Gold als Wertanlage
Sichere Bank in Krisenzeiten?

In Krisenzeiten steigt der Goldpreis, zuletzt war er so hoch wie nie. Gold ist begehrte Wertanlage und wichtiger Rohstoff zugleich. Seine Gewinnung ist jedoch ein schmutziges Geschäft, das Umwelt und Gesundheit belastet.

    Goldbarren in unterschiedlicher Größe.
    Meist wird Gold in Form von Goldmünzen oder Barren gekauft. Hier zu sehen: Goldbarren in unterschiedlicher Größe bei einem Edelmetallhändler. (picture alliance / dpa / Sven Hoppe)
    „Gold und Silber lieb ich sehr, kann’s auch gut gebrauchen“. Diese Zeilen aus einem Volkslied, die die Disney-Übersetzerin Erika Fuchs einst der superreichen Ente Dagobert Duck in den Mund legte, gelten heute offenbar für viel mehr Menschen als sonst.
    Gold gilt als sogenannter „sicherer Hafen“ in Krisenzeiten und war im vergangenen Jahr eine der gefragtesten Anlageklassen. Die Feinunze erreichte Rekordpreise und kostete erstmals mehr als 4.600 US-Dollar. Analysten begründen die gestiegene Nachfrage unter anderem mit zunehmenden geopolitischen Unsicherheiten.

    Der neue Goldrausch

    Dem Edelmetallhandel geht es aktuell sehr gut. Der Run auf Münzen und Goldbarren ist enorm, Goldhändler berichten von Wartezeiten und vergleichen den Ansturm mit jenem in der Coronazeit. Der Goldpreis stieg allein im vergangenen Jahr um satte 65 Prozent. Das ist der größte Jahresgewinn seit 1979.
    Historisch betrachtet sind solche Preissprünge bei Gold äußerst selten, denn die größten Goldkäufer sind in der Regel Notenbanken und Zentralbanken, die ihre Käufe sorgsam abwägen. Ende 2025 sprangen auch Banken, Fonds und Kleinanleger auf den Zug auf. Auch der Silberpreis schoss zuletzt enorm in die Höhe, allein im Dezember 2025 um 40 Prozent.

    Gold als begehrte Wertanlage

    Gold gilt als sichere Anlage, wenn die Wirtschaft ins Wanken gerät. Analysten begründen die gestiegene Nachfrage nach Gold und anderen Edelmetallen vor allem mit den zunehmenden geopolitischen Unsicherheiten unserer Zeit. Auch das aktuelle juristische Vorgehen der Trump-Regierung gegen den Vorsitzenden der US-Notenbank FED, Jerome Powell, wurde als Grund genannt.
    Clemens Kindermann aus der Deutschlandfunk-Wirtschaftsredaktion führt als Begründung für den aktuellen Goldrausch auch die Äußerungen von Donald Trump zu einem möglichen Eingreifen im Iran an. Direkt danach stieg der Goldpreis stark an und die Feinunze kostete erstmals in ihrer Geschichte 4.600 US-Dollar. Auch „Venezuela, Grönland, diese von Trump verursachten Unsicherheiten, die treiben das Gold“, so Kindermann. Dazu komme die Aussicht auf fallende Zinsen in den USA.

    Goldreserven: Notnagel für Staaten

    Staaten horten Gold, um im Notfall unabhängig agieren zu können. Deutschland beispielsweise besitzt mit 3.351 Tonnen nach den USA die zweitgrößten Goldreserven der Welt. Mehr als ein Drittel davon lagert in New York bei der US-Notenbank Fed, ein weiterer, kleinerer Teil, liegt bei der Bank of England in London. Dies hat vor allem historische und strategische Gründe. Im Krisenfall soll Gold möglichst schnell in eine andere Währung getauscht werden können, was nur in New York und London in dem Ausmaß möglich ist.
    Zurzeit fordern jedoch einige kritische Stimmen, dass das deutsche Gold zurückgeholt wird. Michael Jäger, Vizepräsident des Bundes der Steuerzahler, ist der Meinung, dass die historischen Gründe für eine Lagerung der deutschen Goldreserven im Ausland nicht mehr gegeben sind – gerade "mit Blick auf die Volatilität und die Haltung von Trump und der US-amerikanischen Regierung, und der Tendenz, dass man die Fed immer näher an das das Oval Office anbinden möchte."

