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StartseiteCampus & KarriereDer grünste Campus Deutschlands21.06.2012

Der grünste Campus Deutschlands

Die Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde geht vorbildlich voran

Die Eberswalder Hochschule bildet nicht nur aus in Sachen Umweltschutz, sie hat auch in ihrem eigenen Betrieb viel erreicht - von der Nutzung recycelbarer Materialien bis zum Kaffee aus ökologischem Anbau.

Von Nico Hecht

Die Hochschule Eberswalde hat vor 180 Jahren als Forstakademie begonnen. (Stock.XCHNG / Michal Dobrotka)
Die Hochschule Eberswalde hat vor 180 Jahren als Forstakademie begonnen. (Stock.XCHNG / Michal Dobrotka)

Dass die Eberswalder Hochschule ihren Alltag besonders umweltverträglich organisiert, hat sie schriftlich. Robin Marwege will mir das beweisen. Er macht an der HNEE seinen Master Regionalentwicklung und Naturschutz.

"Dann gehen wir jetzt mal hier hoch zur Umweltmanagerin. Da im Büro ist dann auch das Zertifikat, an der Wand, natürlich. Da geht's hier die Treppe hoch."

Tatsächlich - ein Zertifikat bestätigt: Umweltmanagerin Kerstin Kräusche organisiert den Betrieb der Hochschule nach EMAS-Kriterien. Das Eco Management and Audit Scheme gilt als das strengste Umweltmanagementsystem der Europäischen Union. Das zudem stete Verbesserung fordert, sagt Kerstin Kräusche.

"Da geht es um die Beschaffung von Materialien. Wir beziehen zertifizierten Ökostrom. Wir heizen mit Holzhackschnitzeln. Unser Papier ist grundsätzlich nur Recyclingpapier. Wie tragen wir das in die Lehre und wie entwickeln wir das mit dem Kreativpotenzial der Studierenden?"

Robin Marwege will mit anderen Studenten die Mensa ökologischer gestalten. Dazu gehören mehr vegetarische Gerichte und eine nachhaltigere Nutzung der Ausstattung. Dass hier etwa Bildschirme nur den Speiseplan anzeigten, war reine Energieverschwendung, sagt er.

"Aber die studentische AG hat ergeben, dass darauf Präsentationen ablaufen werden, die verschiedene Themen rund um Ernährung und Nachhaltigkeit behandeln. Und natürlich noch die Menüs werden da zu sehen sein."

Die Mensa befindet sich auf dem Stadtcampus, erklärt Robin Marwege. Hier finden die meisten Lehrveranstaltungen statt. Dabei ist Nachhaltigkeit in allen Studiengängen der HNEE ein Thema. Einige sind deutschlandweit einmalig: Ökolandbau und Vermarktung, Globalchangemanagement oder Nachhaltiges Tourismusmanagement, wo auch Dörte Beyer Dozentin ist.

"Wir haben natürlich Marketing, Ökonomie, also das Handwerkszeug, was ein Touristiker einfach braucht. Aber immer unter dem Gesichtspunkt, dass er nachhaltig ist, das sich alle wohlfühlen, die Bereisten wie die Reisenden und natürlich auch die Umwelt."

Vom Stadtcampus geht's in zehn Minuten mit dem Fahrrad zum Waldcampus. Hier, sagt Robin Marwege, hat die Arbeit der Hochschule vor 180 Jahren als Forstakademie begonnen.

"Einige sagen immer noch: die von der Forst. Aber das stimmt natürlich so nicht mehr. Wir haben zwar noch die Förster, aber eben auch die ganzen anderen Studiengänge."

Auf dem Waldcampus hat das Haus des Fachbereichs Holztechnik gerade eine neue Fassade bekommen - aus Holz. Darin integrierte Solarmodule produzieren Strom. Aber Wissenschaftler und Studenten untersuchen daran auch, wie Holz das energieaufwendige Aluminium beim Bau der Modulgerüste ablösen kann, sagt Umweltmanagerin Kerstin Kräusche.

"Um aus dem Bauxit, aus dem Erz Aluminium zu bekommen, ist sehr viel Energie notwendig. Und das kann eingespart werden, wenn denn eine Holzkonstruktion dies auch tragen könnte. Und unsere Studenten begleiten dieses Projekt und lernen am Objekt, was nötig ist, um die Energiewende zu schaffen."

"Gut, und von hier vom Waldcampus kann man noch ein bisschen tiefer in den Wald fahren. Da sind noch weitere Außenstellen der Hochschule. Zum Beispiel arbeitet da auch die Stiftung Waldwelten. Die haben da ihre Versuchsflächen eben auch."

Auf 7,5 Hektar haben HNEE-Forscher verschiedene Bäume gepflanzt. Hier erforschen sie Folgen des Klimawandels. Denn bisher ist nur bekannt, dass physikalische Bedingungen sich ändern: Die Temperatur wird steigen und weniger Niederschlag fällt, sagt Professor Dr. Harald Schill.

"Was das mit den Bäumen tut, weiß keiner. Und wir wollen Bäume dazu nutzen, ´ne Aussage über die biologischen Konsequenzen der Temperaturveränderung und der Niederschlagsverhältnisse treffen zu können. Und Bäume produzieren jedes Jahr Jahrringe. Sodass über das Jahrringwachstum die Konsequenzen das erste Mal abschätzbar werden."

Zurück am Stadtcampus serviert Robin Marwege im Studentenclub noch einen Milchkaffee - ziemlich lecker - und selbstverständlich aus ökologischem Anbau und fairem Handel.

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