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Startseite@mediasresDer Stand der Dinge30.08.2017

DAB+Der Stand der Dinge

Es ist in der Medienpolitik seit Jahren eines der umstrittensten Themen: Wie werden wir in Zukunft Radio hören? Die Analog-Abschaltung ist beschlossen, wird aber noch nicht umgesetzt. Dabei findet der neue Digitalstandard DAB+ immer mehr Verbreitung.

Von Sören Brinkmann

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Es klingt verheißungsvoll, was das Digitalradio verspricht. Und tatsächlich steigt die Verbreitung stetig. Laut dem aktuellen Digitalisierungsbericht der Landesmedienanstalten verfügen inzwischen rund 13 Prozent der Haushalte über ein DAB+-Radiogerät. Drei Jahre zuvor waren es gerade mal 4,5 Prozent. Ganz vorne stehen die südlichen Bundesländer Bayern und Baden-Württemberg, aber auch Sachsen. Beim Blick auf den Netzausbau zeigt sich, dass heute weit über 90 Prozent der Deutschen Digitalradio empfangen können.

"Ein Sound von München bis Hamburg."

Doch seit es DAB gibt, gibt es auch Streit um das Für und Wider der digitalen Radioübertragung. Befürworter setzen sich für die möglichst schnelle und flächendeckende Verbreitung ein.

"Der Druck ist da seitens der Programmanbieter, weil alle Öffentlich-Rechtlichen an einem Strang ziehen. Zweitens: Die Geräte sind da. Drittens: Das Marketing ist da. Viertens – und das ist nun noch nicht richtig da: Was macht eigentlich die Politik?"

Carsten Zorger betont die Bedeutung des DAB+-Ausbaus. Er leitet das Digitalradio-Büro Deutschland – und er fordert, dass sich die Politik auf DAB festlegt, inklusive UKW-Abschaltung.

"Wenn wir uns erinnern an die Analogabschaltung des Fernsehens hin zu digitalem Fernsehen: Da hat die Bundesregierung gemeinsam mit der Europäischen Union eine Regelung geschaffen, die das klassische Antennenfernsehen analog beendete. Das Gleiche fordern wir jetzt als Rundfunkanbieter, dass es eine Gesetzgebung gibt, die regelt, dass die letzte analoge Insel praktisch abgeschaltet wird zugunsten der Digitalisierung."

Viele Vorteile

Das Rauschen soll mit DAB+ der Vergangenheit angehören – ein Plus im Digitalradio. Auch die Zahl der Programme erhöht sich. In vielen Ballungsräumen können derzeit zwischen 40 und 50 Sender empfangen werden. Zum Ende des Jahres sollen weitere hinzukommen.
Einige der DAB+-Befürworter halten den Kritikern deshalb vor, sie wollten nur zusätzliche Konkurrenz fern halten.

Ausgetragen wurde die Debatte zuletzt im vergangenen Jahr in der FAZ. Auf der einen Seite der damalige Direktor der Landesanstalt für Medien in Nordrhein-Westfalen, Jürgen Brautmeier und der damalige Medien-Staatssekretär Marc Jan Eumann:

Zitat: Es ist vor allem das Internet, das die Vielfalt im Radiobereich erhöht. Wir glauben: Die Vielfalt des Hörfunks, die wir in der UKW-Welt von lokal bis national in Deutschland haben und erhalten wollen, ist mit DAB+ nicht zu sichern. Dazu hat das Internet zu viel an Inhalten zu bieten, die dem Radio Konkurrenz machen. […] Bietet DAB+ einen Mehrwert, der es ermöglicht, diesen Standard auf allen Ebenen durchzusetzen? Wir meinen: nein.

Auf der anderen Seite der scheidende Deutschlandradio-Intendant Willi Steul und die ARD-Vorsitzende Karola Wille. Sie argumentieren für den Ausbau des Digitalradios:

Zitat: Die Vorteile von Digitalradio liegen auf der Hand: DAB+ ist deutlich kostengünstiger, ist bei erheblich geringerem Stromverbrauch ökologischer und ohne jedes Rauschen glasklar zu genießen. DAB+ bedeutet aber vor allem das Ende der Frequenzknappheit im UKW-Band. Und das heißt: Mehr Programme, auch für den Privatfunk, also mehr Konkurrenz.

Divergierende Interessen

Auch innerhalb der ARD-Anstalten gab es lange Zeit keine einheitliche Linie und gibt es bis heute unterschiedliche Interessen. Immerhin haben sich die Intendanten zuletzt darauf geeinigt, dass alle eine Umstellung auf DAB+ mittragen.

Doch dass gerade aus Nordrhein-Westfalen laute Gegenstimmen zu hören sind, ist kein Zufall. Hier gibt es mehr als 40 Lokalradios, die mehrheitlich den großen Zeitungsverlagen gehören. Und viele der kleinen Stationen befürchten, dass sie die Umstellung und insbesondere ein langer Parallelbetrieb überfordern würden.

Zorger: "Aber es gibt zurzeit Gespräche mit den Landesmedienanstalten und den Anbietern – auch innerhalb der KEF. Wir müssen gucken, dass wir die Privaten begleiten auf dem Weg zu DAB+, damit diese Doppelkosten nicht zu stark ins Kontor hauen."

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