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StartseiteCorsoDer Mond von Alabama in Münster13.09.2013

Der Mond von Alabama in Münster

Banale Stromkästen werden durch ein Kunstprojekt zu urbanen Orten des Verweilens

Für sein Projekt "The Moon in Alabama" hat der Künstler Tobias Rehberger Stromkästen, wie sie zu Tausenden in jeder Stadt stehen, umgestaltet. An diesem Wochenende werden sie enthüllt. Inspirieren ließ sich Rehberger durch den Song "Moon of Alabama".

Von Peter Backof

Eine Wolke schattet in Gelsenkirchen den Vollmond teilweise ab. (picture alliance / dpa /  Caroline Seidel)
Eine Wolke schattet in Gelsenkirchen den Vollmond teilweise ab. (picture alliance / dpa / Caroline Seidel)
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"… ein bisschen gespielt mit dieser Idee vom romantischen Ort! Wo man mit seiner Freundin auf dem Bänkchen sitzt und hinter einem scheint der Vollmond. Aber: Man sitzt halt mitten auf der Hauptstraße von Münster gegenüber vom Bahnhof. Also genau das Gegenteil von diesem romantischen Ort."

Elf Stromkästen gestaltet Tobias Rehberger um. Genau diese unscheinbaren, einen Meter hohen, grauen Kästen mit Strom- und Telekommunikationsverkabelung im Inneren.

"Man lehnt sich dran, man stützt sich drauf, man stellt sein Bier da ab, aber trotzdem ist es so ‘ne Art Nichts, oder?"

Bisher wurde auf diesen Stromkästen nur wild plakatiert, sie wurden mit Graffiti zugetaggt und Hunde markierten hier ihr urbanes Revier. Unschöne und schlecht riechende Örtchen, was aber nicht weiter auffiel, da man sie, auf dem Weg zum Zug möglichst schnell passiert. Nun macht Tobias Rehberger gerade diese Stromkästen zu urbanen Möbeln, zu Orten, an denen man verweilen soll. Gemütliche und skurrile Fantasiegebilde in knalligen Bonbonfarben.

"Das Konzept ist immer das gleiche: es gibt seltsame Rohrleitungen, die aus dem Boden kommen und die sich um dieses Ding rumschlängeln, und zwar immer so, dass man sich da auch davorsetzen kann. Eins von diesen Rohren bietet sich immer auch als Bank oder als Sitzgelegenheit an."

Ein Auftragswerk der Immobilien- und Standortgemeinschaft Bahnhofsviertel Münster e. V., eine Art Verschönerungsverein für das Areal um den Münsteraner Bahnhof herum. Der Clou: Die so gestalteten Stromkästen sind mit Zeitschaltuhren versehen. Der Künstler hat sich - einmal abseits von diesen gängigen Bildern für das Globale - New York, Rio, Tokio - elf internationale Städte herausgepickt, von Wanne-Eickel bis irgendwo in Alabama oder im Schwarzwald.

"Und am Ende von diesen Rohren gibt‘s ‘ne Lampe, die immer genau dann angeht, wenn an einem bestimmten Ort auf der Welt der Mond aufgeht - und aus, wenn der Mond dort untergeht."

Wir Besucher, die wir jetzt an einem Stromkasten am Bahnhof in Münster sitzen und uns so aus dem mobilen Fluss entfernen, mal quer stellen zu all diesem Getümmel, sind also verbunden mit einer neuen Interpretation dieser unüberschaubaren Idee des globalen Ganzen. Das ist doch wirklich eine romantische Vorstellung.

Das mag sich auch der Künstler Tobias Rehberger gedacht haben als er "The Moon in Alabama" ersann, an dem Panoramafenster seines riesigen Ateliers stehend vielleicht, am Frankfurter Osthafen, mit Blick auf einen 20 Meter hohen Kran, der unermüdlich Container auf Lastschiffe hievt.

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Website von: Münster. Kunst + Öffentlichkeit

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