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StartseiteWissenschaft im BrennpunktWarum Hunde ihren Menschen so innig verbunden sind08.12.2019

Clive Wynne: "Und wenn es doch Liebe ist?"Warum Hunde ihren Menschen so innig verbunden sind

Hunde sind nicht intelligenter als Katzen, Schweine oder Affen. Was sie auszeichnet, ist ihre Beziehung zum Menschen. Sie sind überschäumend sozial und fühlen sich nahezu krankhaft zum Menschen hingezogen. Clive Wynne legt ein wissenschaftlich fundiertes und sehr persönliches Hundebuch vor.

Von Michael Lange

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Eine Frau sitzt auf einem Stein und lächelt ihren Hund an, der zu ihr aufschaut.   (Unsplash / Jenny Marvin)
Hunde sind auf den Menschen fixiert und verzeihen ihm fast alles - eine meist auch erwiderte Liebesbeziehung zwischen zwei Spezies (Unsplash / Jenny Marvin)
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Dass viele Hundebesitzer ihre Begleiter abgöttisch lieben und allerlei in das Hundeverhalten hineininterpretieren, macht es für Verhaltensforscher schwierig, das Hundeverhalten unvoreingenommen zu analysieren. Der aus England stammende US-Biologe Clive Wynne weiß: Wer als Wissenschaftler das Verhalten seiner Forschungsobjekte vermenschlicht, hat schnell seinen Ruf in der Forschergemeinde ruiniert. Dennoch kann er Hunde nicht nur sachlich distanziert untersuchen. Immer wieder stößt er auf emotionale Reaktionen und stellt fest, dass das Hundeverhalten erst verständlich wird, wenn er die Beziehung des Hundes zum Menschen berücksichtigt.

Sehnsucht und unbändige Wiedersehensfreude

Clive Wynne fand heraus: Die Beziehung zum Menschen ist so eng, dass der Hund seine eigenen Bedürfnisse hintenanstellt, wenn es darum geht, seinem Menschen zu gefallen. Wenn Herrchen von einer Reise zurückkommt, dann flippt der Hund regelrecht aus. Er hat es dabei nicht auf Leckerchen oder Streicheleinheiten abgesehen, wie andere Tiere. Clive Wynnes Erklärung ist für Hundefreunde eine Selbstverständlichkeit und lautet: Tagelang hat sich der Hund vor Sehnsucht verzehrt – menschlich gesprochen - und ist nun vor lauter Wiedersehensfreude nicht mehr zu bremsen.

Bindungshormon im Hundehirn

Diese Erklärung konnte Clive Wynne seinen Wissenschaftlerkollegen nur schwer vermitteln. Er erdachte immer neue Verhaltenstests und maß die Konzentration des Bindungshormons Oxytocin. Immer wieder stellte er fest: Für Hunde ist die innige Verbundenheit zu seinem Menschen ein Dauerzustand. Hunde sind auf den Menschen fixiert und verzeihen ihm fast alles. In seinem Buch verbindet er gekonnt Ergebnisse von Verhaltensstudien mit persönlichen Erfahrungen. So entsteht ein wissenschaftlich fundiertes, zugleich sehr persönliches Hundebuch, das auch Skeptiker überzeugen könnte. Demnach sind Hunde lebenslang verknallt mit allen Nebenwirkungen, die dazu gehören.

Clive Wynne: Und wenn es doch Liebe ist?
Neues zur Hund-Mensch-Beziehung
Kynos Verlag, 296 Seiten. 24.95 Euro.

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