Deutschlandticket
49-Euro-Preis soll bleiben - 2025 noch offen

Das Deutschlandticket soll im Jahr 2024 beim Preis von 49 Euro bleiben. So haben es die Verkehrsminister der Länder beschlossen und fordern Geld vom Bund. Verbraucherschützer wollen jedoch auch in den nächsten Jahren einen stabilen Preis.

19.04.2024
    Ein Mann geht am Hauptbahnhof mit seinem Fahrrad zwischen der Werbung für das Deutschlandticket und einer Regionalbahn vorbei.
    49 Euro im Monat für den Nahverkehr statt Tarifdschungel: Das Deutschlandticket macht den ÖPNV attraktiver. Aber steigen Autofahrer deshalb um? (picture alliance / dpa / Sebastian Gollnow)
    Pendler und Reisende können seit dem 1. Mai 2023 mit dem Deutschlandticket vergleichsweise günstig bundesweit Fahrten im öffentlichen Nah- und Regionalverkehr unternehmen. Das Angebot war auf das sogenannte Neun-Euro-Ticket der Bundesregierung gefolgt. Mit dem Deutschlandticket will die Politik die Attraktivität des öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) erhöhen und einen Beitrag zum Klimaschutz leisten. Doch an dem Abo gibt es auch Kritik.

    Inhaltsverzeichnis

    Worauf haben sich die Verkehrsminister der Länder geeinigt?

    Bei einem Treffen im Januar haben die Verkehrsminister der Länder beschlossen, dass der Preis von in der Regel 49 Euro für das Deutschlandticket auch 2024 bestehen bleibt. Allerdings ist das noch nicht gesichert.
    Die Verkehrsminister fordern vom Bund eine nachhaltige und längerfristige finanzielle Absicherung. Dieser soll gesetzlich regeln, dass Mittel für das Ticket, die 2023 nicht in Abspruch genommen wurden, auf dieses Jahr übertragen werden können. Dies sei Voraussetzung dafür, dass der Preis von monatlich 49 Euro in diesem Jahr stabil bleibe. Der Preis für das Jahr 2025 soll erst in der zweiten Jahreshälfte festgelegt werden.

    Warum halten Bundesregierung und Länder das 49-Euro-Ticket für einen Erfolg?

    Der Vorsitzende der Verkehrsministerkonferenz, Nordrhein-Westfalens Ressortchef Oliver Krischer (Grüne), sagte nach dem Treffen im Januar, das Deutschlandticket sei schon jetzt ein Erfolgsmodell: Millionen Menschen nutzten es täglich. Es entlaste Pendler und leiste einen wichtigen Beitrag zur Mobilitätswende, zur sozialen Teilhabe und zum Klimaschutz. Bundesverkehrsminister Volker Wissing (FDP) hatte bereits Anfang November letzten Jahres das Ticket als großen Erfolg bewertet. Das Deutschlandticket wird derzeit laut Verband Deutscher Verkehrsunternehmen von rund elf Millionen Menschen genutzt.

    Ist die Finanzierung des 49-Euro-Tickets langfristig gesichert?

    Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) und die Ministerpräsidenten hatten sich bereits im November auf weitere Schritte zur Finanzierung des Deutschlandtickets verständigt. Wie im vergangenen Jahr beteiligen sich 2024 Bund und Länder mit je 1,5 Milliarden Euro an den Kosten.
    Welche Mehrkosten bei der Finanzierung des Angebots aufgefangen werden müssen, lässt sich allerdings vorab nicht genau beziffern. Sie könnten etwa durch gestiegene Energiepreise und Personalkosten entstehen. Auch deshalb ist offen, ob der Preis von 49 Euro über dieses Jahr hinaus bestehen bleibt.
    Ohne eine Klärung des Bundes zu einer dauerhaften Finanzierung des Deutschlandtickets über das Jahr 2025 hinaus sei aktuell eine Klärung der weiteren Preisentwicklung nicht möglich, heißt es nach der Verkehrsministerkonferenz im April.
    Ein Regionalzug fährt am Berliner Hauptbahnhof ein. Der Zug und die Halle spiegeln sich in einer Pfütze. (29.10.2023)
    10 Millionen Menschen nutzen mittlerweile das Deutschlandticket. Doch Finanzierung und auch Sinn des Angebots bleiben umstritten. (picture alliance I dpa I Christoph Soeder)
    Vor allem bei der Jobticket-Variante des Deutschlandtickets sehen die Minister wie die Nahverkehrsbranche allerdings auch großes Potenzial für weitere Nutzer - und damit für zusätzliche Einkünfte. Zudem geht noch das Deutschlandticket für Studenten an den Start.
    Der Branchenverband VDV wertete den Beschluss zur Preissicherung in 2024 als richtigen Schritt, um die Attraktivität des Deutschlandtickets zu erhalten und somit weitere Fahrgäste dafür zu gewinnen. Es gebe aber keine Zusage, dass Einnahmeverluste vollständig ausgeglichen werden. Für die Verkehrsunternehmen bedeute dies ein Risiko durch eine mögliche Finanzierungslücke von bis zu einer Milliarde Euro im Jahr 2024. Wer das Deutschlandticket dauerhaft wolle, müsse wirtschaftliche Planungssicherheit und ein Ende der Unsicherheiten sicherstellen.
    Auch Verbraucherschützer mahnen eine langfristige Vereinbarung an. Um langfristig Erfolg zu haben und mehr Menschen in den Nahverkehr zu holen, sei eine gesicherte dauerhafte Finanzierung notwendig, so Ramona Pop vom Verbraucherzentrale Bundesverband: "Bund und Länder müssen jetzt zu ihrem Versprechen stehen und den Preis stabil halten, mindestens bis zum Jahr 2030. Das Gezerre um die Finanzierung verunsichert unnötig."
    Auch die Umweltorganisation Greenpeace fordert Preisstabilität über das Jahr 2024 hinaus. Damit der öffentliche Nahverkehr seinen Weg aus der Nische finde, brauche er auch über 2024 hinaus einen stabilen Preis, mehr Personal und eine bessere Taktung, sagte Greenpeace-Verkehrsexpertin Clara Thompson. Der Ticketpreis sollte nicht jedes Jahr neu verhandelt werden.

