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StartseiteWirtschaft und GesellschaftDebatte um steigende Strompreise27.08.2012

Debatte um steigende Strompreise

Die Kosten der Energiewende rücken mehr und mehr in den Fokus

Kritiker und Befürworter der Energiewende führen Studie um Studie ins Feld. Die Wirtschaft will weniger Wind- und Solarenergie einsetzen. Die Gegenseite verweist darauf, dass Kohle und Atomstrom verdeckt viel stärker gefördert würden als die erneuerbaren. Zahlen wird auf jeden Fall der Stromverbraucher.

Von Dieter Nürnberger

Für den Preisanstieg beim Strom werden vor allem der Ausbau und die Förderung der erneuerbaren Energien verantwortlich gemacht.    (Jan-Martin Altgeld)
Für den Preisanstieg beim Strom werden vor allem der Ausbau und die Förderung der erneuerbaren Energien verantwortlich gemacht. (Jan-Martin Altgeld)

Beim Energiekonzept der Zukunft, der Konkretisierung der Energiewende also, geht es um Dreierlei. Um den Ausbau der erneuerbaren Energien, um Versorgungssicherheit und auch um moderate Strompreise. Doch sind die Kosten der Energiewende mehr und mehr im Fokus der Diskussion. So spekuliert der Deutschlandchef des Energiekonzerns Vattenfall, Tuomo Hatakka, bereits über einen Anstieg der Stromkosten von rund einem Drittel bis zu Jahr 2020. Diese Aussage, so Bundesumweltminister Peter Altmaier (CDU) heute im Deutschlandfunk, sei nicht nachvollziehbar:

"Es werden ja jeden Tag neue Prognosen genannt, all das trägt nicht zu einer Beruhigung der Diskussion bei. Das kann man gar nicht seriös kalkulieren. Ich bin überzeugt: Ob die Energiewende teurer oder billiger wird, hängt auch davon ab, wie wir sie in den nächsten Monaten organisieren."

Altmaier gestand aber ein, dass es beim Ausbau der erneuerbaren Energien in der Vergangenheit beispielsweise zwischen den Bundesländern Abstimmungsversäumnisse gegeben habe.

Für viele ist der Schuldige jedoch längst ausgemacht: Für den Preisanstieg beim Strom werden vor allem der Ausbau und die Förderung der erneuerbaren Energien verantwortlich gemacht.

Die Befürworter des derzeitigen Erneuerbaren-Energien-Gesetzes (EEG) drehten heute jedoch den Spieß um. Eine Studie des Forums Ökologisch-Soziale Marktwirtschaft (FÖS) im Auftrag von Greenpeace zeigt auf, dass zwar die Ausgaben für die Erneuerbaren transparent aufgelistet werden, nicht aber die vielen versteckten Kosten für fossile Energieträger. Swantje Küchler vom FÖS:

"Diese Kosten sind zum einen staatliche Förderungen durch Finanzhilfen und Steuervergünstigungen. Zum anderen verursachen aber auch gerade die konventionellen Energieträger hohe Folgekosten, die ihnen auch nur zu einem geringen Anteil in Rechnung gestellt werden. Diese sogenannten externen Kosten entstehen beispielsweise durch Umwelt- und Klimaschäden, aber auch durch Risiken, die die Gesellschaft etwa bei der Atomenergie auf sich nimmt."

Würden ähnlich wie bei den Erneuerbaren Energien auch hier die Kosten für jeden nachvollziehbar aufgezeigt, dann sähe das Bild anders aus. Eine sogenannte Konventionelle-Energien-Umlage würde derzeit bei rund 10 Cent pro Kilowattstunde liegen, also deutlich mehr als die 3,5 Cent, die aktuell für die Erneuerbaren berechnet werden.

Experten gehen davon aus, dass die EEG-Umlage im Herbst auf rund 5 Cent pro Kilowattstunde ansteigen wird. Das wäre für die Gegner des derzeitigen Fördermodells der Erneuerbaren eindeutig zuviel. So legte die Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft in Zusammenarbeit mit dem Rheinisch-Westfälischen Institut für Wirtschaftsforschung ebenfalls eine Studie vor. Tenor: Das aktuelle EEG sei zu teuer, bis heute summierten sich die Kosten auf rund 50 Milliarden Euro. Der Geschäftsführer der Initiative Hubertus Pellengahr:

"Weg von der Technologie-spezifischen Subvention, hin zu einem Technologie-neutralen Modell, bei dem es Wettbewerb zwischen den erneuerbaren Energien gibt. Und damit lassen sich bis zum Jahr 2020 über 50 Milliarden sparen."

Der Wettbewerb würde entscheiden, ob beispielsweise die Windenergie auf dem offenen Meer so ausgebaut würde, wie geplant, denn diese Form der Energiegewinnung und vor allem die Netzanbindung sei recht teuer, so die Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft.

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