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StartseiteInformationen am MorgenDie Ethik der Hacker28.12.2015

Chaos Communication CongressDie Ethik der Hacker

Sie sind aus der ganzen Welt angereist, um sich über Algorithmen auszutauschen: Die 12.000 Hackerinnen und Hacker, die in Hamburg am "Chaos Communication Congress" teilnehmen. Das Ziel: Es geht um Aufklärung, um brisante Daten - und darum, die technischen Grundlagen der gesellschaftlichen Entwicklung zu erkennen und neue Denkanstöße zu geben.

Von Peter Welchering

Man sieht zwei Menschen vor bunt leuchtenden Tafeln. Wegen des Gegenlichtes sieht man die Menschen nur als schwarze Silhouetten. (picture-alliance / dpa / Axel Heimken)
In Hamburg treffen sich drei Tage lang Hackerinnen und Hacker aus aller Welt. (picture-alliance / dpa / Axel Heimken)
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Für das nordkoreanische Betriebsssystem Red OS interessiere sie sich besonders, sagt Kongressteilnehmerin Emily, extra aus den USA nach Hamburg angereist. Wie der Netzaktivistin aus den Vereinigten Staaten geht es vielen der rund 12.000 Teilnehmer am 32. Chaos Communications Congress, der noch bis Mittwoch im Congress Centrum Hamburg stattfindet. Sie wollen technische Details von politisch teilweise hochbrisanten Skandalen und Vorgängen erfahren, die bisher völlig unbekannt und in den meisten Fällen extrem aufwändig zu recherchieren waren.

Der Algorithmus, mit dem Automobilbauer ihre Motoren für den Prüfstand optimieren, zählt etwa dazu. Er wurde am Sonntagmittag in Halle 1 präsentiert und diskutiert. Die berühmten Selektoren und andere Suchbegriffe aus dem NSA-Untersuchungsausschuss sind ein anderes Beispiel. Auf dem 32c3 abgekürzten Chaos Communication Congress soll transparent werden, was bislang in Politik und Wirtschaft unter der Decke gehalten wurde. Der Blogger Felix von Leitner bringt es so auf den Punkt.

Transparenz statt Unwahrheit

"Der Kongress ist eine Art Korrektiv, weil wir Themen aufgreifen, wo Leute eben nicht die Wahrheit gesagt haben oder überhaupt nichts gesagt haben, und wir finden aber schon, dass da die Daten mal öffentlich werden sollten. Open Government ist ein Thema hier. Auf der einen Seite versuchen wir, ein offenes Forum zu bieten, auf der anderen Seite versuchen wir aber auch, Transparenz schaffen in der bestehenden Gesellschaft, und ich glaube, es gehört beides dazu."

Gated Communities, geschlossene Gesellschaften oder behütete Gemeinschaften lautet deshalb das Kongressmotto. Falk Garbsch, einer der Sprecher des Chaos Computer Club erläutert das so.

"Es gibt viele Gruppierungen, die versuchen, sich abzugrenzen. Das kann politisch sein, politische Gruppierungen. Das kann aber auch im technischen Bereich sein, wo es dann auch von Unternehmen getrieben wird, das heißt: Entweder ich entscheide mich für ein Unternehmen, kaufe dort die Produkte und gehöre dann zu einem Kreis der etwas nutzen kann, aber auch dass der Anbieter dann eben für mich entscheidet, was draußen bleibt, mit welchen Inhalten ich mich nicht auseinandersetzen soll."

Aufklärung - in Maßen

Solche geschlossene Gesellschaften wollen die Hackerinnen und Hacker aufbrechen. Sei es nun ein Computerhersteller, der entscheidet, welche Apps fürs Smartphone und das Tablet er als tauglich für die Anwender seiner Geräte befindet, oder sei es ein Nachrichtendienst, der seine Spionagemethoden und Überwachungsalgorithmen nicht öffentlich diskutiert sehen will.

Hier decken die Hackerinnen und Hacker auf. Und sie wollen bei der Aufklärung helfen, zum Beispiel dem NSA-Untersuchungsausschuss des Deutschen Bundestages. Aber die hier geforderte Information und Transparenz muss auch Grenzen haben. Auch die werden auf dem Kongress und in der Hacker-Community sehr intensiv diskutiert. Felix von Leitner.

"Also, man muss da klären als der Wähler letztendlich, wie weit wollen wir denn die Gesellschaft offen haben, und ab wann finden wir das schützenswert. Und das ist ein Balanceakt, der auch meines Erachtens nicht in Stein zu schreiben ist, das muss man eben sehen. Das muss man neu aushandeln, wenn sich neue technische und gesellschaftliche Realitäten ergeben."

Genau deshalb interessieren sich die Hackerinnen und Hacker so stark für technische Details. Denn die sind es, die gesellschaftliche Entwicklungen anstoßen, ermöglichen oder beeinflussen. Und nur wer die technischen Grundlagen der gesellschaftlichen Entwicklungen und politischen Diskurse kennt, kann hier etwas zum Positiven verändern, das ist ein wichtiger Punkt der Hackerethik.

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