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StartseiteHintergrundDas ökologische Vorbild Afrikas03.08.2013

Das ökologische Vorbild Afrikas

Umweltschutz in Ruanda

Ruanda ist beim Umweltschutz auf dem Vormarsch: Der Staat gilt schon jetzt als einer der saubersten Afrikas. Besonders die Müllentsorgung wurde in den letzten Jahren reformiert. Bei der Bevölkerung stoßen die Maßnahmen allerdings auf wenig Verständnis. Deswegen wird falsche Müllentsorgung jetzt hart bestraft.

Von Jesko Johannsen

Alternative Energiequelle: Methangasanlage am Kivusee (Antje Diekhans)
Alternative Energiequelle: Methangasanlage am Kivusee (Antje Diekhans)
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Energie aus der Tiefe

Er ist ein echter Afrikaner: der Reisigbesen. Mit dem kleinen Bündel aus dünnen Ästen wird der Kontinent sauber gehalten. Auch im zentralafrikanischen Ruanda ist er omnipräsent. Die Hauptstadt Kigali ist sauberer als manch eine deutsche Großstadt. Und Ruanda ist wohl einer der saubersten Staaten Afrikas, wenn nicht sogar der sauberste.

Sauberkeit und Umweltschutz: In Ruanda ist das ein Kampf zwischen Tradition und Moderne. Das Land ist in vielerlei Hinsicht auf der afrikanischen Überholspur Richtung Zukunft: im Wirtschaftswachstum, im Ausbau von Informationstechnologien und eben auch ökologisch. Seit 2005 gibt es ein Umweltgesetz, ein Jahr später wurde die Umweltbehörde REMA gegründet. Richtlinien, Kampagnen, Kontrollen und wissenschaftliche Untersuchungen: Auch wenn REMA nicht sanktionieren darf, ist die Behörde das prägende Element in Ruandas Umweltpolitik. Für Behördenchefin Rose Mukankomeje ist die Arbeit ein klarer Erfolg:

"Wir haben viel getan. Bewusstsein ist geschaffen worden. Nicht nur mit Worten. Wir haben konkrete Pläne in die Tat umgesetzt. Wir haben Umweltmanagement von der politischen auf die lokale Ebene dezentralisiert. Wir haben mit den Menschen am Schutz von Flussufern gearbeitet, an der Verbreitung von energiesparenden Kochstellen, an der Bedeutung, seine Umgebung sauber zu halten und der Konservierung der Bio-Diversität. Wir haben einen Bewusstseinswandel, Zuständigkeiten und Beteiligung aller Sektoren erreicht."

Kein Abfall am Straßenrand, wilde Müllkippen gibt es nur sehr selten - weder in Kigali, noch auf dem Land. Ruanda will anderen afrikanischen Ländern ein Vorbild in puncto Sauberkeit und Umweltschutz sein. Mit strengen Regeln soll dieser Plan umgesetzt werden. Das Betreten der begrünten Mittelstreifen ist verboten. Wer seine leere Plastikflasche einfach auf den Boden wirft, muss Strafe zahlen. In den größeren Städten sind Müllabfuhr und Mülltrennung Pflicht. Alternative Energien sollen ausgebaut werden.


Angesichts der immer noch großen Armut im Land stellt sich jedoch zumindest die Frage, ob Umweltpolitik wirklich eines der wichtigsten Handlungsfelder ist. Auf einen Arzt kommen in Ruanda 18.000 Einwohner. Nur zwei Drittel der Bevölkerung haben Zugang zu sauberem Wasser und die Quellen sind oft mehr als einen Kilometer von den Menschen entfernt. Vor allem Frauen und Mädchen müssen täglich Wasser holen. Nur jede fünfte Schule im Land hat eine Toilette. Ruanda-Experte Alexander Stroh vom Hamburger Institut für Afrikastudien versteht allerdings das wachsende Interesse an der Umweltpolitik:

Wandel von der Agrar- zur Dienstleistungsgesellschaft

"Es ist ja nicht so, dass Ruanda ein Land ist, das produzierende Industrie hätte mit rauchenden Schloten, die unglaubliche Umweltverschmutzung produzieren. Und dann kann man sich schon fragen: Ist jetzt Umweltpolitik unbedingt das Prioritäre? Es ist aber etwas wahnsinnig Beliebtes. Es ist etwas, das in der internationalen Gesellschaft sehr sehr gut ankommt."

