
Gold gilt in Krisenzeiten als sichere Anlagemöglichkeit. Es wird - anders als eine einzelne Währung - weltweit als Zahlungsmittel anerkannt und es kann im Grunde jederzeit verkauft und zu Geld gemacht werden. Das erklärt auch, warum angesichts der unsicheren weltpolitischen Lage derzeit viele Menschen, Investoren und auch Staaten dieses Edelmetall kaufen und der Goldpreis immer weiter steigt.
Zu den Ländern mit großen Goldreserven weltweit gehört auch Deutschland, das seine Barren aber nicht nur in Frankfurt am Main bei der Bundesbank, sondern einen großen Teil auch im Ausland, besonders in den USA lagert. Das hat historische und strategische Gründe, bietet einige Vorteile, wird aber derzeit auch infrage gestellt.
Warum (nicht nur) Deutschland so große Goldreserven hat
Deutschland ist das Land, das nach den USA weltweit die größten Goldreserven hat. Es waren im dritten Quartal 2025 insgesamt rund 3.350 Tonnen Gold. Dieses Gold besitzt Deutschland aus verschiedenen Gründen: Es geht um Sicherheit, Stabilität und um Unabhängigkeit im Ernstfall.
Goldreserven dienen als Absicherung gegen Währungsschwankungen, insbesondere Schwankungen des US-Dollars und dienen damit auch der Diversifizierung, also der Risikostreuung der nationalen Reserven.
Es geht aber auch darum, im Falle einer Krise autonom oder autonomer handlungsfähig zu sein und die Krise möglichst lange überstehen zu können. So eine Krise kann ganz unterschiedlich aussehen. Deutschland könnte sich im Krieg befinden. Oder es kann eine Hyperinflation eintreten, bei der die eigene Währung nichts mehr wert ist. Es kann sich aber auch um einen Hackerangriff handeln, der monatelang unser System lahmlegt und Deutschland von internationalen Zahlungssystemen abkoppelt. In all diesen Fällen wäre Deutschland auf die Goldreserven angewiesen.

Nach den USA und Deutschland sind Italien, Frankreich, Russland und China die Länder mit den größten Goldreserven. Einige Länder wie zum Beispiel Polen, China und Indien stocken gerade ihre Golddepots weiter deutlich auf. Die steilsten Anstiege gibt es gerade bei Polen, das seine Reserven innerhalb kürzester Zeit um ein Viertel vergrößert hat. Zwei Gründe werden vor allem dafür angeführt. Ein Grund ist: Der Dollar gilt gerade als unsicher und die USA - als Garant des Dollars - gelten nicht mehr als zuverlässig. Hinzu kommt bei Polen der Sicherheitsaspekt, also die Sorge vor Angriffen zum Beispiel aus Russland oder der Abkopplung von Zahlungssystemen.
Wo das Gold gelagert wird
Die großen Mengen an Goldreserven, die Deutschland hat, müssen sicher gelagert und aufbewahrt werden. 1.710 Tonnen lagern in Tresoren in der Zentrale der Bundesbank in Frankfurt am Main, das sind rund 51 Prozent der 3.350 Tonnen Gold, die Deutschland besitzt. Ein großer Teil befindet sich aber gar nicht in Deutschland, sondern im Ausland, genauer gesagt in New York und London.

Rund ein Drittel der deutschen Goldbarren lagern bei der US-Notenbank Fed in New York. Und dann liegen noch rund zehn Prozent bei der Bank of England. Dass nicht alles Gold in Frankfurt liegt, hat vor allem historische Gründe.
Warum deutsche Goldreserven im Ausland lagern
Es ist nicht so, dass die Deutsche Bundesbank irgendwann mal Gold aktiv in die USA gebracht hätte. Vielmehr sind die deutschen Goldbestände dort über die Zeit entstanden. Nach dem Zweiten Weltkrieg hatte Deutschland erst einmal überhaupt keine Goldreserven mehr, weder in Deutschland noch irgendwo anders auf der Welt. Denn die Alliierten hatten das Gold eingezogen.
