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StartseiteThemaWie eine Corona-Tracing-App funktioniert29.04.2020

Corona-AppWie eine Corona-Tracing-App funktioniert

Eine Corona-App könnte dabei helfen, die Verbreitung des Coronavirus zu verhindern. Man spricht dabei von Tracking- oder Tracing-Apps. Was ist der Unterschied, wie funktioniert diese Verfolgung Infizierter und deren Kontaktpersonen und wie sicher sind dabei die Daten der Nutzer? Ein Überblick.

Ein Jugendlicher steht mit Mundschutzmaske auf einem S-Bahnsteig in Berlin und blickt auf sein Handy. (imago/Emmanuele Contini)
Mithilfe von Corona-Tracing-Apps sollen Infektionsketten besser nachvollzogen werden (imago/Emmanuele Contini)
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Möglichst schnell soll eine App Nutzern Anhaltspunkte für einen möglichen Kontakt zu Infizierten liefern. Sie könnte damit helfen, das Coronavirus eindämmen und trotzdem die strengen Maßnahmen zu lockern. Forscher arbeiten an der Entwicklung verschiedener Apps, in manchen Ländern sind sie schon auf dem Markt.

Was soll mit einer Coronavirus-App überprüft werden?

Wenn jemand sich mit dem Coronavirus infiziert hat, ist es wichtig zu wissen, mit wem diese Person in den vergangenen zwei Wochen engeren Kontakt gehabt hat. Nicht nur im privaten Bereich, sondern auch im öffentlichen Raum. "Engerer Kontakt" bedeutet: Menschen, die weniger als als zwei Meter Abstand zu der erkrankten Person hatten.

Was ist der Unterschied zwischen Tracking und Tracing?

Tracking und Tracing bedeutet übersetzt: Verfolgung und Rückverfolgung. In der Logistik geben (Live-)Tracking und Tracing zum Beispiel bei der Sendungsverfolgung Auskunft darüber, wo sich wann genau Waren befinden. Beim Tracing handelt es sich um eine zeitlich versetzte Verfolgung eines Routen-Ablaufs anhand von Aufzeichnungen, also um eine Nachverfolgung. Beim Tracking werden Echtzeit-Daten und Standort-Daten erfasst - wie zum Beispiel bei Navigations-Anwendungen. Diese Tracking-Daten sind allerdings aus Datenschutzgründen sehr sensibel und eventuell auch zu ungenau.

Wie funktioniert die Corona-App?

Wichtig wäre, dass es nur eine einzige App gibt, die wirklich alle benutzen. Man würde sich bei der App anmelden. Und wenn man zum Beispiel mit der Bahn fährt, würde die App registrieren, mit welchen Personen man kritischen, näheren Kontakt hatte - also einen Abstand, der geringer war als zwei Meter - und das über einen längeren Zeitraum. Voraussetzung ist, dass die anderen Personen die App ebenfalls installiert haben. Denn nur dann kann man das überprüfen. Für die Apps werden unterschiedliche Technologien genutzt, die einen setzen auf Bluetooth, andere auf GPS-Ortungen.

Wer an COVID-19 erkrankt, kann das der zentralen Stelle melden und veranlassen, dass seine Kontakte informiert werden. Die bekommen dann eine Nachricht und können sich testen lassen. Die Daten würden zentral auf einem Server gesammelt, den private Firmen oder staatliche Institutionen verwalten können, etwa das Robert Koch-Institut. So lautete zumindest der erste Vorschlag von Bund und Ländern, die die App-Technologie PEPP-PT befürwortet haben. Nach massiver Kritik wegen mangelnder Datenschutzanforderungen will die Bundesregierung nun eine App verwenden, bei der die Daten nur auf den Mobilgeräten gespeichert werden.

Coronavirus (Imago/Rob Engelaar/Hollandse Hoogte)Übersicht zum Thema Coronavirus (Imago/Rob Engelaar/Hollandse Hoogte)

Wie können die persönlichen Daten geschützt werden?

