Sonntag, 31.05.2020
 
Seit 16:10 Uhr Büchermarkt
StartseiteHistorische AufnahmenSeelische Kraft und menschliche Fülle02.04.2020

Der Dirigent Hermann Abendroth Seelische Kraft und menschliche Fülle

Er war kein Virtuose am Pult, sondern mehr ein feinsinniger Anwalt von Traditionen. Der Dirigent Hermann Abendroth stand fest auf dem Fundament von Klassik und Romantik. Das machte ihn vor allem in Köln und Leipzig zu einem der herausragenden Dirigenten des 20. Jahrhunderts.

Am Mikrofon: Christoph Vratz

Hermann Abendroth dirigiert die Leningrader Philharmonie. (picture-alliance/ dpa)
Er folgte 1934 auf Bruno Walter als Kapellmeister des Gewandhausorchester in Leipzig: der Dirigent Hermann Abendroth. (picture-alliance/ dpa)
Mehr zum Thema

Oboist und Dirigent Helmut Winschermann Wegweisend als Interpret und Lehrer

Der Tenor Nigel Rogers In vielen Sprachen zuhause

Beethoven 2020 Ein kreatives Universum

"Du warst mir Glanz und Lebenshelle" und: "Dir gab ein Gott so lichtes Wesen," dichtete die Schriftstellerin Ida Boy-Ed voller Enthusiasmus über Hermann Abendroth. Der in Frankfurt am Main geborene und in München ausgebildete Dirigent fand in Lübeck seine erste Festanstellung, bevor er über eine Zwischenstation in Essen nach Köln kam, wo er 20 Jahren lang das Gürzenich-Orchester leitete. 1934 ging Abendroth als Gewandhauskapellmeister nach Leipzig und leitete nach dem Zweiten Weltkrieg die Rundfunkorchester von Leipzig und Berlin. Er war kein Star im heutigen Sinne, kein Virtuose am Pult, sondern ein Musiker, der "seelische Kraft und menschliche Fülle" in sich vereinte, wie 1956 in einem Nachruf zu lesen war. Abendroth stand fest auf den Fundamenten von Klassik und Romantik. Das gilt besonders für die Musik von Johannes Brahms, die er im Sinne der vom Komponisten geschätzten Aufführungstradition der Meininger Hofkapelle aufführte.

Richtigstellung:
In der Sendung wurde fälschlicherweise der Name Konrad Adenauers mit Entlassungen Abendroths in der NS-Zeit in Verbindung gebracht. Korrekt müsste es heißen: "Die Politik schaltete sich erstmals im Jahr 1934 in Abendroths Laufbahn ein, unter anderem in Person von Günter Riesen, dem damaligen Kölner Oberbürgermeister. Er beschwerte sich über das mangelnde Einvernehmen seines obersten Stadt-Dirigenten mit den Nationalsozialisten und warf Abendroth seine Sympathie zur Sowjetunion vor. Anders gesagt: Abendroth wurde wegen mangelnder Nazi-Nähe aus dem Amt gemobbt." Wir bitten für diesen Fehler um Entschuldigung.

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie den Deutschlandfunk