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StartseiteEuropa heute"Die Küsten geben ein trauriges Bild ab"04.01.2019

Container-Havarie in den Niederlanden"Die Küsten geben ein trauriges Bild ab"

Etwa 270 Container hat ein Frachter in der Nordsee verloren, einige der Boxen wurden an die niederländische Küste gespült. Die Behörden hätten gut reagiert, sagte die Journalistin Annette Birschel im Dlf. Dennoch gingen Gefahren für die Umwelt und den Schiffsverkehr aus.

Annette Birschel im Gespräch mit Frederik Rother

Angespültes Treibgut an einem niederländischen Strand (dpa picture alliance / Minke Schat)
Angespültes Treibgut auf der niederländischen Insel Terschelling nach der Havarie des Frachters "MSC Zoe" (dpa picture alliance / Minke Schat)
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Frederik Rother: Kleine pinke Spielzeugpferde, Glühbirnen und Flachbildschirme - nur einige der Gegenstände aus den etwa 20 Containern, die in den letzten Tagen an die Küsten im Norden der Niederlande gespült wurden. Zur Freude vieler Strandgut-Sammler. Insgesamt hat der Frachter "MSC Zoe" etwa 270 Frachtboxen bei stürmischem Wetter verloren, in der Nacht zum Mittwoch war das. Seitdem wird nach den über Bord gegangenen Containern gesucht. Niederländische und deutsche Behörden arbeiten dabei eng zusammen. Denn die Güter sind ein Problem für die Umwelt und in drei der Container wurden gefährliche Chemikalien transportiert, eine giftige Substanz wurde schon angespült.

Über die Havarie kann ich jetzt mit Annette Birschel sprechen, freie Journalistin die den Fall beobachtet und seit langem in den Niederlanden lebt. Frau Birschel, wie sieht es denn aktuell an den niederländischen Küsten aus?

Annette Birschel: Es geht vor allem um die Strände der Friesischen Inseln, aber inzwischen auch um die Küste vom Festland und das ist wirklich ein ganz trauriges, dramatisches Bild. Die sind übersät mit Sachen, die aus den Containern stammen. Sie haben das eben schon gesagt, also Plastikpuppen aber diese kleinsten Seifenspender zum Beispiel, bis hin zu Gefrierschränken und dann wahnsinnig viel Styropor und Verpackungsmüll. Inzwischen ist es so, dass die Bürger wirklich ihr Bestes tun, um das aufzuräumen. Übrigens helfen sehr viele Touristen, die ja auch auf den Inseln sind und es ist eine große Welle der Hilfsbereitschaft aus dem ganzen Land bereits angelaufen, die sagen, wir wollen vor allem jetzt am Wochenende kommen, um zu helfen. Aber selbst das wird wahrscheinlich nicht ausreichen. Das heißt, heute wird das Verteidigungsministerium die Armee einsetzen, um mit einer ersten großen Gruppe von etwa 100 Soldaten anzufangen, die Strände sauber zu machen.

Forscher fürchten dauerhafte Schäden

Rother: Es sind viele Gegenstände und Güter die dort an den Stränden liegen. Welche Gefahr besteht denn dadurch für die Umwelt?

Birschel: In erster Linie geht es natürlich um das Wattenmeer selbst, das ist ja ein sehr sensibles Naturgebiet und da wird jetzt schon gesagt, die erste Gefahr ist für die Seehunde und die Vögel. Und wenn das Plastik in den Dünen bleibt und im Wasser kleinste Teile sind, dann sind natürlich auch die Fische bedroht. In zweiter Linie geht es aber auch darum, wie viele dieser Container, über 200 sind ja wahrscheinlich noch gar nicht gefunden worden, mit diesem Plastik, zum großen Teil ist es ja Plastik und viel Elektroschrott, ins offene Meer hinaustreiben dann Richtung Skandinavien und schließlich auch dann zum Nordpol. Und da sagen jetzt schon Forscher wir fürchten, dass es dauerhafte Schäden gerade in Gebieten geben wird, die jetzt auch schon bedroht sind und dann reden wir natürlich auch von Fischen, Vögeln die da bedroht sind.

"Die Behörden arbeiten im Prinzip gut"

Rother: Wie gut sind denn die Behörden in den Niederlanden organisiert und auf solche Fälle vorbereitet?

Birschel: Ja, im Prinzip läuft das gut. Also auch die Koordination mit den deutschen Behörden funktioniert wirklich sehr gut. Da ist natürlich die Küstenwache, die das koordiniert in den Niederlanden mit den Ministerien in Den Haag und den lokalen Behörden. Was sie alle aber sagen ist, wir können zwar vorbereitet sein, aber in diesem Ausmaß hat es das eigentlich noch nicht gegeben. Was wir jetzt erleben, ist eine Menge an Containern in einem relativ kleinen Gebiet, was wir sonst vielleicht in einem Jahr oder in acht, neun Monaten gehabt haben.

Rother: Sie sagen es, viele der Container sind ja noch nicht geortet und gefunden. Welche Gefahren gehen denn davon für den Schiffsverkehr aus, ist der eingeschränkt?

Birschel: Der Schiffsverkehr läuft im Prinzip normal. Wo die großen Gefahren sind, das ist für die Fischerboote, denn die Fischerboote befürchten einfach eine Kollision mit so einem Container im Wasser, das ist natürlich sehr gefährlich. Sie sagen auch, wenn sich so ein Container in den Netzen verstrickt, dann kann das auch dazu führen, dass so ein Boot kentert und deswegen ist es so, dass die Küstenwache weiterhin mit Flugzeugen von oben schaut und guckt, ob da irgendwie Container treiben und das dann die Schiffe gewarnt werden.

Die Untersuchungen zum Unglück laufen

Rother: In Deutschland gibt es erste politische Forderungen nach schärferen Kontrollen und Regelungen. Wie wird in den Niederlanden über mögliche Fehler und auch Verantwortlichkeiten diskutiert?

Birschel: Was jetzt auf jeden Fall ganz sicher ist und zunächst einmal sagen jetzt schon die ersten niederländischen Kommunen, wir werden auf jeden Fall den Reeder, der in der Schweiz sitzt, haftbar machen für die Schäden, denn er ist am Ende dafür verantwortlich. Aber es wird eigentlich noch gewarnt und gesagt ja, wir müssen erstmal gucken, was die Untersuchung ergibt, denn das Schiff liegt jetzt in Bremerhaven und da wird geschaut, ist alles gut verankert gewesen. Aber die Experten sagen auch, wenn es eben ein so großes Schiff ist, und auf dieses Schiff passten 19000 Container, das muss man sich mal vorstellen, und allein rein die Container, die über dem Schiffsrumpf ragen, und wenn ein starker Sturm ist, dann kann das also tatsächlich ins Rutschen kommen und dann ist die Frage, ob tatsächlich da wirklich viel dran zu machen ist, also die warnen vor zu schnellen Schuldzuweisungen.

Rother: Informationen waren das von meiner Kollegin Annette Birschel zur Container-Havarie in der Nordsee, vielen Dank.

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