    Begehrtes Metall in der Industrie

    Im Gegensatz zu anderen Edelmetallen wie Silber, Platin und Palladium wird Gold vor allem in der Schmuckindustrie verwendet. Aufgrund seiner einzigartigen Eigenschaften wie exzellenter Leitfähigkeit, Korrosionsbeständigkeit und Formbarkeit wird es aber auch in der Elektronik (Kontakte und Leiterplatten, Smartphones etc.) sowie in der Zahnmedizin eingesetzt. Zwei Drittel des Goldes, das heute verarbeitet wird, gewinnt man aus Altgold.
    Seit 2021 wird in Deutschland fair gehandeltes Gold zertifiziert, bei dem darauf geachtet wird, dass die Schürfer vor Ort mindestens 95 Prozent des in London gehandelten Weltmarktpreises erhalten. Doch tatsächlich hat solch fair gehandeltes Gold bisher nur einen sehr kleinen Anteil am Gesamtaufkommen.

    Der Goldabbau und seine Folgen

    Zu den größten Goldproduzenten der Welt gehören Industriestaaten wie China, die USA, Russland und Australien, aber auch Länder wie Südafrika, Ghana, der Sudan oder Peru. Im Sudan kontrolliert die paramilitärische RSF-Miliz den Abbau in Darfur. Mit Gold wird dort auch weitgehend der andauernde Bürgerkrieg finanziert – von beiden Kriegsparteien. Südafrika war lange der größte Goldproduzent der Welt, mit einem Höhepunkt in den 1970er-Jahren. Seit dem Niedergang der dortigen Goldindustrie kommt es immer häufiger zu illegalem Abbau.
    Illegalen Goldabbau gibt es nicht nur in Südafrika, sondern in vielen ärmeren Regionen der Welt. Die Folgen für die Minenarbeiter, deren Familien und die Umwelt sind fatal. Wo nach Gold gegraben wird, werden Wälder gerodet und Gewässer kontaminiert. Denn beim Goldabbau kommt es oft zum Einsatz hochgiftiger Chemikalien wie Quecksilber, Arsen und Zyanid. Häufig werden Goldvorkommen auch zusammen mit radioaktiven Materialien wie Uran entdeckt. In der Folge gelangen diese Giftstoffe in die Umwelt. In den betroffenen Regionen blühen neben ausbeuterischen Arbeitsbedingungen auch Zwangs- und Kinderarbeit, vor allem beim Kleinbergbau kommen Sklaverei, Prostitution und Menschenhandel hinzu.
    Umweltschützer und Menschenrechtler plädieren daher seit Jahren für zertifizierten Goldbergbau, Herkunftsnachweise über das Lieferkettengesetz und mehr Recycling von Altgold. In der deutschen „Goldstadt“ Pforzheim, wo zahlreiche Schmuckhersteller angesiedelt sind, verwenden die Scheideanstalten, laut dem Edelmetallexperten der Sparkasse Pforzheim Calw, Raphael Krämer, kein Primär-, das heißt Minengold, sondern konzentrieren sich auf das Recycling von edelmetallhaltigem Schrott, also Altschmuck, Zahngold oder Industrieabfällen.
    „Im Recycling, das heißt der Wiederverwertung von Gold, liegt unseres Erachtens auch der Kern der Nachhaltigkeit, da die Umweltbelastung und der CO2-Ausstoß in der Goldproduktion hauptsächlich bei der Gewinnung in den Minen anfällt“, sagt Krämer.

    pj