Doch in Ruanda klaffen Theorie und Praxis oft auseinander. Gerade in den Städten steht der Umweltschutz noch vor einer großen Herausforderung. Acht Prozent Wirtschaftswachstum bringen eine Menge Müll und einen großen Energiebedarf mit sich. Immer mehr LKW transportieren Waren von den Überseehäfen in Tansania und Kenia nach Ruanda - vor allem chinesische Billigprodukte. Sechs Millionen Mobiltelefone gibt es in dem Land, das kaum größer ist als Mecklenburg-Vorpommern und elf Millionen Einwohner hat. Der Wandel von der Agrar- zur Dienstleistungsgesellschaft überholt viele Ruander in ihrem Verständnis von Umweltschutz, sagt Mukankomeje:

"Wir müssen die Menschen in Ruanda weiterhin erziehen. Wenn wir keine klaren, aber freundlichen Regeln aufstellen, wird Ruanda eine Müllhalde werden. Jeder will ein neues Mobiltelefon haben. Jeder will seinen Computer ich weiß nicht, wie oft tauschen. Wir müssen die Menschen erziehen, dass es keinen Grund gibt, ein neues Gerät zu kaufen, wenn das alte noch funktioniert."

Elektroschrott ist in Ruanda ein ernst zu nehmendes, aber neues Problem. Dagegen ist der schwierige Umgang mit dem Hausmüll altbekannt, aber noch lange nicht gelöst. Jahrzehntelang wurde der hinter dem Haus verbrannt. In den meisten afrikanischen Ländern bis heute erlaubte Praxis - in Ruanda aber längst verboten. In den größeren Städten des Landes gibt es eine Müllabfuhr. Mülltrennung ist vorgeschrieben. Doch viele Verordnungen enden am ordentlich gefegten Straßenrand.

Zu Besuch bei Sandra Göhl in Kigali. Die Deutsche lebt seit fünf Jahren in Ruanda. Als Geografin ist sie schon beruflich an Umweltschutz interessiert und arbeitet für eine Firma, die das Verständnis für nachhaltiges Erschließen von Land fördern will. Eine Herausforderung. Denn Umweltschutz spielt in Ruanda noch immer eine geringe Rolle. Die Folgen erlebt sie auch in ihrem eigenen Haus:

"Es gab eine Person in dem Haushalt, die den Müll gerne im hintersten Eck vom Garten verbrannt hat, was eigentlich die meisten Leute hier machen. Die haben eine Ecke im Garten, wo der Müll verbrannt wird. Und das wird dann zugegraben. Und was verwest, verwest, und alles andere bleibt."

Und das findet sie bis heute im Garten.

"Also ich habe hier schon relativ viel gegraben. Man findet unheimlich viel Metallrückstände, Glühbirnen und Zahnpastatuben und Verpackungen. Und auch Batterien. Das ist echt nervig, kann man nicht anders sagen, weil auch vieles, was hier wächst, gegessen wird."

Private Müllabfuhren zu teuer für viele Ruander

Coped ist eine der privaten Müllabfuhren in Ruanda und der Recycling-Pionier des Landes. Seit 2009 forciert das Unternehmen Mülltrennung in Ruandas Hauptstadt. Eigentlich sollen die Kunden ihren Abfall nach fünf Kategorien trennen: Papier, Metall, Plastik, Bio- und Restmüll. Von keiner auf fünffache Mülltrennung - das überforderte viele Ruander. Schnell hat Unternehmensgründer Paulin Buregeya verstanden, dass die Menschen in Ruanda Zeit brauchen:

"Durch unsere Strategie, das System der fünf Abfallarten zunächst auf zwei Arten zu minimieren, fangen die Menschen an zu verstehen, wie man Müll sortiert. Bei einem höheren Bildungsstand - wie zum Beispiel in Unternehmen - lassen wir schon fünf Arten Müll sortieren. Aber bei der einfachen Bevölkerung sind es erst mal zwei: organisch und nicht-organisch."

