Montag, 25.05.2020
 
Seit 00:05 Uhr Fazit
StartseiteCorsoKitty und die Kommentare03.04.2020

Comic über Hass im NetzKitty und die Kommentare

Seit es das Internet gibt, gibt es auch Online-Kommentare. Auf politische und soziale Fragen folgen oft regelrechte Hasstiraden. Kathrin Klingner hat zu dem Thema einen Comic gezeichnet, doch: "Kommentare zu meinen Büchern lese ich nicht", sagte sie im Deutschlandfunk.

Kathrin Klingner im Gespräch mit Fabian Elsäßer

Hören Sie unsere Beiträge in der Dlf Audiothek
(Reprodukt Verlag)
Kitty im Zustand der Auflösung im Comic "Über Spanien lacht die Sonne" (Reprodukt Verlag)
Mehr zum Thema

Hass im Netz Bestrafen statt nur Löschen

Deutschlandradio wird Mitglied bei „Verfolgen statt nur Löschen“

Der Unterhalter Fil Comic, Komik, kultiviertes Chaos

Zum Tod von Albert Uderzo Alle liebten seine Comics

Comic-Adaptionen nach H.P. Lovecraft Schaudern in Schrill-bunt und Schwarz-Weiß

Zum Tod von Claire Bretécher "Sie hat ein ganz neues Frauenbild in den Comic gebracht"

Die Handlung in Kürze: 2015, als Flüchtlinge aus Syrien und Afrika in Scharen nach Europa kommen, wird die Hauptfigur Kitty bei einem Hamburger Medienunternehmen eingestellt, das Onlinekommentare überprüft. Sie und ihre Kolleginnen und Kollegen moderieren diese Welle von Hass und Verschwörungstheorien, die in jenem Jahr das Internet flutet. Allesamt zur Flüchtlingspolitik von Angela Merkel. Es gibt noch mehr Parallelen zur Wirklichkeit, denn Kathrin Klingner hat ab 2013 eine Zeitlang genau so einen Job gemacht wie ihre Comic-Figur Kitty gemacht.

"Jedes Thema wurde auf Flüchtlinge gedreht."

"Ursprünglich gab es auch noch andere Aufgaben, nicht nur reine Kommentarmoderation sondern auch noch andere technische Aufgaben. Die Kommentare wurden immer mehr und es hat einen immer größeren Teil des Jobs eingenommen", schilderte Kathrin Klingner im Dlf. Ab 2015 seien die Kommentare sehr monothematisch geworden. Beim Thema "Straßenbau" sei kommentiert worden: "Ja, jetzt ist kein Geld mehr da für Straßenbau wegen der Flüchtlinge." Das Beispiel mache deutlich: "Jedes Thema wurde auf Flüchtlinge gedreht", so Klingner, "und die Zahl der Kommentare hat sehr stark zugenommen".

"Don´t feed the Troll."

Rassistische Beleidigungen als Regelfälle, beim Flüchtlingsthema werde viel gelöscht. "Im Idealfall gibt es zwei Nutzer, die diskutieren, gegeseitig antworten und bei einem Minimalkonsens landen. Das passiert schon. Ich weiß nicht, ob sie ihren Standpunkt ändern, aber vielleicht verstehe sie den Standpunkt des anderen", so Kathrin Klingner. Sie habe aber noch nie erlebt, dass jemand schreibe, Flüchtlinge seien ja doch okay.

Klingners Motto lautete: "Don´t feed the Troll" - im Internet möchte die Comiczeichnerin nicht mit Rechten oder Verschwörungstheoretikern reden. Im Bekanntenkreis könne man miteinander reden. Kommentarspalten zu schließen bei bestimmten Themen sei ab einem bestimmten Punkt richtig. "Es hat keinen Mehrwert mehr für die Leute, die mitlesen", begründet Kathrin Klingner die Entscheidung. Sie selber lese keine Kommentare zu ihren Büchern. "Von irgendwelchen Leuten, die sich irgendwelche Usernamen geben, wo ich nicht weiß, wer die Person ist, da ist die Meinung auch nicht relevant für mich", erklärte die Comiczeichnerin   

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie den Deutschlandfunk