Montag, 08. August 2022

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Das Radio und das Grundgesetz
Demokratie auf Empfang

Radio ist ein urdemokratisches Medium: Jeder kann es hören, es bringt alle zusammen. In einer neuen Reihe zeigen wir, was Hörfunk kann: als Jedermann-Sender und Gemeinschaftsmedium, als Labor und Experimentierfeld, als politische Informationsquelle und Werbeträger.

10.09.2019

Der Melker Fritz Janz aus Oerie (Kreis Springe) melkt im Dezember 1951 bei Musikberieselung eine Kuh. Aber nicht für sein Vergnügen hat er das Radio im Kuhstall aufgestellt, sondern für die Kühe. Der findige Melker hatte von Versuchen gehört, mit denen bei Musik im Stall die Milchleistung der Kühe erhöht werden sollte. Und prompt den Rundfunkempfänger in den Stall getragen. Der Versuch hat geklappt: Nach anfänglicher Unruhe haben sich die Kühe an die neuen Töne gewöhnt, die Milchleistung ist um acht Liter pro Tag gestiegen. Ganz besonders schätzt das Vieh den Jazz.
Für Mensch (und manchmal auch für Tier) ist Radio ständiger Begleiter im Alltag (picture alliance / dpa)
Radio ist Dudelfunk, Frühstücksunterhaltung, Beifahrer-Ersatz. Aber Radio ist auch politisch und kann ein Medium der Demokratie sein. Es ist akustisches Lagerfeuer, das Menschen zusammen- und ins Gespräch bringt. Es schafft einen öffentlichen Raum für den Austausch von Meinungen und Ideen, ob im Bürgerfunk oder in Anrufsendungen.
Das erste Massenmedium ist längst digital verfügbar und steckt dank Smartphone in jeder Hosentasche. Es bildet und informiert, aber es konnte immer schon auch einflüstern und agitieren. Und von Beginn an war Radio ein Experimentierfeld für Klangkunst.
Reise durch die Radiogeschichte
Zum 70-jährigen Geburtstag des Grundgesetzes zeigen wir, was Radio heute kann und früher schon konnte. Wir blicken auf die große Vielfalt der Formate, Ausspielwege und Themen – und wir suchen nach ihren Wurzeln in vergangenen Jahrzehnten.
Teilnehmer singen bei einer Feier zum 70. Jahrestag des Grundgesetzes auf Einladung der Gesellschaft für Freiheitsrechte unter dem Motto «Es lebe die Freiheit» vor dem Brandenburg Tor.
Dafür haben wir uns in ganz Deutschland quer durch die Frequenzen gehört und uns tief in die Radioarchive der Republik gegraben. Wir haben mit Hörerinnen und Hörern gesprochen, aber auch mit Menschen, die Radio machen.
Drei Hörfunkprofis erzählen
Carmen Thomas, Porträtfoto
Carmen Thomas, geboren 1946, schrieb als Erfinderin und Moderatorin von "Hallo Ü-Wagen" Radiogeschichte. 20 Jahre lang moderierte sie die mobile WDR-Mitmachsendung in ganz Nordrhein-Westfalen.

Astrid Kuhlmey ist als Ost-Berlinerin mit dem RIAS aufgewachsen. Sie begann ihre Rundfunkkarriere als Kulturredakteurin in der DDR und arbeitete nach der Wende bei DS Kultur und beim Deutschlandradio.

Max von Malotki, geboren 1977, ist nicht nur Radiomoderator, sondern auch Podcast-Fan und -produzent. Außerdem entwickelt er gerne neue Formate, zum Beispiel ein interaktives Hörspiel für den Sprachassistenten Alexa.

Ab September zu hören
Die sieben Folgen unserer Reihe "Radio aktiv - Demokratie auf Empfang" hören Sie ab dem 10. September in unserer Sendung @mediasres und am 3. Oktober um 15.30 Uhr als halbstündiges Feature.
Alle Audios im Überblick
Folge 1: Hör-Heimat - Hörfunk als akustisches Lagerfeuer (von Brigitte Baetz)
Folge 2: Propaganda - Hörfunk als Medium der Einflüsterung (von Antje Allroggen)
Folge 3: Format - Hörfunk als Trendsetter (von Isabelle Klein und Stefan Fries)
Folge 4: Funken - Hörfunk und seine Technik (von Antje Allroggen)
Folge 5: Hör-Biografien - Hörfunk mitten im Leben (von Annika Schneider)
Folge 6: Radio von allen - Hörfunk als Jedermann-Medium (von Mirjam Kid)
Folge 7: Labor - Hörfunk als Experimentierfeld (von Isabelle Klein und Mike Herbstreuth)
Feature: "Radio aktiv" - Geschichten über ein Massenmedium