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StartseiteForschung aktuellNur vier Lichtjahre entfernt25.08.2016

Der kleine Planet von nebenanNur vier Lichtjahre entfernt

In der heutigen Ausgabe des Wissenschaftsmagazins Nature berichtet ein internationales Forscherteam von der Entdeckung eines möglichen Planeten um den Stern Proxima Centauri. Der ist mit einer Entfernung von nur vier Lichtjahren der nächste Nachbar der Sonne.

Dirk Lorenzen im Gespräch mit Lennart Pyritz

Eine künstlerische Darstellung des Planeten Proxima b mit dem Stern Proxima Centaueri am Horizont (dpa/Nature/M. Kornmesser)
Proxima Centauri ist der erdnächste Planet außerhalb des Sonnensystems - und so könnte er vielleicht aussehen. Jedoch existieren keine Bilder des Planeten. (dpa/Nature/M. Kornmesser)

Lennart Pyritz: Was ist über den möglichen Planeten bei Proxima Centauri bekannt?

Dirk Lorenzen: Der Begleiter von Proxima Centauri hat mindestens die 1,3-fache Erdmasse, vielleicht aber auch die doppelte oder noch mehr. Er umkreist seinen Stern in 11 Tagen und in einem Abstand von 7 Millionen Kilometern, das ist nur ein Zwanzigstel der Entfernung Erde-Sonne. Sein Stern Proxima Centauri ist ein Roter Zwergstern, also ein sehr schwacher Stern. Er leuchtet etwa 700-mal schwächer als unsere Sonne.

Pyritz: Ist dieser Exoplanet wirklich erdähnlich, wie es heißt?

Lorenzen: Das ist völlig unklar. Die Forschergruppe selbst spricht vorsichtig von einem Kandidaten für einen terrestrischen Planeten. In einem zweiten Nature-Artikel jubelt ein Astronom allerdings über die Entdeckung eines erdähnlichen Planeten. Das ist Wunschdenken. Der Begleiter von Proxima Centauri ist bei dieser geringen Masse vermutlich ein felsiges Objekt, auch sicher ist das nicht. Klar scheint nur, dass er sich in der bewohnbaren Zone seines Stern befindet – das heißt, die Temperatur dort dürfte so sein, dass Wasser auf der Oberfläche flüssig wäre und nicht steinhart gefroren oder völlig verkocht.

Pyritz: Könnte dieser Exoplanet Leben beherbergen?

Lorenzen: Die Chancen stehen sehr schlecht. Bewohnbare Zone heißt bei weitem nicht, dass der Exoplanet bewohnt ist. Es ist völlig unklar, ob dieses Objekt eine Atmosphäre hat und ob es dort Wasser gibt. Dann zeigt der Planet vermutlich immer mit derselben Seite zu seinem Stern – auf der einen Seite ist also immer Tag, auf der anderen immer Nacht. Das wäre also ein merkwürdiges Klima. Zudem geben Rote Zwerge wie Proxima Centauri viel Ultraviolett- und Röntgenstrahlung ab. Leben wie wir es kennen, wäre also nur möglich, wenn der Planet ein starkes Magnetfeld hat.

Pyritz: Gibt es Bilder des Exoplaneten?

Lorenzen: Nein. Die Astronomen schließen auf den Planeten allein aus der Bewegung des Sterns Proxima Centauri. Der eiert ein wenig hin und her, weil ihn der Planet umkreist. Man hat den Planeten nicht direkt gesehen. Dieses Bild, das jetzt sogar in der vermeintlichen Fachzeitschrift Nature abgedruckt war und das jetzt überall zu sehen ist, mit einer felsigen Landschaft im morgendlichen Dunst und einer hübsch rötlicher schimmernden Sonne am Horizont ist ein reines Hirngespinst, ein Fantasieprodukt sehr kreativer und recht skrupelloser Forscher oder PR-Mitarbeiter. Mit Wissenschaft hat das nichts zu tun.

Pyritz: Proxima Centauri ist der nächstgelegene Stern – warum wurde der Planet erst jetzt entdeckt?

Lorenzen: Rote Zwerge machen es mit ihrem Flackern den Astronomen nicht leicht. Vage Hinweise auf einen Planeten gab es schon lange. In den ersten Monaten dieses Jahres haben sich viele Sternwarten zusammengetan und Proxima Centauri mit vielen unterschiedlichen Teleskopen genauestens überwacht. Erst dadurch kam man dem Planeten auf die Schliche.

Pyritz: Wie lässt sich mehr über diesen Exoplaneten erfahren?

Lorenzen: Vielleicht helfen schon das nächste Weltraumteleskop und dann die Großteleskope der 30- bis 40-Meter-Klasse, die gerade in Bau sind. Mit viel Glück ließe der Planet dann vielleicht direkt beobachten und auch eine mögliche Atmosphäre untersuchen. Erst dann könnte man sagen, ob diese Entdeckung bloß interessant ist – oder wirklich so sensationell, wie uns manche Forscher jetzt glauben machen.

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