Dienstag, 27. September 2022

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Deutsche Bank
Cryan will sparen

Der neue Co-Chef der Deutschen Bank, John Cryan, stellte heute nicht nur gute erste Bilanzzahlen vor. Er kündigte auch an, Strukturen zu vereinfachen und ertragsarme Geschäfte abzubauen. Außerdem will er Klarheit über die Rückstellungen für Rechtsrisiken schaffen.

Von Michael Braun | 30.07.2015

    John Cryan, ab dem 1. Juli Co-Vorsitzender der Deutschen Bank, auf einer Aufnahme aus dem Jahr 2011.
    John Cryan, seit dem 1. Juli Co-Vorsitzender der Deutschen Bank. (AFP / Sebastian Derungs)
    Der zweite Co-Chef der Deutschen Bank, Jürgen Fitschen, tauchte überhaupt nicht auf heute. Es redete der Co-Chef, der in einem Jahr alleiniger Vorstand wird. John Cryan führte kein Scherbengericht über seinen Vorgänger Anshu Jain, nannte aber die Defizite der Bank beim Wort: Sie lägen nicht in der Strategie, sondern in der Fähigkeit, sie umzusetzen, und in der hohen Kostenlast.
    Cryan also macht sich nun ran, die Entscheidungsstrukturen zu vereinfachen, Geschäfte abzubauen, die viel Eigenkapital binden, aber wenig Ertrag bringen, Länder zu verlassen, wo sich das Bankgeschäft nicht lohnt. Das hatten auch Jain und Fitschen vor. Neu ist: Weitere Kapitalerhöhungen lehnt Cryan ab. Die behinderten nur den Druck, inneren Kapitalaufbau zu betreiben. Seine Vorgänger hatten üppig Geld eingesammelt. Cryan wird sparen. Das wird Arbeitsplätze kosten. Wie viele? Der neue Finanzvorstand Marcus Schenck bat um Geduld bis Ende Oktober. Aber Cryan versicherte: Deutschland bleibe Kerngeschäft der Bank.
    "Germany is absolutely core."
    Analysten wollen Klarheit über Rechtsrisiken
    Und das Fehlverhalten zu korrigieren, das zu - Stand jetzt: - 3,8 Milliarden Euro Rückstellungen für Rechtsrisiken geführt habe, das sei seine ganz persönliche Ambition. Daran solle man ihn messen, sagte Cryan:
    "I assure you that resolving these issues is a personal priority."
    Daran wird man ihn messen. Analysten fänden es schon hilfreich, mehr Klarheit über die Rechtsrisiken zu bekommen. Philipp Hässler von der Equinetbank:
    "Ich denke, da wäre schon viel gewonnen, wenn man versuchen würde, das möglichst schnell aufzuarbeiten und noch transparenter wird, dass der Investor noch besser einschätzen kann: Wie teuer wird das noch für die Deutsche Bank? Wie viele Rückstellungen muss sie da noch bilden? Aber klar ist: Er kann die nicht aus der Welt schaffen. Und das wird die Deutsche Bank noch einige Quartale begleiten."
    Die Zahlen im zweiten Quartal stimmten: Die Erlöse stiegen um 17 Prozent auf knapp 9,2 Milliarden Euro. Der Gewinn vor Steuern bewegte sich doppelt so schnell nach oben, um 34 Prozent auf gut 1,2 Milliarden Euro. Die Kosten verharrten auf hohem Niveau: Die Bank muss 85 Cent aufwenden, um einen Euro zu verdienen.