In Kigali gibt es verschiedene private Müllabfuhren: Solche, die einfach abholen, ohne zu trennen und solche, die den Müll sortiert einsammeln. Doch die sind teuer. Knapp zwölf Euro kosten sie pro Monat. Auch weil man für jede Abfallart eine andersfarbige Mülltüte kaufen muss. Unerschwinglich für die meisten Ruander. Mehr als 60 Prozent von ihnen haben weniger als einen Euro pro Tag zur Verfügung. Sie setzen eher auf wiederverwendbare Mülltüten und auf die Müllfirmen, die nicht trennen, und dann nur vier Euro im Monat kosten - oder sie verbrennen ihren Müll weiterhin im Garten.

"Natürlich kann man sagen, dass es noch nicht zu 100 Prozent funktioniert. Wir sind in Afrika. In einem Entwicklungsland. Man wird immer Leute finden, die ihren Müll immer noch verbrennen. Der Grund ist Unwissen. Sie kennen die Auswirkungen nicht, und sie verstehen nicht, warum man seinen Müll nicht verbrennen soll. Und es gibt sicher auch Leute, die kein Geld für die Müllabfuhr haben. Aber es geht darum, dieses Verhalten zu minimieren."

Bewusstseinswandel - er ist die große Herausforderung für den Umweltschutz; nicht nur in Ruanda oder Afrika. Doch gerade der ostafrikanische Staat will Vorbild sein, muss es schaffen, dass seine Bevölkerung anders denkt, wenn es um Umweltschutz geht. Eine mit Worten kaum zu bewältigende Aufgabe - und so wird der Bewusstseinswandel in Ruanda nicht selten politisch angeordnet. Ein Politikstil, den auch der Ruanda-Experte Stroh sehr gut kennt.

"Die Methoden, mit denen Politik durchgesetzt wird, sind natürlich sehr autoritär - Top-Down-Modell. Die Regierung entscheidet und setzt es unmittelbar durch. Das heißt, es ist nichts, was von unten wächst, und es geht wahnsinnig schnell. Das Verständnis in der Bevölkerung für bestimmte Maßnahmen - ganz sicher im umweltpolitischen Bereich - hinkt dem Ganzen weit hinterher. Wir gehen über den Zebrastreifen, wir halten an einer roten Ampel an, wir halten uns an gewisse Regeln bei der Mülltrennung auf dem Mikrolevel. Da versucht der ruandische Staat, seine Bevölkerung autoritär zu erziehen. Das muss funktionieren, und nur so können wir den gesellschaftlichen Wandel hinbekommen."

Gelingen soll das mit strengen Gesetzen. Illegale Müllentsorgung wird mit mindestens 1.100 Euro Strafe oder bis zu zwei Jahren Gefängnis geahndet. Für Umweltunternehmer Buregeya eine logische Maßnahme. Denn er glaubt nicht, dass die Ruander freiwillig ihr Verhalten ändern werden.

"Wie können die Menschen davon abgehalten werden, ihren Müll zu verbrennen, und wie können wir sie stattdessen dazu bringen, Geld an eine Müllabfuhr zu bezahlen? Das hängt nur von einem Faktor ab: dem politischen Willen, dem politischen Durchsetzungswillen. Die ruandische Regierung ist recht hart darin. Das Problem besteht darin, dass sich ganz viele erst mal nicht daran halten werden. Weil sie gar keine Alternativen sehen, die Alternativen zu teuer sind oder es einfach an dem Verständnis fehlt: "Warum soll ich das jetzt tun?" Das heißt, der ruandische Staat bewegt sich ständig in dem Dilemma, unbedingt handeln zu wollen, durchaus auch bereit zu sein, autoritär zu handeln, aber auf der anderen Seite bestimmte Maßnahmen so schnell implementieren zu wollen, dass die Bevölkerung nicht hinterher kommt."

Das fängt bereits beim Energieverbrauch an - die Ruander hören sehr gerne Musik, das Radio läuft den ganzen Tag. Und weil es so nah am Äquator ganzjährig gegen 18 Uhr dunkel wird, brauchen sie viel Licht. Batterien und Energiesparlampen verbreiten sich schneller als das Wissen, wie man mit diesen Produkten umgeht, wenn sie Müll geworden sind. Reste von Wandfarben werden einfach in den Abfluss gekippt. Und das Gerücht, Erdtermiten ließen sich am besten mit Motoröl bekämpfen, hält sich hartnäckig - es wird einfach in die unterirdischen Höhlen geschüttet. Auch Sandra Göhl hat immer wieder erlebt, wie ihre Nachtwächter mit Sondermüll umgehen - und reagiert.

