Samstag, 01. Oktober 2022

"Charlie Hebdo" wieder am Kiosk
Auflage auf fünf Millionen erhöht

Eine Woche nach dem Terroranschlag auf "Charlie Hebdo" erscheint eine neue Ausgabe der französischen Satirezeitung - in einer Auflage von nunmehr fünf Millionen Exemplaren. An vielen Kiosken war das Heft sofort vergriffen. Islamgelehrte kritisierten das Heft als Provokation.

14.01.2015

    Eine Person liest in einem Pariser Kiosk die aktuelle Ausgabe der Satire-Zeitschrift "Charlie Hebdo" (14.01.2015)
    Die aktuelle "Charlie Hebdo"-Ausgabe erscheint in einer Auflage von fünf Millionen Exemplaren. (dpa / picture-alliance / MAXPPP)
    Das französische Satiremagazin "Charlie Hebdo" hat die erste Ausgabe seit dem Terrorangriff vor einer Woche herausgebacht - und das in einer Rekordauflage von drei Millionen Exemplaren. Normalerweise erscheint das Magazin mit einer Auflage von rund 60.000 Exemplaren. Bereits am Vormittag wurde noch einmal nachgelegt. Weitere zwei Millionen Hefte sollen gedruckt werden. Die Titelseite zeigt einen weinenden Propheten Mohammed, der ein Schild mit der mittlerweile weltbekannten Solidaritätsbekundung "Je suis Charlie" in den Händen hält, darunter steht die Zeile: "Tout es pardonné" (Alles ist vergeben).
    New #CharlieHebdo issue sold out across France. Photo Bertrand Guay #AFP pic.twitter.com/xy2IisNbmS— AFP Photo Department (@AFPphoto) January 14, 2015
    An den Verkaufsstellen in Frankreich gab es am Morgen einen riesigen Ansturm. An etlichen Pariser Zeitungskiosken war die erste Ausgabe des Blattes seit dem Attentat auf die Redaktion innerhalb kürzester Zeit vergriffen. Viele Stammkunden hätten sich schon im Vorfeld Exemplare reserviert, berichteten Verkäufer.
    Verkauf in 25 Ländern
    Die aktuelle Ausgabe sollen in 25 Ländern verkauft werden, darunter auch in der Türkei. Das Blatt werde in türkischer Sprache der renommierten Tageszeitung "Cumhuriyet" beigelegt, sagte "Charlie Hebdo"-Chefredakteur Gérard Biard . Allerdings enthält die türkische Ausgabe nur eine Auswahl der Karikaturen, die Titelseite mit dem Propheten Mohammed ist nicht dabei.
    Die neue achtseitige Ausgabe erscheint in mehreren Sprachen, darunter Italienisch, Englisch, Spanisch und Arabisch. Einige Übersetzungen werde es als digitale Ausgabe geben, teilte die "Charlie Hebdo"-Leitung mit. An Kiosken in Deutschland wird die neue Ausgabe spätestens am Wochenende erhältlich sein - eine deutsche Fassung ist nicht geplant.
    Witze über die Attentäter
    In der jüngsten Ausgabe des Magazins machen sich Redakteure von "Charlie Hebdo" unter anderem über die islamistischen Terroristen lustig, die am vergangenen Mittwoch bei einem Angriff auf die Redaktion zwölf Menschen erschossen hatten. In Karikaturen werden sie als geistig minderbemittelte Idioten der Lächerlichkeit preisgegeben.
    In einer Zeichnung wird beispielsweise darauf angespielt, dass einer der Attentäter bei einem Entsorgungsbetrieb arbeitete. In der Karikatur steht der Abfallsortierer ratlos vor zwei Mülltonnen, von denen eine die Aufschrift "Gut" und die andere die Aufschrift "Böse" trägt. "Das ist zu kompliziert", steht dazu in der Sprechblase. In einer anderen Karikatur fragen die von der Polizei getöteten Attentäter im Himmel nach Jungfrauen, die sie von Gott als Belohnung für ihren Terroranschlag erwarten. Die seien alle beim Team von "Charlie Hebdo", wird ihnen aus einer Wolke zugerufen.
    Kritik an der Ausgabe
    Ägyptische Islamgelehrte reagierten mit scharfer Kritik auf die neue Ausgabe. Diese "ungerechtfertigte Provokation von 1,5 Milliarden Muslimen weltweit" werde eine neue Welle des Hasses auslösen, erklärte die wichtige religiöse Einrichtung Dar al Ifta in mit Blick auf die Mohammed-Karikatur auf der Titelseite.
    Die Zeichnung werde "den Hass schüren", erklärte auch die islamischen Al Ashar-Universität, die höchste Autorität des sunnitischen Islam. Sie diene "nicht der friedlichen Koexistenz der Volksgruppen und behindere die Integration der Muslime in den europäischen und westlichen Gesellschaften". Nach den Glaubensvorstellungen von Muslimen sollen weder Gott noch Mohammed bildlich dargestellt werden.
    (tzi/tön)