
Azadeh Zamiriad leitet die Forschungsgruppe Region Afrika und Mittlerer Osten bei der Stiftung Wissenschaft und Politik. Sie sagte im Interview mit tagesschau.de, die Aussichten auf einen "fundamentalen Wechsel" im Iran seien leider bislang nicht gestiegen. Das sei bitter. Die Entscheidungsstrukturen funktionierten noch immer, und die Militärführung sei nach wie vor in der Lage, Vergeltungsschläge gegen die Nachbarstaaten durchzuführen. Hinzu komme, dass man auf den Straßen im Iran mehr Checkpoints sehe und mehr Kontrollen. Das erzeuge ein Gefühl von Repression.
Neue Repression droht
Zamiriad betonte, wenn es in dem Krieg tatsächlich zu einer Einigung kommen sollte, dann würde sich an den autoritären Grundstrukturen erst einmal nichts ändern. Schon nach dem Zwölf-Tage-Krieg im vergangenen Juni habe es eine massive Verhaftungswelle gegeben - und hier sei "Schlimmes zu befürchten", denn auch der Repressionsapparat im Iran sei noch intakt. Derzeit erlebe man, auch bedingt durch die fortwährende Abschaltung des Internets, ein "Ausmaß an Abschottung und Isolation" der Gesellschaft, wie man es seit Jahren nicht erlebt habe. Zitat: "Es gibt eine ungeheure Paranoia in diesem System, die Vorstellung, dass dieses Land unterwandert wäre von externen Kräften, dass die Gefahr an jeder Ecke lauere."
"Vieles ist noch in den Anfängen begriffen"
Grundsätzlich mangle es im Iran nicht an aktiven, widerstandsbereiten und politisch bewussten Menschen, die sich eine ganz andere Zukunft für das Land wünschten, unterstrich Zamiriad. Es gebe Berufsverbände, die ihre Mitglieder mobilisieren könnten, so etwa Lkw-Fahrer, aber auch Lehrerverbände. Im Zuge der "Frau-Leben-Freiheit"-Proteste habe es auch einen Verbund von zivilgesellschaftlichen Organisationen gegeben, an dem Studierende und Frauenrechtsbewegungen beteiligt gewesen seien. Dennoch sei vieles noch in den Anfängen begriffen - und es sei schwierig, unter autoritären Bedingungen schnell zu einer größeren Struktur zu finden. Überdies säßen prominente Oppositionsfiguren meist im Gefängnis oder im Hausarrest, so wie die Friedensnobelpreisträgerin Narges Mohammadi oder die Menschenrechtsanwältin Nasrin Sotoudeh.
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Diese Nachricht wurde am 29.03.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet.
