanzlerin auch deshalb schnell wieder weg. Schließlich gab es auf dem Messestand auch kaum aufregende Dinge zu sehen oder anzufassen. Dabei ist die Idee dahinter zumindest für den Unternehmensalltag durchaus spannend: Mithilfe intelligenter Technik sollen die Papier- und Aktenberge in Unternehmen und Behörden möglichst schnell und effizient bewältigt werden. Akten und Briefe sollen nicht nur eingescannt werden, sondern auch mit künstlicher Intelligenz automatisch ausgewertet. Das Problem dabei: Hübsche, spektakuläre Bilder liefert so etwas natürlich nicht. Und vielleicht ist das auch das grundsätzliche Problem der Schweizer IT-Branche, die in der Eidgenossenschaft offenbar mit Vorliebe "ICT" genannt wird. Schweizer IT oder "ICT"-Firmen produzieren Top-Qualität – die auch ins Ausland exportiert wird, sagt beispielsweise Andreas Kaelin von ICT Switzerland, dem Schweizer Dachverband für Computer und Informationstechnologie.
    "Aber nicht zu Consumern. Sondern zu verschiedenen Unternehmen in verschiedenen Branchen. Und darum sieht man die ICT nicht so wie beispielsweise Produkte, die aus Amerika kommen, die für Consumer sind. Da sind wir so ein bisschen ein Hidden Champion."
    Eine Alternative zu IBM-Rechnern
    Auf der Messe präsentiert die Schweiz dabei einen bunten Strauß an Unternehmen, mit Lösungen für Online-Bezahlsysteme, innovativer Dronentechnik – oder auch die Firma Lzlabs. Sie möchte IBM Konkurrenz machen im Markt für so genannte Mainframes. Einer speziellen Art von Großrechnern, die seit Jahrzehnten von Großunternehmen eingesetzt werden, erklärt Thilo Rockmann, Chef von LzLabs.
    "Da sind aber noch eine Menge Applikationen drauf, die vor Jahren geschrieben wurden, als es Standardsoftware als solches auch noch gar nicht gab. Also in den 60er, 70er, 80er und 90er Jahren, teilweise in Lochkarten-Zeiten, die immer noch heute im Einsatz sind. Kreditkartentransaktionen ist ein Beispiel. Online-Reservierung von Flügen ein anderes."
    Mit einer Softwarelösung will Rockmann hier die teuren IBM-Rechner überflüssig machen – ohne dass die Firmen ihre komplizierten, alten Programme anpassen müssen.