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StartseiteCorso „Ich wollte nah an der Realität schreiben“16.05.2019

Comic "Salzhunger" „Ich wollte nah an der Realität schreiben“

In Matthias Gnehms Graphic Novel "Salzhunger" kämpfen drei Umweltaktivisten in Nigeria gegen die Machenschaften eines Rohstoff-Konzerns. Das Thema Rohstoffhandel sei ihm schon bei früheren Recherchen in China begegnet, sagte Gnehm im Dlf: "Dieser ganze Irrsinn hat mich nicht mehr losgelassen."

Matthias Gnehm im Corsogespräch mit Bernd Lechler

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Zeichnung aus dem Comic "Salzhunger": Zwei Männer und eine Frau eilen zu einem Auto (Matthias Gnehm)
In der Graphic Novel "Salzhunger" setzen sich Umweltaktivisten mit den krummen Geschäften eines Rohstoffkonzerns in Nigeria auseinander. (Matthias Gnehm)
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Die Protagonisten in Matthias Gnehms Graphic Novel bekommen es in der nigerianischen Hauptstadt Lagos mit Korruption und anderen kriminelle Praktiken, aber auch mit Verrat in den eigenen Reihen zu tun. Gnehm hat vor Ort recherchiert, wo sich per Zufall ein weiterer Handlungsstrang für seine Geschichte ergab: Per Zufall erfuhr der Zeichner von einer nigerianische Aktivistin, dass die Community, für die sie arbeitet, aus ihren Häusern vertrieben wird. Im Slum Otodo Gbame sprach er mit den Menschen, die seit Generationen dort in Pfahlhütten wohnten. "Es sah aus wie ein Kriegsschauplatz", sagte er im Dlf. "Was ich dort gesehen habe, war der Auslöser, sehr nah an der Realität zu schreiben und zu zeichnen."

Schwarzweißmalerei gibt es bei Matthias Gnehm dabei nicht – die Umweltaktivisten sind in seiner Geschichte keine Heiligen, und ihr Chef wirkt kaum weniger karriereorientiert als die Manager der Gegenseite. "Meine Befürchtung ist, dass zwischen all diesen Figuren eine Gemeinsamkeit besteht."

"Wie kann ich mein Leben leben?"

Gnehm betont, dass er seine Charaktere aus sich selbst schöpfe – den Bewohnern von Otodo Gbame und ihrem Schicksal könne er ohnehin nicht wirklich gerecht werden. Und so gibt es durchaus Parallelen zwischen der Hauptfigur, dem etwas lethargischen, von Liebeskummer geplagten Arno Beder, und Matthias Gnehm selbst, der in Zürich Architektur studiert hat  - was seinen beeindruckenden Stadtpanoramen und Gebäudeansichten auch anzusehen ist. "Salzhunger" verhandle auch Fragen, mit denen er nach dem Studium konfrontiert gewesen sei. Fragen nach dem "inneren Rohstoff". Und ob man etwa für eine Karriere auch die Ellbogen einsetzen - oder umgekehrt lethargisch alles hinnehmen solle: "Wie kann ich mein Leben leben, wie kann ich mich weiterentwickeln?"

Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Der Deutschlandfunk macht sich Äußerungen seiner Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen nicht zu eigen.

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