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Das Geheimnis des kalten Tropfens

Biologie.- Forscher der Universität von Tours haben Anopheles-Mücken bei der Blutmahlzeit mit einer Wärmebildkamera gefilmt und Interessantes beobachtet: Ein ausgeschiedener Flüssigkeitstropfen kühlt die Mücke beim Saugen und bewahrt sie vor Überhitzung durch das eigentlich zu warme Blut.

Von Joachim Budde | 17.01.2012

Am wohlsten fühlt sich eine Anopheles-Mücke bei 26 bis 28 Grad. Bei dieser Temperatur funktionieren die Prozesse in ihrem Körper am besten. Heißeren Umgebungen weicht sie aus, denn sie kann ihre Körpertemperatur – anders als Säugetiere – nicht selbst regulieren.

Ab und zu muss sie sich jedoch einem kleinen Hitzeschock aussetzen, denn um ihre Eier zu entwickeln, benötigt sie das Blut eines Menschen oder eines Tieres. Das kann über 40 Grad warm sein, wenn die Mücke es saugt, und das Insekt saugt davon eine riesige Menge im Verhältnis zu seinem Körpergewicht.

Professor Claudio Lazzari von der Universität François Rabelais im französischen Tours hat Anopheles-Weibchen bei ihrer Blutmahlzeit mit einer Wärmebildkamera beobachtet.

"Wenn eine Mücke an einem Warmblüter saugt, beginnt ihre Körpertemperatur zu steigen. Nach ein, zwei Minuten scheidet sie aber einen Tropfen aus, der aus Urin und frisch gesogenem Blut besteht. Dieser Tropfen wird am Anus der Mücke festgehalten, die Flüssigkeit verdunstet und kühlt den Körper der Mücke."

Dass die Anopheles-Mücke während der Blutmahlzeit einen Tropfen ausscheidet, ist lange bekannt. Bisher dachte man allerdings, das geschehe, um überschüssiges Wasser aus dem Blut auszuscheiden, es also zu konzentrieren, damit die Mücke beim Wegfliegen weniger Gewicht zu tragen hat.

"Was aber unsere Aufmerksamkeit erregt hat: Der Tropfen enthält Blut. Blut, das doch sehr wertvoll für das Insekt ist, denn das Tier muss so schnell wie möglich so viel Blut wie möglich saugen. Da erscheint dieses Verhalten wie Verschwendung. Jetzt kennen wir den Nutzen: Der Tropfen wird größer, das Tier kühlt ab."

Es muss also für die Anopheles-Mücken noch wichtiger sein, ihre Temperatur niedrig zu halten als schnellstmöglich Blut zu saugen. Dafür spricht Lazzari zufolge auch ihre Körperhaltung bei der Blutmahlzeit: Es ist für Anophelesmücken charakteristisch, dass sie ihren Kopf nah an der Haut halten und ihren Hinterleib im Winkel von 45 Grad in die Höhe strecken – weg von der Wärme.

Vom Verhalten der Anopheles-Mücken scheinen auch die Malaria-Erreger zu profitieren. Die Anopheles-Mücken nehmen sie mit dem Blut auf, die Erreger vermehren sich in ihrem Körper, und beim nächsten Stich geben die Mücken sie weiter.

"Wenn die Erreger in den Körper der Mücke gelangen, durchlaufen sie eine bestimmte Etappe ihrer Entwicklung und sind dabei darauf angewiesen, dass die Körpertemperatur der Mücke niedrig ist."

Der Tropfen zur Kühlung könnte eine Erklärung sein, warum gerade Anopheles-Mücken den Malaria-Erreger übertragen können und andere Mückenarten nicht. Die Mücke schützt sich selbst und ihren Parasiten.