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StartseiteAus Kultur- und Sozialwissenschaften"Die gute Gestaltung ergibt sich aus der Wissenschaft"10.01.2019

Designwissenschaftler zum "Ulmer Bauhaus""Die gute Gestaltung ergibt sich aus der Wissenschaft"

Die Firma Braun war eines der ersten Unternehmen nach dem Zweiten Weltkrieg, die den Gedanken des modernen Designs realisiert habe, meint der Designwissenschaftler René Spitz im Dlf. Die Gestaltung sollte nüchtern und aufeinander abgestimmt sein - eine Idee, die auch vom US-Konzern Apple aufgegriffen worden sei.

René Spitz im Gespräch mit Barbara Weber

Designer Dieter Rams steht am Dienstag (18.05.2010) im Museum für Angewandte Kunst in Frankfurt am Main hinter einem seiner legendären Stücke - dem "Schneewittchensarg", einer Kompaktanlage der Firma Braun aus dem Jahr 1963. (picture-alliance / dpa / Frank Rumpenhorst)
Designer Dieter Rams und der "Schneewittchensarg" - eine Radio-Plattenspieler-Kombination der Firma Braun (picture-alliance / dpa / Frank Rumpenhorst)

Das Bauhaus wird häufig mit der Entstehung des modernen Designs in Verbindung gebracht. Aber stimmt das überhaupt? Zwar gab es viele Ideen, aber sowohl die technischen Möglichkeiten als auch der theoretische Ansatz waren noch nicht ausgereift. Das passierte erst an der Ulmer Hochschule für Gestaltung, die ursprünglich Ulmer Bauhaus heißen sollte.

Doch nach den Anfängen mit Max Bill und einigen anderen Bauhauskünstlern beschlossen die beiden Mitgründer Inge Scholl, eine Schwester der NS-Widerstandskämpfer Sophie und Hans Scholl, und Otl Aicher eine radikale Trendwende: Aufbauend auf einem politischen, rationalen, wissenschaftlich begründeten Ansatz wollten sie Design für die junge Demokratie entwickeln und schufen so das Industriedesign.

Apple griff den Gedanken auf

Die Firma Braun war eines der ersten Unternehmen, das diese Idee konsequent aufgegriffen habe, sagte René Spitz, Professor für Designwissenschaft an der Rheinischen Fachhochschule Köln. Alle Elemente sollten aufeinander abgestimmt sein: "Ob ich jetzt eine Kaffeemaschine oder eine Saftpresse oder einen Rasierer oder eben die HiFi-Anlage von Braun habe und dazu auch die Kommunikation, die Broschüre, die Werbung, auch die Architektur des Unternehmens, die Haltung des Unternehmens, all das zusammen zu gestalten, das war der moderne Gedanke," so Spitz. "Das hat Braun mit der Hilfe der Ulmer Hochschule für Gestaltung in den 50er Jahren angefangen."

Ein Gedanke, der auch vom US-amerikanischen Technologieunternehmen Apple aufgegriffen worden sei. "Das Design von Apple bezieht sich ganz explizit auf die Haltung und auch auf konkrete einzelne Lösungen der Firma Braun, als Dieter Rams dort viele Jahre der Chef der Design-Abteilung gewesen ist."

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