    Welche Kritik gibt es am 49-Euro-Ticket?

    Mobilitätsforscher wie Andreas Knie vom Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung (WZB) sehen den Preis von 49 Euro als größtes Problem des Deutschlandtickets. Das sei zu teuer, „um Verlagerungseffekte messen zu können“, sagt der Forscher. Autofahrer seien mit dem 49-Euro-Ticket ebenfalls „nicht wirklich zu begeistern“. Auch dafür sei der Preis zu hoch.
    Praktisch habe die Bahn mit dem 49-Euro-Ticket keine neuen Kunden gewonnen, kritisiert Knie. Das Deutschlandticket werde vor allem von Menschen nachgefragt, die vorher teurere Abos gehabt hätten oder Gelegenheitskunden gewesen seien. Noch immer nutzten weniger Menschen als vor der Pandemie die öffentlichen Verkehrsmittel.
    Zu einer ähnlichen Einschätzung kommt der Verkehrsökonom Christian Böttger von der Hochschule für Technik und Wirtschaft in Berlin. Demnach werde durch das Deutschlandticket nur etwa 0,5 Prozent des Autoverkehrs tatsächlich verlagert. Laut dem Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) bedeute dies, dass nur fünf Prozent der mit dem Ticket gemachten Fahrten verlagerte Fahrten seien, so Böttger.
    Umgerechnet in Personenkilometer seien dies vier bis fünf Milliarden pro Jahr zusätzlich. Dafür gebe man vier Milliarden Euro für das Deutschlandticket aus - viel Geld für einen geringen Effekt. Das gelte auch für die Treibhausgase, so Böttger. Jede mit dem Deutschlandticket eingesparte Tonne CO2 koste 6000 oder 8000 Euro. Dies sei „absurd viel Geld“.
    Das Bundesverkehrsministerium geht von CO2-Einsparungen von etwa 22 Megatonnen aus, während das Wirtschafts- und Klimaschutzministerium mit vier Megatonnen rechnet. Hier herrscht mindestens Unklarheit.
    Zudem erreiche man mit der Subvention des Deutschlandtickets nicht die Menschen, die bedürftig seien, kritisiert Böttger weiter. „Die großen Profiteure sind die Leute, die aus der Mittelschicht kommen, die in den Vororten wohnen, im Speckgürtel, und die teilweise sehr teure Monatskarten brauchen, um in die Stadt zu pendeln. Dann zahlt man normalerweise 200 Euro im Monat für seine Monatskarte.“ Diese Menschen bekämen mit dem 49-Euro-Ticket Geld geschenkt.

    Welche alternativen Ideen zum 49-Euro-Ticket gibt es?

    Verkehrsökonom Böttger schlägt vor, deutlich mehr Geld in den Ausbau der Verkehrsinfrastruktur für Bus und Bahn zu stecken anstatt in das Deutschlandticket. Dazu gehöre etwa ein neues Ticketing-System, mit dem man unkompliziert „bundesweit fahren kann, ohne in jeder Stadt neu überlegen zu müssen, wo man sein Ticket kaufen kann“.
    Mobilitätsforscher Knie setzt am Preis des Tickets an. Dieser sollte bei 29 Euro liegen, fordert er. So könne man jene Menschen als Bahnkunden gewinnen, die vorher keine gewesen seien. Kritik, dass Züge dadurch überlastet werden könnten, kontert Knie mit dem Hinweis, dass die durchschnittliche Auslastung im Regionalbetrieb nur bei 15 bis 16 Prozent liege. Dort sei noch viel Luft nach oben. Nur in den Ferienzeiten sei dies anders.
    aha, ckr