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StartseiteCorsoJenseits von Afrobeat14.12.2019

Der afrikanische Rapper RemaJenseits von Afrobeat

Der junge Rapper Rema aus Nigeria fühlt sich nicht nur der Poptradition Afrikas verpflichtet, sondern auch den globalen Sounds des Internets. Mit diesem eigenen Sound-Mix wurde der Teenager über Nacht zum Superstar in seinem Heimatland – und zum Repräsentanten einer neuen Popgeneration in Afrika.

Von Christian Lehner

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Auf dem Bild ist der afrikanische Rapper Rema zu sehen. Er blickt neugierig in die Kamera (Christian Lehner)
Der afrikanische Rapper Rema (Christian Lehner)
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Im vergangenen Sommer sollte sich das Leben eines aufstrebenden Rappers in Nigeria für immer verändern. In seinem Heimatland war Devine Ikubor unter dem Pseudonym Rema bereits ein Shooting Star. Doch dann nahm Ex-US-Präsident Barack Obama den Rema-Titel "Iron Man" in seine populäre Summer-Playlist auf. Seitdem blickt die ganze Popwelt auf den Teenager aus Nigeria.

"Meine Musik ist spirituell. Sie bringt mich an Orte, an denen ich selbst noch nie gewesen bin. Meine Familie und ich waren natürlich überrascht, als wir erfuhren, dass Barack Obama einen meiner Songs mochte. Also ehrlich gesagt waren wir ganz aus dem Häuschen. Respekt und Kudos an Obama!"

Großer Hoffnungsträger

Rema wirkt beim Interview schüchtern und selbstbewusst zugleich. Er trägt drei nach hinten gebundene Rastazöpfe und lange Kreuze als Ohrringe. Ihm zur Seite sitzt ein älterer Begleiter, der sämtliche Interviews mit dem Handy aufzeichnet. Rema steht bei Mavin Records unter Vertrag, dem größten Afrobeat-Label Nigerias. Der 19-Jährige ist nicht nur künstlerisch, sondern auch kommerziell ein großer Hoffnungsträger. Da will man nichts dem Zufall überlassen.

Rema wuchs in Benin City nahe der Westküste Nigerias auf. Sein Vater starb früh, sein größerer Bruder mit 15. Rema fand Trost im Kirchenchor. Und in der Musik, die aus seinem Smartphone tönte.

"Ich hörte vor allem melancholische Popmusik: Drake, Lana Del Rey, XXXTentacion und Adele. Auch viel Latin-Pop. Das Internet ist wirklich eine coole Sache. Es reduziert dich nicht auf die Musik deiner Heimat. Über mein Smartphone habe ich die ersten Beats runtergeladen, über die ich dann zu rappen und freestylen begann."

Noch im Kirchenchor etablierte Rema eine Rap-Crew – sehr zum Missfallen älterer Gemeindemitglieder. Nigeria ist stolz auf seine Poptradition. Künstler wie Fela Kuti und King Sunny Adé entwickelten den Afrobeat und erfüllten die traditionelle Jùjú-Musik mit neuem Leben. Sie gelten als Nationalheilige. Doch junge Poptalente wie Wizkid, Davido und Rema empfinden das Afrobeat-Erbe nicht nur als Bereicherung, sondern auch als Bürde.

"Es mangelt an Akzeptanz. Alles was neu ist, hat es sehr schwer. In Nigeria funktioniert Musik zunächst auf lokaler Basis. Da war die Resonanz aber negativ. Ich musste also eine Vision jenseits meiner Heimatstadt entwickeln. Und je mehr ich übte und mich verbesserte, desto größer wurde diese Vision. Warum nicht ganz Nigeria ins Auge fassen? Warum nicht Afrika? Warum nicht die Welt?"

Mit der Tradition brechen

Ganz brechen mit der Tradition wollte Rema dann wohl doch nicht. Die bisher erschienenen Tracks und EPs entsprechen zwar den Standards moderner, globaler Popmusik, doch neben all den zeitgeistigen Trap-, Autotune- und R’n’B-Sounds sind auch Spurenelemente des Afrobeats auszumachen.

Im Mittelpunkt der Texte stehen typische Teenager-Themen wie unerfüllte Liebe und die Sehnsucht nach körperlicher Nähe. Die Lyrics sind ein Gemisch aus Englisch, westafrikanischem Yoruba-Slang und Social-Media-Codes. Auch in Nigeria werden Plattformen wie Instagram immer wichtiger in der Fan-Kommunikation. Online präsentiert sich Rema zwar in coolen Posen und angesagten Szene-Outfits wie der im Trap derzeit omnipräsenten Skimaske. Doch mit sexueller und materieller Protzerei hält sich der tiefgläubige Christ auffallend zurück.

"Ich verstehe meine Marke sehr gut und ich weiß, was ich will. Ich möchte zum Beispiel, dass meine Musik in jedem Haus gespielt wird. Wenn ich nun die Schönheit einer Frau beschreibe, dann klebe ich ein Pflaster über die rüde Sprache, die im Hip Hop üblicherweise dafür verwendet wird. Ich umschreibe das mit anderen Worten und nenne diese Technik "Lambas". Die Fans wissen, was gemeint ist und die Kinder können auch meine Songs hören."

Stimme des jungen Nigeria 

Rema sieht sich als Stimme des jungen Nigeria. Der Erfolg gibt ihm recht. Die Songs seiner bisher veröffentlichten EPs und Mixtapes belegten die vorderen Ränge der Streaming-Charts. Im Oktober gewann Rema die Nachwuchskategorie des wichtigsten Musikpreises von Nigeria. Ähnlich wie früher Fela Kuti und derzeit Burna Boy möchte Rema in seiner Musik die Probleme seines Heimatlandes thematisieren. Dafür wolle er aber zunächst eine große Follower-Basis aufbauen, denn ohne die, so der junge Rapper abschließend, könne man mittlerweile weder im Musikgeschäft noch in der Gesellschaft etwas bewegen.

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