Dienstag, 17. Mai 2022

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DDR-IT als Seifenoper
Liebe und Erfindergeist

Die DDR ist nicht gerade für ihre technischen Innovationen bekannt. Netzkünstlerin Nadja Buttendorf will diesen Blick verändern: In Anlehnung an ihre Familiengeschichte drehte sie eine Webserie über den Staatsbetrieb Robotron. Frauen spielen darin eine besondere Rolle, wie sie im Dlf erzählte.

Nadja Buttendorf im Corsogespräch mit Ina Plodroch | 22.10.2019

Nadja Buttendorf , ãROBOTRON - a tech operaÒ, 2018 © Nadja Buttendorf. Im Rahmen der Ausstellung ãComputer GrrrlsÒ, HMKV im Dortmunder U, 27.10.18 - 24.02.19
Ausschnitt aus der Tech-Opera "Robotron" von der Künstlerin Nadja Buttendorf (HMKV (Hartware MedienkunstVerein))
Seifenopern aus dem Fernsehen sind bekannt, eine Tech-Opera ist neu, aber in diesem Falle nicht ganz ernst gemeint. Die Künstlerin Nadja Buttendorf beschreibt darin in ganz kurzen Folgen den DDR-Staatsbetrieb "Kombinat Robotron". Zwei Staffeln sind auf YouTube mittlerweile verfügbar, Nadja Buttendorf spielt alle Figuren selbst vor dem Hintergrund aus Schwarz-weiß-Fotos aus dem Betrieb von damals.
Ironie und Zynismus
Nadja Buttendorf ist 1984 in Dresden geboren. Ihre Eltern haben sich bei Robotron kennengelernt. "Ich bin mit diesem Gebäude von Robotron aufgewachsen, das wurde mir mit der Zeit erst wieder bewusst, was da alles passiert ist", sagte sie im Dlf. Politische Erinnerungen an die DDR und die Wende habe sie nicht mehr, es seien eher die Geschichten in der Familie, also wie es ihren Eltern ging.
Die Tech-Opera sei keine Parodie, sie möchte den Allag erzählen. Für die Recherche sei sie in der Landesbibliothek in Dresden gewesen und habe die Betriebszeitschriften von Robotron gelesen und deren Bilder verwendet. "Natürlich muss man das auf eine bestimmte Art lesen. Aber das kommt oft meines Erachtens in diesem Diskurs zu kurz, wenn man über die DDR spricht, dass da Leute auch gelebt haben." Man habe sich arrangiert.
"Es geht ja darum, dass in der Technikgeschichte wenig Frauen Akteure sind", meinte Buttendorf. Für sie gehe es immer auch darum: Wie sähe Technologie aus, würde gleichberechtigt daran gearbeitet? Im Greenscreen, der neben ihrer Bett gestanden habe, habe sie die Serie gedreht und alle Rollen selbst gespielt. "Teil meiner Arbeit ist es, dass ich alles selber mache." Sie könne alles selber machen - es sei dann eben nicht so perfekt produziert wie im Fernsehen.
"Der Humor ist mir natürlich wichtig, weil da natürlich ein Zugang geschaffen wird zu meiner Arbeit." Wenn ihre Arbeiten viral gehen, sei das sehr spannend für sie. Bei einem Schmuckstück von ihr, ein Ohrring, der wie ein Ohr aussehe, "hat ein User noch mehr Ohren dran gemacht", ein anderer habe dann ein Meme daraus gemacht. "Dass viele Leute das auch verändern, das ist ganz spannend, dass es kein abgeschlossener Werkzyklus ist."
Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Der Deutschlandfunk macht sich Äußerungen seiner Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen nicht zu eigen.
Wir haben noch länger mit Nadja Buttendorf gesprochen - hören Sie hier die Langfassung des Corsogesprächs