Die großen Goldreserven entstanden in den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg mit dem Wirtschaftswunder ab den 1950er-Jahren. Deutschland produzierte viel und exportierte oft mehr, als es importierte. Dadurch entstand ein Handelsüberschuss. Bei der Verrechnung dieses Überschusses wurden Zahlungen in Dollar und in Gold ausgeglichen. Deutschland erhielt von anderen Handelspartnern also Gold. Dies wurde direkt in die ausländischen Lagerstätten der Bundesbank eingeliefert, also zum Beispiel in London und New York.
Außerdem ist Deutschland 1952 dem Bretton-Woods-Abkommen beigetreten, das unter anderem die Federal Reserve (Fed) dazu verpflichtet hat, die Dollarreserven jedes Mitgliedsstaats zum festgelegten Kurs in Gold umzutauschen. Das heißt, die Goldbestände sind langsam gewachsen und entstanden und das Gold in London und New York hat Deutschland größtenteils einfach dort gelassen.
Wie sicher ist das Gold noch im Ausland?
An der Frage scheiden sich die Geister. Die einen sagen, es sei sinnvoll, Gold auch im Ausland zu belassen. Andere sind überzeugt, das deutsche Gold sollte besser nach Deutschland zurückgeholt geholt werden. Denn vor allem die aktuelle politische Lage in den USA, der protektionistische Politikstil Donald Trumps und seine Versuche, mehr Einfluss auf die US-Notenbank Fed zu nehmen, verunsichern viele Menschen.
Sind die historischen Gründe für Goldreserven in den USA überholt?
Michael Jäger, Vizepräsident vom Bund der Steuerzahler, sagt, das Gold der Deutschen Bundesbank gehöre dem deutschen Staat und damit im Grunde uns allen. „Die historischen Gründe, dass man das Gold im Ausland lagert, sind aus unserer Sicht nicht mehr gegeben. Gerade mit Blick auf die Volatilität der Haltung von Trump und der aktuellen amerikanischen Regierung und auch mit der Tendenz, dass man die Fed immer enger an das Oval Office anbinden möchte.“
Auch der Präsident des Leibniz-Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW), Achim Wambach, ist besorgt. „Was wir im Moment sehen, ist, dass wir ganz neu nachdenken über unsere Abhängigkeiten. Wir denken bezüglich China neu nach - und mit den Zöllen in den USA müssen wir jetzt auch gegenüber den USA nachdenken“, sagt Wambach. „Die Amerikaner sind halt nicht mehr so verlässlich, wie sie es mal waren.“ Die Bundesbank müsse jetzt mit der Analyse beginnen, „was passiert, wenn weiter eskaliert wird, wenn es zu Konflikten kommt, wenn der Goldbestand in diesen Verhandlungen eingesetzt wird“.
Bundesbank sieht Vorteile von Goldlagerung im Ausland
Die Bundesbank selbst bezweifelt nicht, dass das deutsche Gold in New York sicher ist. Das betonte Bundesbankpräsident Joachim Nagel noch einmal bei der IWF-Herbsttagung im Oktober 2025.
Auch Professor Johannes Beermann, ehemaliger Vorstand der Bundesbank, sagte 2025, er sei felsenfest überzeugt, das Gold in den USA sei weiter sicher. Und er nennt ein wichtiges Argument, wieso es durchaus sinnvoll sein kann, das deutsche Gold gerade im Falle einer Krise in den USA zu lagern. „Dann muss es auch an einem Handelsplatz für Gold gelagert sein, damit es übergeben werden kann. Handelsplatz für Gold ist aber nicht etwa Frankfurt. Gold wird in New York und London gehandelt.“
Und in einem Krisenfall braucht man Gold eben genau dort, wo es im großen Stil zu Geld gemacht werden kann. Wäre das deutsche Gold nur in Deutschland, müsste es erst zeitraubend nach New York oder London gebracht werden und wäre während des Transports auch einem hohen Risiko ausgesetzt, geraubt zu werden. Dass deutsches Gold an verschiedenen Orten dieser Welt gelagert ist, kann also auch durchaus Vorteile haben.
Dass die Fed oder die Bank of England den Zugriff verweigern oder sogar selbst auf deutsches Gold zugreifen, sei sowieso undenkbar, sagt die Bundesbank. Da greife dann tatsächlich auch das Völkerrecht ein.
Podcast und Recherche: Anne-Catherine Beck und Marcus Wolf / Online-Text: gue















