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StartseiteForschung aktuellCO2-Desaster18.11.2009

CO2-Desaster

Studie über weltweite Kohlendioxid-Emissionen veröffentlicht

Umwelt.- Der Weltklimagipfel in Kopenhagen rückt immer näher und die Erwartungen daran werden immer geringer. Jetzt gibt es einen weiteren Dämpfer: Ein internationales Forschungsprojekt hat aktualisierte Zahlen über die weltweiten Kohlendioxid-Emissionen vorgelegt.

Von Volker Mrasek

Ein Kohlekraftwerk. Das meiste CO2 entsteht nach wie vor durch die Verbrennung fossiler Energieträger.  (AP)
Ein Kohlekraftwerk. Das meiste CO2 entsteht nach wie vor durch die Verbrennung fossiler Energieträger. (AP)

Es sind ernüchternde Zahlen, die die Wächter über den Kohlenstoff-Kreislauf kurz vor dem Kopenhagener Klimagipfel vorlegen. Eigentlich sollten die globalen Kohlendioxid-Emissionen längst gebremst sein. Das ganze Gegenteil ist der Fall. Der Exekutivdirektor des Globalen Kohlenstoff-Projektes, der spanische Ökologe Pep Canadell:

"Es ist schon bemerkenswert. In den Jahren, in denen so intensiv über Klimaschutz verhandelt wurde, sind die weltweiten CO2-Emissionen stärker gestiegen als jemals zuvor - in diesem Jahrzehnt allein um 29 Prozent. Zwischen 1990, dem Jahr, das das Kyoto-Klimaschutzprotokoll als Maßstab für Emissionsreduktionen nennt ... – zwischen 1990 und 2008 waren es sogar 41 Prozent."

Jedes Jahr präsentieren Canadell und seine Kollegen eine aktualisierte Kohlenstoff-Bilanz. Für ihre neue werteten sie jetzt die jüngsten Daten von 2008 aus, dem Jahr der wirtschaftlichen Rezession. Doch auch sie hat den Trend nicht gebrochen:

"Trotz der Finanzkrise sind die Emissionen weiter gestiegen. Zwar nicht mehr so stark wie in den Jahren vorher. Da waren es im Schnitt 3,5 Prozent. Aber selbst 2008 kommen wir auf zwei Prozent. Das ist immer noch eine beachtliche Zunahme."

Das meiste CO2 entsteht nach wie vor durch die Verbrennung fossiler Energieträger, also bei der Erzeugung von Strom und Wärme. Hier kündigt sich jetzt eine Wachablösung an:

"Kohle ist inzwischen die dominierende Quelle von CO2-Emissionen und hat Erdöl überholt. Das liegt insbesondere daran, dass der Energiebedarf in China und Indien so enorm steigt. Kohle ist dort billig und leicht verfügbar. Schaut man auf die letzten drei Jahre, dann sieht man: Der starke Anstieg der Kohlenutzung in dieser Zeit geht zu 90 Prozent auf das Konto von China und Indien."

Nach der neuen CO2-Inventur sind die Industriestaaten zwar auf Kurs und werden ihre Kyoto-Ziele wohl fast alle erfüllen. Doch es ist nicht viel, was ihnen abverlangt wird. Gemeinschaftlich müssen sie ihre Emissionen bis 2012 gerade mal um fünf Prozent reduzieren. Ein Effekt, der völlig verpufft angesichts der Emissionstrends in den Entwicklungs- und Schwellenländern. Laut Pep Canadell stoßen sie inzwischen in der Summe mehr CO2 aus als die Industriestaaten:

"In den entwickelten Staaten der Erde lebt weniger als eine Milliarde Menschen. Ihr CO2-Ausstoß hat sich mehr oder weniger stabilisiert. In Schwellen- und Entwicklungsländern leben heute fast sechs Milliarden Menschen, und ihre Emissionen steigen seit diesem Jahrzehnt wirklich rasant. Wobei man sagen muss: Die Pro-Kopf-Emissionen der Entwicklungsländer liegen noch immer weit hinter denen der Industriestaaten zurück."

In ihrem neuen Report gehen die Experten auch auf die großen natürlichen Kohlenstoff-Speicher im globalen Stoff-Kreislauf ein. Das sind die Land-Vegetation und der Ozean. Sie bremsen die Klimaerwärmung, indem sie der Erdatmosphäre fortwährend große Mengen CO2 entziehen. Allerdings wird befürchtet, dass die Senken sich erschöpfen könnten. Das scheint sich jetzt zu bestätigen. Die frankokanadische Physikerin und Co-Vorsitzende des globalen Kohlenstoff-Projektes, Corinne Le Quéré:

"Wir haben inzwischen etliche Belege dafür, dass die Senken mit unseren Emissionen nicht mehr Schritt halten. Man muss sich nur den Anteil CO2 anschauen, der Jahr für Jahr in der Atmosphäre verbleibt. Um 1906 herum waren das noch 40 Prozent, in den letzten Jahren aber schon 45. Die Senken lassen also nach."

Für 2009 rechnen die Projektleiter zwar erstmals mit einem Rückgang der Emissionen, wegen der anhaltenden wirtschaftlichen Flaute. Doch das heißt nicht viel. Die Welt werde in diesem Jahr halt 8,4 statt 8,7 Milliarden Tonnen Kohlendioxid produzieren, so die Forscher. Größer sei der Unterschied nicht.

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