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StartseitePISAplusKulturschock mit Humor nehmen16.08.2014

ChinaKulturschock mit Humor nehmen

Die 24-jährige Alexandra ist spontan ihrem Freund nach Schanghai gefolgt, als dieser ein Jobangebot bekam. Seit Juli 2014 schlägt sie sich durch ihr neues Schanghaier Leben und besucht dort jetzt eine Sprachschule. Ihre Werkzeuge, um kulturelle Missverständnisse und Enttäuschungen zu vermeiden, sind Offenheit und viel Humor.

Von Steffen Wurzel

Ohel Moishe Synagoge (M) im Stadtteil Hongkou in Schanghai. In diesem Stadtteil lebten einst Juden aus Europa. (dpa/picture alliance/Till Faehnders)
Sprachschülerin Alexandra Lehner hat sich schnell an ihr neues Schanghaier Leben gewöhnt. (dpa/picture alliance/Till Faehnders)
Weiterführende Information

Ortserkundungen - "Hello, Chinaman" (Deutschlandfunk, Das Feature, 26.08.2014)

PISAplus Summer School - Interkulturelles Training – Fit für China (Deutschlandfunk, PISAplus, 16.08.2014)

China - Geschundene Arbeiter kämpfen für ihre Rechte (Deutschlandfunk, Hintergrund, 27.07.2014)

Erster Weltkrieg und China - Verklärtes Verhältnis zu den einstigen Kolonialherren (Deutschlandfunk, Eine Welt, 26.07.2014)

China-Berichterstattung - Zu viel Kritik am Einparteiensystem? (Deutschlandfunk, Markt und Medien, 12.07.2014)

"Man schmuggelt sich einfach durch. Irgendwie kommt man ans Ziel. Der Stärkere gewinnt. Der, der am meisten hupt, gewinnt. Dass der Roller hier jetzt eben gehalten hat, war echt nett."

Eine mittelgroße Straßenkreuzung in einem Geschäftsviertel von Schanghai. Alexandra ist zwar erst seit Kurzem in der Stadt, aber das Straße-Überqueren klappt schon sehr chinesisch-selbstbewusst.

"Ich heiße Alexandra Lehner, ich bin 24 Jahre alt und ich bin seit Anfang Juli in Schanghai."

Als Alexandras Freund von seiner Firma eine Stelle in China angeboten bekam, war für sie sofort klar: Logisch, ich bin dabei und komme mit. Und das, obwohl sie vorher noch nie chinesischen Boden betreten hatte. Keine zwei Tage im Land ging es für sie dann gleich an einer Sprachschule los.

"Chinesisch zu lernen ist nicht so schwer, wie man sich das vielleicht vorstellt. Die Aussprache, ja. Aber jetzt, nach einem Monat, laufe ich auf der Straße entlang und verstehe schon was."

Privatsphäre kennen Chinesen nicht

Eine Sache, mit der viele Europäer in China fremdeln, ist die Abwesenheit von Privatsphäre. Man ist nicht nur überall von anderen Menschen umgeben, oft rücken die einem auch ganz schön auf die Pelle.

"Ihnen ist es ziemlich egal, ob Du da bist oder nicht. Es sind wahrscheinlich einfach zu viele Menschen, um sich Gedanken darum zu machen. Denen ist es einfach egal. Auch wenn Dich Leute auf der Straße anrempeln: Da kommt keine Entschuldigung zurück. Das passiert halt."

Chinesen schlafen überall

China ist ein Land, das alle Sinne gleichzeitig kitzelt, und zwar ständig. Es vergeht kein Tag, an dem, Alexandra nicht irgendwelche  - aus europäischer Sicht - Verrücktheiten erlebt.

"Immer wieder. Also das Erste ist gleich mal, dass die Leute einfach ständig schlafen, wo auch immer sie gerade stehen oder liegen. Sie liegen zum Beispiel auf dem Bürgersteig oder auf dem Fahrrad. Egal wo: Die schlafen einfach."

Hühnchen kommt mit Kopf und Füßen auf den Tisch

In der Mittagspause sitzt Alexandra mit ihren Klassenkameraden aus der Sprachschule in einem Restaurant. Das, was auf den Tisch kommt, hat mit dem, was man aus chinesischen Restaurants in Deutschland kennt überhaupt nichts zu tun. Die geschmorten Auberginen, Qieze, sind komplett von Öl und Chilischoten bedeckt, das gebratene Hühnchen kommt inklusive Kopf und Füßen auf den Tisch.

"Es ist halt ganz anders für uns. Wir haben unseren eigenen Teller zuhause. Wir essen von einem Teller, hier haben wir zehn Teller in der Mitte des Tischs und essen von jedem Teller etwas. Hier ist es auch okay, wenn man schmatzt, oder einfach die Knochen auf den Tisch spuckt. Hier ist das normal. Aber wenn man das bei uns in Deutschland machen würde, dann würdest Du nur schräg angeschaut werden."

Schmatzen und Spucken beim Essen erlaubt

Alexandra schlägt sich ausgesprochen gut gelaunt durch ihr neues Schanghaier Leben. Ihre Werkzeuge, um kulturelle Missverständnisse und Enttäuschungen zu vermeiden sind Offenheit und viel Humor. Vor einigen Tagen trat sie dann aber doch ins Fettnäpfchen, als sie herausfand ...

"... dass man sich am Tisch nicht die Nase putzen darf. Das ist etwas, das ich getan habe und was mir danach unglaublich unangenehm war, als danach herausgefunden habe, dass ich das nicht hätte machen sollen."

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