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StartseiteCorsoToilettenpapier vom Osterhasen01.04.2020

Corona-KunstaktionToilettenpapier vom Osterhasen

Das Coronavirus vermiest 2020 die Ostereier-Suche - die Münchener Künstlergruppe Rabbits in Movement hat eine Guerilla-Aktion daraus gemacht. Sie versteckte an vielen Plätzen in der bayerischen Hauptstadt das derzeit wohl am meisten gefragte Utensil. Ein April-Scherz mit Hintergedanken.

Von Michael Watzke

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Guerilla-Kunstaktion mit Toilettenpapier: Die Münchner Gruppe Rabbits in Movement packt mit Hasen-Masken Rollen ein (Deutschlandradio/Michael Watzke)
Guerilla-Kunstaktion mit Toilettenpapier: Die Münchner Gruppe Rabbits in Movement (Deutschlandradio/Michael Watzke)
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"Das ist unser kleines Präsent!", sagt Blue Rabbit, ein Münchner Aktions-Künstler, und hält ein hübsches, rotes Päckchen vor seine blaue Hasenmaske. "Eine exklusive, saubere Rolle Klopapier. Vierlagig. Verpackt in ökologischem Papier. Mit ganz viel Liebe zugeschnürt. Versehen mit einer schönen Botschaft."

Diese frohe Osterbotschaft vom Klopapier kommt an diesem 1. April natürlich nicht ganz ohne Ironie daher. Klopapier sei in diesen Zeiten ja knapp und deshalb wertvoll wie Gold, sagt Blue Rabbit.

135 Rollen wollen gefunden werden

"Aber es ist auch eine tiefere Message mit dabei: dass wir die Leute stärken wollen, dass wir wirklich für einander da sind. Dass wir Sachen nicht nur bunkern und uns damit von anderen trennen, sondern dass wir auch für einander da sind, uns gegenseitig helfen."

Heute früh um fünf Uhr, im Schutz der Dunkelheit, versteckte die dreiköpfige Guerilla-Truppe in Hasenkostümen die liebevoll verpackten Klopapier-Rollen. Rund um den Münchner Weißenburgplatz, erzählt Künstlerin Yellow Rabbit:

"Es waren 135 Rollen, wenn wir richtig gezählt haben. Wir haben offensichtlichere Verstecke gesucht. Denn wir fänden es schade, wenn es zu gut versteckt ist und die Leute dann nicht verstehen, dass das ein Geschenk zum Mitnehmen ist!"

"Ein bisschen Freude verbreiten"

Und alle schön mit mindestens zwei Meter Sicherheitsabstand. Und nun beobachten die Rabbits in Movement, wie sie sich in den sozialen Netzwerken nennen, gespannt und mit leuchtenden Kinderaugen, wer ihre Ostergeschenke findet und sich über die mitverpackte Liebes-Botschaft freut.

"Ja, definitiv! Wir hoffen, dass der eine oder andere uns was postet und seine Freude mit uns teilt. Weil das unser Antrieb ist, warum wir das machen. Damit wir die Nächstenliebe sehen und merken, die Message ist angekommen. Und wir können in diesen Zeiten ein bisschen Freude verbreiten."

Deshalb sprechen die Münchner Guerilla-Hasen auch nicht von schnödem Klopapier, sondern von "Klove-Papier", vom englischen Love für Liebe. Am schwierigsten sei es gewesen, die 135 Rollen aufzutreiben, sagt Blue Rabbit:

"Hör bloß auf! Wir sind in ganz München ausgeschwärmt, um Läden zu finden, wo wir noch Rollen bekommen. Das war echt ne große Challenge! Wir haben alles geopfert – bis auf die letzte Rolle. Nur für diese Aktion!"

Es wächst etwas Neues in der Krise

Und so werden heute dutzende Menschen in München eine Rolle finden – so wie wir alle unsere Rolle finden müssen in diesen Corona-Zeiten. Auch - und gerade - die Künstler, die derzeit händeringend nach Beschäftigung suchen.

"Für uns als Kreative ist das gerade ein total spannendes Umfeld. Weil immer, wenn ein bisschen Chaos entsteht, werden die Leute bisserl unruhig, aber wir spüren, dass jetzt was Neues wachsen und entstehen kann."

Und sei es ein Aprilscherz mit Klove-Papier, das uns alle in dieser seltsam neuen Häuslichkeit verbindet.

"Im Namen der Nächstenliebe"

Die Rabbits in Movement planen übrigens schon die nächste Aktion. Immer im Einklang mit dem Infektionsschutzgesetz und den Maßnahmen zur Eindämmung des Corona-Virus. Sie wollen niemanden gefährden, sagen die Künstler, aber ein bisschen Freude an der Subversivität brauche es schon auch, sagt Blue Rabbit:

"Die Lust, einfach mehr Aktionen zu starten, immer mit dieser ironischen, spaßigen Botschaft. Wir wollen ja niemandem aufdrängen: 'So sollt ihr sein.' Sondern eine Botschaft des Füreinander und Miteinander! Alles im Namen der Nächstenliebe. Denn gerade in so schweren Zeiten wie Corona merkt man, wie wichtig das in der Gesellschaft wird. Wenn wir das geschafft haben, sind wir glücklich und brauchen auch keine Klopapierrolle mehr."

Und dann verschwinden der gelbe Hase und der blaue Hase wieder in ihrer Höhle - irgendwo in München.

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