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StartseiteCorso"Die heile Welt von Disney wurde ins aktuelle gesellschaftliche Leben übertragen"30.08.2018

Comics von Robert Crumb "Die heile Welt von Disney wurde ins aktuelle gesellschaftliche Leben übertragen"

Robert Crumb schuf provokante, skurrile Comic-Charaktere. Dabei bezog er sich jedoch auf Tierfiguren der großen Zeichner von Walt Disney. Bei ihm agierten sie auf einmal auf Demonstrationen oder in Sexszenen. "Das hat die gesamte Comic-Szene auf der Welt verändert," sagte FAZ-Literaturchef und Comic-Experte Andreas Platthaus im Dlf.

Andreas Platthaus im Corsogespräch mit Juliane Reil

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Der amerikanische Comiczeichner Robert Crumb 2005 in London. (picture-alliance/ dpa / PA / Mark Lees)
Der amerikanische Comiczeichner Robert Crumb 2005 in London. (picture-alliance/ dpa / PA / Mark Lees)
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Fritz The Cat, Mister Natural oder der Comic Strip "Keep On Truckin" - in den 60er-Jahren wurde Robert Crumb mit seinen derben, provokant-obszönen Zeichnungen zum Pionier des Underground-Comics. Von seinen Fans als "Halbgott" verehrt, haben seine Zeichnungen schon längst den Weg ins  Museum gefunden. Heute wird amerikanische Comic-Zeichner, der sich selbst auch sehr oft porträtiert hat, 75 Jahre alt. Andreas Platthaus ist Literaturchef der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und hat Robert Crumb bei einem seiner Deutschlandbesuche auch einmal persönlich erlebt.

Ein Altmeister wie Brueghel

Die Vorbilder von Crumb seien die bekannten Zeichner von Walt Disney - insbersondere Carl Barks - gewesen, erklärte Andreas Platthaus. Die Unschuld von Disney-Figuren sei aber bei den Charakteren von Crumb verloren gegangen. Jenseits von Themen und Inhalten habe der Amerikaner nach Ansicht von Platthaus auch eine ganz andere Technik als Zeichner gehabt: "Wie Robert Crumb die Schraffur beherrscht, ist fast schon altmeisterlich - ähnlich wie Brueghel und andere Künstler."

Wir haben noch länger mit Andreas Platthaus gesprochen - hören Sie hier die Langfassung des Corsogesprächs

Oftmals sah sich Crumb mit dem Vorwurf konfrontiert, dass seine Zeichnungen rassistisch und sexisistisch sind. Crumb sei jedoch kein Rassist, erklärte Platthaus im Dlf. Er sei ganz in der Nähe eines Schwarzenviertels in Philadelphia aufgewachsen, hätte dorthin Freundschaften gepflegt und sowieso immer den Kontakt zu Subkulturen gesucht. Seine Frauenfiguren seien starke, voluminöse Gestalten, die sicherlich sexualisiert dargestellt würden. Nur würde aus Sicht von Platthaus oft übersehen, mit wieviel Respekt diese beide Gruppen auch von Crumb dargestellt würden: "Sie kommen viel besser weg als die weißen Männer."

Kritischer Kommentator

Crumb gilt als kritischer Kommentator der US-Kultur. Zu Trump habe er sich zeichnerisch allerdings nicht geäußert, wie Platthaus sagte. Der Zeichner würde schon  seit über 30 Jahren in Europa leben. Crumb habe immer gesagt, dass er sich nicht mehr mit aktuellen Entwicklungen in seiner Heimat befassen will, weil ihm die unmittelbare Anschauuung fehlen würde.

Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Der Deutschlandfunk macht sich Äußerungen seiner Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen nicht zu eigen.

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