Sonntag, 25. September 2022

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Deutschland im UN-Sicherheitsrat
"Friedensgespräche und Entwicklungszusammenarbeit"

Ab 2019 gehört Deutschland wieder dem UN-Sicherheitsrat an. Trotz verhärteter Fronten sieht der Konfliktforscher Michael Brzoska Möglichkeiten, im Sicherheitsrat diplomatisch aktiv zu werden. Die Erfahrungen beim militärischen Engagement seien hingegen "nicht sehr positiv", sagte Brzoska im Dlf.

Michael Brzoska im Gespräch mit Benedikt Schulz | 30.12.2018

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    Ab dem 1. Januar ist Deutschland zum ersten Mal seit sechs Jahren wieder im wichtigsten Gremium der Vereinten Nationen (UN) vertreten (imago | Dennis Van Tine)
    Deutschland könne im UN-Sicherheitsrat einen Beitrag zur weltweiten Konfliktbewältigung leisten. Als große Wirtschaftsmacht und auch als politische Macht mit der EU könne die Bundesrepublik hier seinen Einfluss zur Prävention und Bewältigung von Krisen einbringen, sagte Michael Brzoska, Friedens- und Konfliktforscher an der Universität Hamburg. Man könne neue Initiativen starten und Allianzen zu schmieden, um Konflikte friedlich zu lösen. Brzoska sprach von einer "Kombination aus Friedensgesprächen und Entwicklungszusammenarbeit" auf UN-Ebene.
    Größere Rolle der nichtständigen Mitglieder?
    Ab dem 1. Januar gehört Deutschland für zwei Jahre dem Sicherheitsrat an. Es sei angesichts der Kritik der USA und anderer Konflikte zwischen Großmächten an der UNO an der Zeit, dass die nichtständigen Mitglieder stärker versuchten, Kompromisse zu schließen, sagte Brzoska. Im Jemen-Konflikt habe sich beispielsweise Schweden verstärkt eingebracht. Das könne man etwa im Syrien-Krieg verstärken - auch wenn es schwierig sei, wegen der Vetomacht der großen ständigen Mitglieder des Sicherheitsrats (Großbritannien, Frankreich, Russland, China und USA).
    Der Konflikt- und Friedensforscher Michael Brzoska (3. März 2008).
    Der Konflikt- und Friedensforscher Michael Brzoska. (imago / Hubert Jelinek)
    Zu einer möglichen stärkeren militärischen Rolle Deutschlands äußerte sich der Wissenschaftler "eher skeptisch". Die Erfahrungen seien hier in den letzten 15 bis 20 Jahren "nicht sehr positiv", sagte der Konfliktforscher und nannte die Beispiele Afghanistan, Irak, Mali und Somalia.
    "Es zeigt sich, dass Militär zwar notwendig sein kann, um einfach Sicherheit zu garantieren und eine politische Situation zu stabilisieren. Aber eine Konfliktlösung über das Militär ist eben schwer möglich", sagte Brzoska.