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StartseiteWirtschaft und GesellschaftAufatmen - aber noch keine Euphorie08.11.2019

Deutsche Exporte steigen im SeptemberAufatmen - aber noch keine Euphorie

Deutsche Exportunternehmen leiden unter Handelskonflikten, dem Brexit-Drama und einer Abkühlung der Weltkonjunktur. Im September lief das Außenhandelsgeschäft allerdings so gut wie seit zwei Jahren nicht mehr. Eine positive Überraschung, die Ökonomen hoffen lässt, dass die deutsche Wirtschaft doch noch um eine Rezession herum kommt.

Von Mischa Ehrhardt

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Container auf einem Frachter am Terminal Eurokai (Eurogate) im Hafen Hamburg (Christian Charisius/dpa)
Die Septemberzahlen lassen die Aussichten im Außenhandel gar nicht so trübe aussehen. (Christian Charisius/dpa)
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Zur Abwechslung sind das mal erfreuliche Wirtschaftsdaten: Die Statistiker in Wiesbaden haben bekannt gegeben, dass die Importe im September um 2,3 Prozent gestiegen sind. Die für die deutsche Wirtschaft noch wichtigeren Exporte sind  sogar um 4,6 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat geklettert: "Also das ist endlich einmal eine schöne, positive Überraschung.

Wenn man sich das im Jahresverlauf anschaut, hat das auch damit zu tun, dass der September mehr Arbeitstage hatte als der September 2018. Also ein technischer Faktor. Kommt aber auch dazu, dass es letztlich vielleicht dem Welthandel gar nicht so schlecht geht, wie wir das immer denken angesichts von Schlagzeilen über den Handelskonflikt. Heißt auch, dass wir den Handel nicht komplett abschreiben dürfen.

Denn was auch wichtig war: Die August-Zahlen, die wurden noch einmal ein bisschen nach oben revidiert. Das heißt, insgesamt ist jetzt wahrscheinlich der Außenhandel gar nicht mehr diese absolute Bremse für die deutsche Konjunktur im dritten Quartal gewesen, wie einige Experten schon gedacht hatten", sagt der Chefvolkswirt der ING, Carsten Brzeski.

ING-Volkswirt: "Noch kein Konjunktur-Sommer"

Im zweiten Quartal war das Bruttoinlandsprodukt in Deutschland um 0,1 Prozent geschrumpft. Sollte das zwischen Juli und September auch der Fall sein, sprechen Ökonomen von einer Rezession. Denn von der spricht man definitionsgemäß, wenn eine Wirtschaft in zwei aufeinanderfolgenden Quartalen schrumpft. Nach den guten Exportzahlen könnte es also sein, dass dies nicht der Fall sein wird. Allerdings sind damit nicht alle Unsicherheiten verschwunden.

"Wir hatten diese Woche auch die Industrieproduktionsdaten aus Deutschland. Die Industrieaufträge sind weiterhin noch schwach. Das heißt, wir können eventuell kurzfristig diese technische Rezession in Deutschland vermeiden, wenn nächste Woche die Wachstumszahlen kommen. Mittel bis langfristig haben wir aber auch gesehen: Der Handelskonflikt ist nicht weg. Die deutsche Industrie befindet sich eigentlich in der gefühlten Rezession. Das heißt, diese eine Schwalbe macht leider Gottes noch keinen neuen Konjunktur-Sommer."

So rechnet beispielsweise der Verband Chemiebranche in diesem Jahr mit einem Produktionsrückgang von 6 Prozent. Die Nachfrage im Ausland ebenso wie die inländische seien schwach und gäben keine Wachstumsimpulse. Auch bei den Maschinenbauern in Deutschland stocken die Auftragseingänge. Beide Branchen leiden unter anderem unter der Flaute in der Autoindustrie.

IMK-Studie: US-Autozölle könnten Rezession bewirken

Deren Lage könnte sich noch drastisch verschlechtern, sollten die von Trump angedrohten Autozölle in Höhe von 25 Prozent auf Autos und Autoteile aus der EU kommen. Das hat eine heute veröffentlichte Studie der Hans-Böckler-Stiftung ergeben.

"Unsere Simulation zeigt, dass ein sehr kurzer und sehr begrenzter Handelskonflikt für die deutsche Wirtschaft gut beherrschbar wäre. Das aber, je länger und je intensiver er wird und es eine richtige Eskalation gibt, dieser Handelskonflikt die deutsche Wirtschaft in eine Rezession stoßen kann", sagt Sebastian Dullien, Wissenschaftlicher Direktor des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung der Hans-Böckler-Stiftung.

Aufatmen darf man also angesichts der positiven Außenhandelszahlen aus dem September. Für Euphorie aber ist es zu früh.

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