"Wenn die Batterie leer war, was relativ schnell geht, weil es auch keine qualitativ hochwertigen Batterien sind, werden die Batterien entsorgt, indem man sie einfach wegwirft. In den Garten oder ins Gebüsch, was natürlich nicht wirklich umweltfreundlich ist. Und der Lösungsansatz meinerseits war, nach einem Radio zu suchen, das keine Batterien braucht und trotzdem flexibel ist und von A nach B getragen werden kann. Und da gibt es diese indische Marke, die aufgekurbelt werden kann. Also aufgeladen durch Kurbeln. Das könnten wir hier mal probieren. Da wird dann so zehn Minuten gekurbelt und dann ist das Radio wieder aufgeladen."

Plastiktüten verboten

Dabei zeigt sich im Supermarkt in Kigali, dass Ruanda Vorbild sein kann. Statt in Plastiktüten werden die Einkäufe in allen Geschäften im Land in Papiertüten verpackt. Seit vielen Jahren fordern Umweltverbände weltweit, Plastiktüten zu verbieten. Ruanda hat gezeigt, wie einfach das möglich ist. Plastiktüten und Plastikverpackungen sind seit 2004 verboten. Wer nach Ruanda reist, wird bei der Ankunft streng kontrolliert. Vor allem nach Plastiktüten. Wer erwischt wird, muss 35 Euro Strafe zahlen. Und trotzdem kommt noch immer jede Menge Plastik ins Land.

"Dieser Plastikmüll kommt von der zentralen Müllhalde. Alles Plastik, das wir sammeln, kommt aus dem Müll und von anderen Produkten, die in das Land kommen und dann auf der Müllhalde landen. Wir sortieren den Plastikabfall, waschen und trocknen ihn und dann wird das Plastik recycelt."

Aloys Niyonsaba geht durch den Plastikmüll, den seine Arbeiter gerade abladen. Verpackungen, Mülltüten, Flaschen, Becher, Teller. Niyonsaba ist einer der Mitbegründer des Müllunternehmens Coped. Dann hat er sich selbstständig gemacht und Ruandas erste und mittlerweile größte Plastikrecyclingfabrik aufgebaut. 100.000 Tonnen Plastikmüll hat Ecoplastic 2012 verarbeitet - Tendenz steigend. 45 Arbeiter arbeiten in der Fabrik. Und längst gibt es Sammler, die ihm den Plastikmüll verkaufen.

Die Fabrik ist zweckmäßig und etwa so groß wie eine Turnhalle. Die Maschinen arbeiten unaufhörlich. Produziert werden Müllbeutel, Tüten zur Blumenzucht, Folien für Gewächshäuser oder Baustellen. Längst kommen Politiker und Unternehmer aus anderen afrikanischen Ländern, um sich Inspirationen zu holen. Doch es gibt mehr Plastikmüll, als Niyonsaba verarbeiten kann. Deshalb will er bald expandieren.

Vorerst sind auch sie noch echte Afrikaner: LKW, Busse und PKW, die pechschwarze Abgaswolken in die Umgebung blasen, wenn sie sich die Hügel Ruandas hochkämpfen. Zwar gibt es eine Art TÜV, aber der überprüft nicht die Abgaswerte. Und selbst wenn: Alle Umweltsünder von den Straßen zu holen, würde die Wirtschaft zum Erliegen bringen. Schritt für Schritt will die Regierung deshalb jetzt neue Grenzwerte beschließen und alte Autos nach und nach stilllegen.

Zwar hat Ruanda kein Problem mit seinen Klimagasemissionen; der Pro-Kopf-Ausstoß ist verschwindend gering. Trotzdem muss das Land an eine nachhaltige Zukunft seines Energiesektors denken. Derzeit ist es eines der Länder mit dem teuersten Strom Ostafrikas - schlecht für die schnell wachsende Wirtschaft. Grund für den hohen Strompreis: Die Hälfte des Stroms wird derzeit mit Diesel erzeugt. Pro Tag wird die Füllung von acht Tanklastzügen in dem einzigen Kraftwerk dafür verbrannt. Wasserkraft ist die zweite große Energiequelle und die soll ausgebaut werden. Drei neue Wasserkraftwerke sind geplant, und zusätzlich soll mehr Strom aus Wasserkraft aus Uganda importiert werden.

