Mittwoch, 17. August 2022

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Debatte um Mahnmal für polnische NS-Opfer
"Nationalisierung hilft nicht bei Erinnerung"

Rita Süßmuth, Wolfgang Thierse oder Aleida Assmann gehören zu den prominenten Initiatoren eines Denkmals, das an die polnischen Opfer des Zweiten Weltkriegs erinnern soll. Der Historiker Sven Felix Kellerhoff sprach sich im Dlf gegen ein solches Denkmal aus: Es erhöhe nicht die Akzeptanz für ein notwendiges Gedenken.

Sven Felix Kellerhoff im Gespräch mit Karin Fischer | 30.08.2019

Junge sitzt in Warschau auf einem Trümmerhaufen
Der Historiker und Journalist Sven Felix Kellerhoff ist für ein gemeinsames Erinnern, aber gegen ein weiteres Denkmal. Im Bild: Beginn des Zweiten Weltkriegs in Polen, September 1939. (imago / WHA)
Die Idee für ein Denkmal für die polnischen Opfer des NS-Terrors gibt es schon seit einigen Jahren. Inzwischen hat sich eine Initiative dazu gebildet, die unter anderen von den ehemaligen Bundestagspräsidenten Wolfgang Thierse und Rita Süßmuth unterstützt wird. Aber es gibt auch andere Stimmen: Der Historiker Sven Felix Kellerhoff, Leitender Redakteur der Tageszeitung "Die Welt", spricht sich gegen eine Erinnerungsstätte nur für die polnischen Opfer des Zweiten Weltkriegs aus.
Der Historiker und Journalist Sven Felix Kellerhoff
Der Historiker und Journalist Sven Felix Kellerhoff (Eventpress Rekdal/picture alliance )
Zum einen gebe es ein solches Denkmal schon, im Berliner Volkspark Friedrichshain, sagte im Dlf: "Ich glaube nicht, dass es sinnvoll wäre, neben diesem Denkmal ein weiteres am Askanischen Platz zu bauen. Dann können wir auch mal ganz Berlin mit Denkmälern vollpflastern, das erhöht die Akzeptanz für das notwendige und richtige Gedenken an die schrecklichen Verbrechen, die Hitler-Deutschland in Polen begangen hat, überhaupt nicht."
Gemeinsam an die Vergangenheit erinnern
Mit Blick auf die aktuelle politische Situation in Polen und die Darstellung der Geschichte durch die national-konservative PiS-Partei sagte Kellerhoff: "Wir müssen einen Weg finden, gemeinsam an die Vergangenheit zu erinnern, damit wir gemeinsam, Deutsche und Polen gemeinsam, die Zukunft bewältigen können."
Eine Aufteilung in einzelne Opfergruppen nach Nationalität sei ohnehin problematisch: "Das hilft nicht bei Erinnerung, diese Nationalisierung", so Kellerhoff in "Kultur heute": Das wirke eher kontraproduktiv.