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StartseiteInformationen am MorgenDie Großstädte als Hotspots12.10.2020

Corona-InfektionszahlenDie Großstädte als Hotspots

Die Maßnahmen gegen die Corona-Pandemie werden vielerorts verschärft. Die Politik hat vor allem die Großstädte im Blick. Berlin, Bremen, Frankfurt am Main, Köln und Essen sind bereits Corona-Hotspots. Eine Ausweitung der Maskenpflicht oder Alkoholverbote sollen nun Abhilfe schaffen.

Von Katharina Thoms

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Menschen tragen Mund-Nasen-Bedeckungen und gehen in Berlin-Kreuzberg über den Markt am Maybachufer. (Christoph Söder/dpa)
Steigende Infektionszahlen in Berlin (Christoph Söder/dpa)
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Menschen tummeln sich in Stuttgart am frühen Sonntagabend. Masken trägt kaum jemand – weil noch niemand muss. Noch. Ab Mittwoch wird sie voraussichtlich Vorschrift in der City. Verschärfte Regeln - weil die Corona-Infektionszahlen am Wochenende weiter gestiegen sind. Die Menschen in Baden-Württembergs Landeshauptstadt im Risikogebiet reagieren mal besorgt, mal gelassen:

"Sorgen macht es einem natürlich, weil wir alle keinen Lockdown wieder wollen."

"Ja, war absehbar, glaube ich."

"Man fühlt sich schon nicht ganz so wohl. Aber man muss ja trotzdem irgendwie damit umgehen."

Stuttgarts Oberbürgermeister Fritz Kuhn von den Grünen hat deshalb an die Bürgerinnen und Bürger der Stadt appelliert. Im SWR sagte er: "Ich sage, das muss Teil eines Generationenvertrags sein, dass die Jungen Rücksicht nehmen auf die Älteren. Und wir müssen schnell runter, weil wir sind schon in einer Phase exponentiellen Wachstums."

Coronavirus (imago / Rob Engelaar / Hollandse Hoogte)Übersicht zum Thema Coronavirus (imago / Rob Engelaar / Hollandse Hoogte)

Verständnis für Maßnahmen

Die Stadt hat die Bundeswehr um Unterstützung gebeten, weil man mit der Kontaktnachverfolgung auf dem Gesundheitsamt nicht hinterherkommt. Private Feiern werden jetzt auch in Stuttgart eingeschränkt. Alkohol darf dann in Geschäften ab 21 Uhr nicht mehr verkauft werden und nachts auf öffentlichen Plätzen nicht mehr getrunken werden ab Mittwoch.

Dafür gibt es überwiegend Verständnis auf Stuttgarter Straßen:

"Naja, ich kann schon nachvollziehen, je Alkohol, desto näher. Geht mir selber auch so. Ob ich das mit den öffentlichen Plätzen viel bringt, weiß ich nicht."

"Also ein bisschen übertrieben vielleicht."

"Ich denke, da sollte man natürlich alle Maßnahmen, die notwendig sind, um dem kompletten Lockdown vorzubeugen, vornehmen."

Verschärfte Regeln gelten oder kommen auch für Köln, Mainz und Essen, denn auch sie sind am Wochenende zum Corona-Risikogebiet erklärt worden. Berlin, Frankfurt am Main, Bremen und noch einige andere Großstädte und Ballungsräume hatten die kritische Sieben-Tage-Marke von 50 Infektionen pro 100.000 Einwohnern schon vergangene Woche erreicht.

Einheitlichkeit gefordert

Berlin und auch Frankfurt haben deswegen Sperrstunden verhängt. Lokal und damit gezielter reagieren: Das Konzept für den Herbst in der Coronakrise wird zunehmend kritischer betrachtet. Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Armin Laschet von der CDU will mehr Einheitlichkeit – und hat die zunächst mal für das eigene Bundesland angekündigt:

"Wir sind auch der Auffassung, dass wir in den Hotspots - anders als bisher, wo wir für jeden einzelnen Hotspot Maßnahmen mit den Kommunen getroffen haben - landeseinheitliche Kriterien brauchen."

Dann sollen auch in Nordrhein-Westfalen weniger Menschen bei privaten Feiern zusammenkommen. Veranstaltungen mit über 500 Teilnehmenden draußen und 250 drinnen würden abgesagt im Risikogebiet, zählte Laschet auf. Sonst gelte eine Maskenpflicht auch am Platz. Für strengere Maskenregeln ist auch Bayerns Ministerpräsident Markus Söder von der CSU:

"Um das dann auch umzusetzen, braucht es einen einheitlichen Bußgeldrahmen, so wie in Bayern 250 Euro als klare Regel, denn die Maske schützt den Vernünftigen vor dem Unvernünftigen."

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Auf Partys und Urlaub verzichten

Viele Regierende in den Ländern appellierten am Wochenende an die Bevölkerung: Auf Partys verzichten – und vielleicht auch auf den Urlaub in den Herbstferien. Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann von den Grünen regte das an, genauso wie Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident:

"Wir appellieren noch einmal an jedem, der noch keine Reise angetreten hat, darauf, in diesem Jahr zu verzichten."

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Die regionalen Unterschiede werden auch die Diskussion der nächsten Tage bestimmen.

"Wir brauchen mehr bundeseinheitliche Regeln, die die Menschen verstehen, und ich bin zuversichtlich, dass das am kommenden Mittwoch auch gelingen kann."

Dann nämlich beraten erneut die Regierungschefinnen und -chefs der 16 Länder mit der Bundeskanzlerin.

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