In Singapur gibt es zum Beispiel die App TraceTogether. Die funktioniert so: Man meldet sich bei einer zentralen Stelle an. Die Daten werden verschlüsselt. In der App erscheint man nur als Nummer. Die Daten der anderen Nutzer, denen man zum Beispiel in der Bahn begegnet, werden per Bluetooth - und ebenfalls verschlüsselt - an die Smartphones der Nutzerinnen und Nutzer geschickt und zentral gespeichert. Auch die Identität der Erkrankten, die sich melden und deren Kontakte informiert werden, wird nicht offenbart.

Die Bundesregierung favorisiert ebenfalls eine App, deren Daten nur anonymisiert verwendet und nach einer gewissen Zeit wieder gelöscht werden. Es sollen zwischen den Nutzern der App temporäre verschlüsselte Identitäten ausgetauscht werden. Wenn es zu einer Infektion kommt, soll ohne Identifikation der Kontaktpersonen eine Benachrichtigung veranlasst werden. 

Können die App-Daten problemlos gelöscht werden?

Technisch lassen sich die App und die gesammelten Daten auf dem Smartphone wieder löschen. Es kommt aber auf die Programmierung an. Zudem müssten ganz klare Regeln und Vorgaben vereinbart werden, wann die Daten auch auf den Servern der Sammelstellen wieder gelöscht werden. Denn die Erfahrung lehrt: Wenn es erstmal irgendwo eine Datensammlung gibt, findet sich immer eine Behörde oder eine Firma, die ein ganz eigennütziges Interesse an diesen Daten hat. Und das muss man verhindern.

Wird die Corona-App Pflicht?

Die Politik setzt bei ihren Überlegungen, eine solche App einzusetzen, auf Freiwilligkeit. Laut Umfragen wären etwa 50 bis 70 Prozent der Bevölkerung bereit, sich eine Tracking-App freiwillig zu installieren.

  (picture-alliance / dpa / Bernd von Jutrczenka) (picture-alliance / dpa / Bernd von Jutrczenka)Handy-Tracking geht "nur mit Freiwilligkeit"
In der Diskussion um eine mögliche Handy-Ortung zur Eindämmung der Corona-Pandemie in Deutschland, setzt Bundesjustizministerin Christine Lambrecht (SPD) auf Freiwilligkeit in der Bevölkerung.

Was sagen Kritiker der Tracking-App?

Kritiker geben zu bedenken, dass man von der Abstandsmessung der Handysignale nicht auf die Höhe des Infektionsrisikos schließen kann. Der Nutzen stehe in keinem Verhältnis zum Einschnitt beim Datenschutz. Zudem bündele die Diskussion und die Forschung an so einer App Energien und Arbeitskraft, die gerade an anderer Stelle gebraucht würden, argumentiert etwa der Epidemiologe Gérard Krause im Dlf.

Das von der Bundesregierung zunächst favorisierte Projekt PEPP-PT stößt bei Forschern auf Kritik. Gleich mehrere Forschungseinrichtungen kündigten die Mitarbeit auf. Sie kritisieren mangelnde Datenschutzanforderungen der App. 

Eine Frau läuft durch eine Straße, trägt einen Mundschutz und Sonnenbrille und blickt dabei auf ihr Handy, das sie vor sich trägt. (picture alliance/NurPhoto/Beata Zawrzel) (picture alliance/NurPhoto/Beata Zawrzel)Forscher warnen vor einer zentralisierten Datenbank
Das von der Bundesregierung favorisierte Projekt PEPP-PT steht wegen der zentralen Datenhaltung in der Kritik – es gibt dazu mehrere Alternativen.

Die Bundestregierung strebt nun eine Tracing-App an, bei der die Daten nur auf den Mobilgeräten gespeichert werden. Auch das Europäische Parlament fordert in einer Resulotion einen dezentrale Ansatz - möglicherweise durch das Tracing-Protokoll DP3T, das wesentlich in der Schweiz entwickelt wurde. Zudem ist die österreichische Software der Firma Accenture im Gespräch. Die zwei Technologiekonzerne Apple und Google entwickeln eine dezentrale Lösung als Basis für die Apps.

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(Redaktion: Philipp Banse, Cornelia Crumbach, Nina Voigt, Olivia Gerstenberger)

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