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StartseiteWirtschaft am MittagDie Zukunft spielt in China17.04.2019

Deutsche AutozuliefererDie Zukunft spielt in China

China wird für deutsche Autozulieferer immer wichtiger: Während das Geschäft in Deutschland zunehmend schwieriger wird, setzt China auf das autonome Fahren und E-Mobilität. Und hat darum Bedarf für die Entwicklung neuer Produkte.

Von Silke Hahne

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15.04.2019, China, Shanghai: Workers display a Bosch IoT Shuttle concept car ahead of the 18th Shanghai International Automobile Industry Exhibition, also known as Auto Shanghai 2019, in Shanghai, China, 15 April 2019. The Shanghai Auto Show opened to the media on Tuesday. As the largest of its kind in the world, more brands are unveiling new offerings in the lead up to the show. This comes when the Chinese auto market has taken a hit in sales. Foto: Gao Yuwen/Imaginechina/dpa | (picture alliance/Gao Yuwen)
Der Autozulieferer Bosch zeigt auf der Automesse in Shanghai einen Shuttle, den Fahrgäste via Smartphone bestellen können (picture alliance/Gao Yuwen)
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Auf dem gigantischen Shanghaier Messegelände hat man den Zulieferern die Hallen 5.2 und 6.2 zugeteilt: die liegen im zweiten Stock und nehmen sich etwas kleiner aus als die unteren vier Hallen, so auch die Stände der Unternehmen selbst. Das heißt aber nicht, dass China nicht auch für sie zu den wichtigsten Märkten weltweit gehört: Mehr als 300 Werke haben sie im Land. ZF Friedrichshafen eröffnet am Donnerstag ein weiteres. Und dabei soll es nicht bleiben: "Wir bauen in den nächsten 18 Monaten weitere vier Werke auf, zu unseren bestehenden 32", so ZF-Vorstandschef Wolf-Henning Scheider.

Spiegelbildlich zu den Autoherstellern setzen auch die Zulieferer voll auf die China-Karte, was einerseits mit den Stückzahlen zu tun hat, die hier abgesetzt werden, aber auch mit der Geschwindigkeit, mit der sich der chinesische Markt entwickelt. Das Auto wird hier immer mehr zum Software-Produkt, sagt Volkswagen-Chef Herbert Diess. Nicht ohne Folgen für die deutschen Zulieferer:

"Und das sind natürlich nicht die Felder der heute großen, typischen Autozulieferer, sondern eher der Technologiehäuser. Aus meiner Sicht gibt es da eine Ko-Existenz. Die Reihenfolge wird sich vielleicht ein bisschen ändern und die neuen Technologieunternehmen werden eine größere Rolle spielen."

Bedenkt man die Abhängigkeit der etablierten Zulieferer von großen Herstellern wie VW, klingt das fast wie eine Drohung. ZF-Vorstandschef Wolf-Henning Scheider kontert selbstbewusst:

"Wir arbeiten mit allen wesentlichen Fahrzeugherstellern der Welt zusammen. Und es kommen auch neue Fahrzeughersteller auf den Markt, zum Beispiel für Shuttle im urbanen Verkehr. Da entstehen im Moment ganz neue Hersteller, von denen man vor kurzem noch gar nichts gehört hatte."

Auch Zulieferer setzen auf neue Mobilitätsdienstleistungen

Die neue Mobilität werten die Zulieferer als Chance. Auch die Nummer eins der Branche: Bosch, auf der Messe in Shanghai als einer der wenigen Zulieferer - standesgemäß - in einer der großen Hallen zu finden.

Auf dem Messestand ist genau so ein Shuttle zu besichtigen, mit vier weißen Ledersitzen und großen Fenstern, aber natürlich auch Touchscreens. Das Gefährt heißt IoT-Shuttle, das Kürzel steht für "Internet of things", also "Internet der Dinge" – das IoT sollen Nutzer in Zukunft per Knopfdruck auf dem Smartphone bestellen können.

China gilt als einer der Märkte, wo solche Mobilitätsdienstleistungen ihren Durchbruch schaffen könnten. Schon jetzt sind Pkw-basierte Dienste mit Fahrern beliebt, vor allem Didi, die chinesische Variante von Uber. Dessen Carsharing-Flotte stattet Bosch künftig mit Teilen aus.

In näherer Zukunft fahren die Zulieferer also quasi zweigleisig, erklärt Stefan Hartung, in der Bosch-Geschäftsführung zuständig für den Bereich Mobilitäts-Lösungen:

"Weil wir sehen ja jetzt nach wie vor einen wachsenden Fahrzeug-Anzahl-Markt, aber gleichzeitig sehen wir diese professionell betriebenen Fahrzeuge jetzt kommen. Über Spieler wie zum Beispiel Didi oder China Mobile, wo wir ja auch mit zusammen arbeiten, um Mobilitätsdienstleistungen auf die Straße zu bringen, die dann dazu führen, dass ein Fahrzeug de facto 24 Stunden betrieben wird."

Schaeffler baut zunehmend direkt in China

Während viele deutsche Arbeitsplätze am Diesel-Antrieb hängen, spielt in China also die Zukunft. Das ist bei der kleineren Konkurrenz von Schaeffler nicht anders, die Fahrwerke und Antriebsstränge bauen - und für den chinesischen Markt auch zunehmend hier entwerfen. 1.500 Entwickler arbeiten für Schaeffler in China, weitere 1.000 sollen dazu kommen. Automobil-Chef Matthias Zink:

"Weil hier einfach speziell bei den lokalen chinesischen Herstellern die Erwartung ist, dass sie vor Ort bedient werden, dass sie sehr schnell bedient werden und da müssen wir einfach mit chinesischen Mitarbeitern agieren. Also wir werden nichts von China nach Europa bringen, das ist bei uns schon eine Regel, das wir das nicht tun."

Es wäre wohl auch ein fatales Signal, gerade hat Schaeffler in Europa ein Sparprogramm aufgelegt: Im Geschäft mit den Autoherstellern sollen zunächst rund 900 der 55.000 Arbeitsplätze wegfallen. 600 Mitarbeiter in vier deutschen Werken sind davon betroffen.

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