Stromproduktion soll verdoppelt werden

Seit 2007 steht eine der größten Solaranlagen Afrikas auf einem Berg in Kigali - betrieben von den Stadtwerken Mainz. Der Deutsche Anthony Simm ist für sie verantwortlich.

"Die Solareinstrahlungswerte für Ruanda sind ziemlich gut, sind mit die besten weltweit. Das heißt für unsere Anlage, sie leistet sehr viel. Aber es gibt keinen Einspeisetarif für Solarstrom. Es wird zwar schon lange darüber geredet, es gibt jetzt auch gesetzliche Grundlagen, aber der Tarif ist noch nicht fertig. Wir unterstützen die Regulierungsbehörde auch, indem wir unsere Bücher offenlegen, sodass die sich da ihren Reim drauf machen kann und einen Tarif verabschieden könnte, der dazu führen würde, dass mehr Investoren ins Land kämen und Solaranlagen installieren."

Doch noch liegt der Anteil von Solarenergie an der jährlichen Stromproduktion unter einem Prozent. Dabei sind nur 15 Prozent des Landes an das Stromnetz angeschlossen. Gerade im ländlichen Bereich fehlt den Menschen das Geld, um kleine Solaranlagen für ihre Häuser bezahlen zu können. Und dann hat Ruanda noch Methangas, das in großen Mengen im Kivusee gespeichert wird und dessen Abbau jetzt anläuft. So soll die derzeitige Stromproduktion verdoppelt werden. Keine regenerative Energie, aber eine mit Potenzial. Und darum geht es der Regierung bei der Stromerzeugung vor allem. Doch noch kann kein Experte sagen, ob sich Wirtschaftswachstum, Ausbau des Stromnetzes und Stromproduktion harmonisch miteinander entwickeln werden.

"Auch in Zukunft wird man aus dem Ausland Strom zukaufen müssen. Uganda wird noch weitere Staustufen am oberen Nil bauen. Da ist glaube ich schon was im Gang. Und ansonsten - wenn es aus dem Ausland nicht genug gibt, um die Wirtschaft hier am Laufen zu halten, muss man mehr Diesel verbrennen. Da wird’s im Moment wahrscheinlich nichts dran zu rütteln geben."

Ruanda hat in den letzten zehn Jahren viele Fortschritte gemacht, urteilt Politologe Stroh. Fast 20 Jahre nach dem Genozid von 1994 ist das Land eines der wenigen in Afrika, das einige der Millenniumsentwicklungsziele der Vereinten Nationen erreichen könnte, wie zum Beispiel "Bildung für alle". Auch die Kindersterblichkeit geht zurück, und immer mehr Menschen können aus der absoluten Armut geholt werden. Eine Dynamik, die Stroh in den meisten anderen afrikanischen Ländern vermisst.

"Da kann man sich also fragen, ist es vielleicht besser, sich etwas überambitionierte Ziele zu stecken, die dann nicht ganz zu erreichen, als sich gar keine Ziele zu stecken und gar nichts zu erreichen. Man muss sich dann natürlich immer anschauen, mit welchen Mitteln werden diese Ziele erreicht."

Umweltschutz bleibt im Schatten von politischem Willen, Erziehung der Öffentlichkeit und Wirtschaftswachstum eine Herausforderung. REMA-Chefin Mukankomeje ist trotzdem davon überzeugt, dass ihre Arbeit erfolgreich sein wird.

"Es gibt ein Sprichwort in Kinyarwanda: Man kann sich nicht weigern, ins Bett zu gehen, nur weil man nicht träumen will. Man hat mal gute und mal schlechte Träume. Entwicklung hat einen negativen Einfluss auf die Natur und die Ressourcen. Aber gleichzeitig haben wir das Wissen, mit dem wir diesen negativen Einfluss reduzieren können. Das ist unser Rückgrat."

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