Meurer: Was werden Sie denn dem Kanzler heute Morgen sagen wollen?
Töpfer: Zunächst einmal will ich ihn ganz herzlich hier bei den Vereinten Nationen in Afrika begrüßen. Wir sind immer außerordentlich erfreut, wenn Staatspräsidenten und Regierungschefs uns hier besuchen. Das unterstreicht sehr deutlich, dass wir diese Zusammenarbeit mit unseren Mitgliedsstaaten dringlich brauchen. Deswegen ist der Bundeskanzler hier herzlich willkommen: bei uns, bei den Vereinten Nationen, aber ganz sicherlich auch in Afrika insgesamt.
Meurer: Die Leitung zu Ihnen nach Nairobi ist ein bisschen dünn. Ich hoffe sie hält noch, Herr Töpfer. - Wo brauchen Sie denn besonders Unterstützung für Ihre Umweltarbeit?
Töpfer: Für unsere Umweltarbeit sind wir nicht nur für Afrika zuständig, sondern global und deswegen brauchen wir dringlich die nachhaltige Unterstützung der Industrieländer und damit natürlich auch besonders prominent der Bundesrepublik Deutschland, um die ja auch globalen Probleme wirksam und hilfreich für die Entwicklungsländer zu bewältigen.
Meurer: Wie brauchen Sie die Unterstützung des Kanzlers für das Umweltprogramm?
Töpfer: Wir brauchen sie in hohem Maße als Hilfe bei den entwickelten Staaten, etwa im Klimaschutz, etwa auch im Zusammenhang mit der Bewältigung der kommenden Wasserkrisen. Es ist gut, dass gerade auf diesem Gebiet die Bundesrepublik Deutschland ihre wesentlichen Akzente gesetzt hat.
Meurer: Nun ist es ja so, dass eigentlich in den letzten grob gesagt zehn Jahren die Welt sich von Afrika abgewandt hat. Bis zum Ende des Kalten Krieges war es so, dass Afrika sozusagen eine Rolle gespielt hat über das Austragen von Stellvertreterkonflikten oder sogar Kriegen für die beiden Blöcke West und Ost. Das war dann vorbei. Glauben Sie, dass das neu erwachte Interesse an Afrika jetzt beim Bundeskanzler, aber auch zum Beispiel bei US-Präsident George Bush und anderen Ländern von Dauer sein wird?
Töpfer: Ich glaube es muss einfach von Dauer sein. Wir werden keine friedliche Welt bekommen können, wenn die Konflikte in Afrika weitergehen, die ja an vielen Stellen heute nicht mehr ideologische Kriege sind, sondern auch viele Kriege über Ressourcen, über vorhandenes Öl, über Gold, über Diamanten und vieles andere bis hin zu den großen Holzvorräten dieses Kontinents. Wenn wir diese Probleme nicht bewältigen, wenn wir diesem Kontinent nicht eine Perspektive geben, wird es extrem schwer sein, noch global friedliche Entwicklungen zu ermöglichen. Insofern sind das also keine Lippenbekenntnisse, sondern das ist ganz im eigenen Interesse. Die Notwendigkeit, hier Armut zu beseitigen, hier Entwicklungsperspektiven realistisch mitzutragen, dies sind Investitionen in unsere eigene friedliche Entwicklung.
Meurer: Wie groß ist die Gefahr, wie vielfach geäußert, dass der internationale Terrorismus instabile Staaten in Afrika als Rückzugsraum für sich okkupiert?
Töpfer: Es ist ganz ohne jeden Zweifel zu beachten, dass eine Verbindung natürlich auch mit vielen, vielen Entwicklungsproblemen besteht. Wenn Menschen hoffnungslos werden, werden sie wie wir es hier bei uns in Nairobi auch fast tagtäglich erfahren natürlich in gesellschaftliche Instabilitäten kommen. Das kann ausgenutzt werden von Terroristen, aber ich glaube, dass in hohem Maße auch die Regierungen selbst ein Interesse daran haben, diese Besorgnis auszutrocknen. Wir hier in Kenia sind ja mehr als einmal das Ziel wirklich blutiger und unmenschlicher Terroranschläge gewesen. Lassen Sie mich nur an den Anschlag auf die amerikanische Botschaft hier in Nairobi erinnern, wo 1998 mehr als 200 Menschen getötet worden sind. Wir haben diese Anschläge unten an der Küste von Mombasa gehabt. Das alles zeigt, dass es natürlich wirklich ganz fürchterliche Konsequenzen auch für die Entwicklungsmöglichkeiten dieser Staaten hat, wenn man weiß, dass dieser wunderbare Kontinent, dass dieses herrliche Land Kenia ein besonderes Ziel für Touristen ist. Wenn hier nicht Sicherheit wirklich gewährleistet werden kann, was jetzt der Fall ist, dann wird man sich selbst ins eigene Fleisch schneiden. Also ich bin sehr davon überzeugt, dass in der internationalen Zusammenarbeit der Kampf gegen den Terrorismus hier in Afrika sehr nachhaltig geführt wird.
Meurer: Nun hat ja Deutschland bekanntermaßen im Gegensatz zu anderen Nationen keine hervorgehobene Rolle als Kolonialmacht in Afrika gespielt. Ist das von Vorteil? Erwarten die Staaten Afrikas von Deutschland sozusagen die Rolle eines ehrlichen neutralen Maklers?
Töpfer: Ich will mich jetzt nicht zum Sprecher der 53 afrikanischen Staaten machen. Ich kann nur davon sprechen, dass der Bundeskanzler hier in Kenia außerordentlich freundlich aufgenommen worden ist, dass man die Rolle Deutschlands als Entwicklungspartner sehr, sehr hoch einschätzt. Man sollte an dieser Stelle ganz sicherlich auch immer wieder ein herzliches danke schön für diejenigen sagen, die in Deutschland Steuern zahlen und die ja wissen müssen und wissen können, dass das Geld, was sie dafür einsetzen, wirklich eine hervorragende Investition wie ich schon sagte in unsere eigene Zukunft ist. Also hier wird natürlich mit Deutschland viel verbunden, was auch an technischem Knowhow vorhanden ist, was mich Hochqualitätsprodukten verbunden ist. Hier werden Investitionen mit erwartet, so wie sie ja hier auch gestern durch die Eröffnung einer Fabrik mit deutschem Namen stattgefunden hat. Alles das ist hoch respektiert und ich glaube, dass die Erwartungen an Deutschland außerordentlich gut begründet sind und sehr hoch sind.
Meurer: Der Leiter des UNO-Umweltprogramms und frühere Bundesumweltminister Klaus Töpfer in Nairobi heute Morgen bei uns im Deutschlandfunk. - Herzlichen Dank und auf Wiederhören Herr Töpfer!
