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StartseiteForschung aktuellBesuch bei den Schwiegereltern beeinflusst Darmflora17.12.2019

Darmbakterien Besuch bei den Schwiegereltern beeinflusst Darmflora

Obwohl die Weihnachtszeit als besinnlich gilt, ist sie für die meisten Menschen eher das Gegenteil. Forscher aus den Niederlanden haben in einer Studie herausgefunden: Wer an den Festtagen die Schwiegereltern besucht, bei dem verändert der familiäre Stress die Darmflora.

Von Christine Westerhaus

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Bakterien der Art Enterococcus faecalis können freie Elektronen untereinander austauschen (imago stock&people)
Bakterien der Art Enterococcus faecalis gehören zur menschlichen Darmflora (imago stock&people)
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Hektik, viel um die Ohren, Stress auf der Arbeit. Weihnachten ist für die meisten anstrengend. Und wenn an Heiligabend dann noch der Besuch der Schwiegereltern ansteht, ist die Laune für einige am Tiefpunkt. Ob das auch für Nicolien de Clercq vom Amsterdam University Medical Centre gilt, ist unklar. Doch sie und ihre Kollegen wollten herausfinden, ob es für die Darmbakterien einen Unterschied macht, ob jemand das Weihnachtsessen mit der eigenen oder mit der Schwiegerfamilie verbringt.

"Eigentlich fing alles mit einem Scherz an. Es gibt ein Journal, das eine spezielle Ausgabe zu Weihnachten macht, wo entweder Studien mit Weihnachtsbezug oder einem Spaßfaktor veröffentlicht werden. Meine Kollegen und ich haben beim Mittagessen Ideen für diese Ausgabe diskutiert und einer meinte dann: Vielleicht wirkt sich das Weihnachtsessen ja auf die Bakterien im Darm aus – je nachdem, ob man mit der Schwiegerfamilie oder den eigenen Verwandten isst.

Weihnachten bei den Schwiegereltern beeinflußt Darmbakterien

Aus der Idee wurde eine Studie, für die die Forscher ausschließlich Kollegen rekrutierten. Die sollten eigene Stuhlproben sammeln und mit zur Arbeit bringen. Etwa die Hälfte der Kollegen verbrachte das Weihnachtsessen mit der Schwiegerfamilie, die übrige Hälfte speiste mit der eigenen Verwandtschaft. De Clercq hatte dann die Aufgabe, die Bakterien im Kot ihrer Kollegen zu analysieren.

"Dabei haben wir gesehen, dass diejenigen Studienteilnehmer, die an Heiligabend mit ihren Schwiegerfamilie zusammen aßen, weniger so genannte Ruminococcus Bakterien in ihrem Darm hatten. Studien an Tieren und Menschen haben gezeigt, dass Verschiebungen in der Häufigkeit dieses Bakteriums mit Depressionen und Ängstlichkeit assoziiert ist. Unsere Ausgangshypothese war ja, dass es sehr anstrengend ist, mit der Schwiegerfamilie Weihnachten zu essen. Und dazu passt unsere Beobachtung: Wenn man sich in einer stressigen Situation befindet, wirkt sich das auf die Darmbakterien aus."

Zusammenhang zwischen sozialem Stress und verändertem Mikrobiom

Allerdings können sich auch viele andere Dinge in der Weihnachtszeit auf den Stresspegel oder den Hang zu Depressionen auswirken, gibt de Clercq zu Bedenken. Außerdem war die Untersuchung mit insgesamt 28 Teilnehmern sehr klein. Deshalb sollte man das Ergebnis nicht allzu Ernst nehmen.

"Ich denke, wir sollten sehr vorsichtig mit unseren Interpretation sein. Um genauere Aussagen machen zu können, müssten wir größere Gruppen einbeziehen und auch den Stresszustand der Teilnehmer untersuchen. Aber ich denke, es ist trotzdem lustig, am Weihnachtstisch zu erwähnen, dass wir Unterschiede in der Zusammensetzung der Bakterien gesehen haben, die auf Stress und Angstgefühle hindeuten."

Forscher-Projekt mit Unterhaltungswert

Nicolien de Clercq beschäftigt sich in ihrer Forschung eigentlich mit anderen Fragen: Sie untersucht, wie sich die Bakteriengemeinschaft im Darm von Krebspatienten verändert. Die Studie an der von Weihnachten geprägten Mikrobiota war ein Projekt mit Unterhaltungswert, das jeder Forscher an ihrem Institut im Laufe der Karriere machen darf. Diese Maßnahme soll die Motivation am Institut heben. In diesem Fall ist diese Rechnung voll aufgegangen.

"Die Studie hatte einen großartigen Effekt auf unsere Abteilung. Denn wir alle hatten alle total viel Spaß damit: Wir hatten unsere Kollegen gebeten, die Tüten mit dem gesammelten Kot an die Türklinke zu hängen. Eigentlich war die Studie ja anonym. Aber am Ende des Tages hingen all diese Tüten an den Türen unseres Instituts. Das war schon eine ziemlich interessante Situation."

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