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StartseiteSport am Wochenende"Diese Mail kenne ich nicht"09.05.2021

DFB-Vize Koch im Sportstudio"Diese Mail kenne ich nicht"

Es geht drunter und drüber im DFB. DFB-Vizepräsident Rainer Koch kam deshalb ins ZDF-Sportstudio, zum ersten Mal seit dem Bekanntwerden der Skandale. Ein erinnerungswürdiger Auftritt.

Von Raphael Späth

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Rainer Koch sitzt vor einer Grafik eines verschwommenen DFB-Wappens. (IMAGO / Martin Hoffmann)
DFB-Vizepräsident Rainer Koch im Aktuellen Sportstudio des ZDF (IMAGO / Martin Hoffmann)
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Man dürfe nicht länger zuschauen, wie sich das fürchterliche Bild des DFB entwickelt. Auch deshalb hat DFB-Vizepräsident Rainer Koch die Einladung angenommen, als einziger Vertreter der DFB-Führungsriege stellt er sich den Fragen im ZDF-Sportstudio.

"Ich fühle mich mitverantwortlich und bin auch heute Abend mit hier, um aufzuzeigen, wie auch Lösungen ausschauen können. Wir dürfen jetzt nicht zuwarten sondern müssen miteinander zusammenkommen, um die großen Probleme des Fußballs zu lösen."

Fritz Keller mit Blumenstrauß in der Hand nach der Wahl zum DFB-Präsidenten. (dpa-Bildfunk / Boris Roessler ) (dpa-Bildfunk / Boris Roessler )Machtkampf im DFB - Pokal für die schlechteste Verbandsführung
Nachdem DFB-Präsident Fritz Keller seinen Vize Rainer Koch in einer Präsidiumssitzung mit dem Nazi-Richter Roland Freisler verglichen hat, wird der Machtkampf im Verband weiter offen ausgetragen. Für den Fußballstandort Deutschland ist das nur noch peinlich, kommentiert Marina Schweizer. Was es bräuchte, wäre eine Revolution von unten.

Von Einigkeit und Zusammenhalt ist dann aber im Rest des Interviews wenig zu hören. Immer wieder attackiert er die Deutsche Fußball-Liga und deren Geschäftsführer Christian Seifert scharf. Seifert hatte in einem Briefaustausch mit Koch das dysfunktionale System innerhalb des Verbandes angeprangert und Reformen gefordert.

"Und ich muss auch jetzt deutlich die Frage stellen: Nachdem seitens der DFL entsprechende Forderungen erhoben wurden. Wir sind mehrere Partner in diesem DFB und da muss man respektieren, wen die jeweilige Seite sich an die Spitze mitwählt."

Keller vor dem Aus

Was feststeht: Beide Seiten hatten 2019 mitgewählt – als Fritz Keller einstimmig zum DFB-Präsidenten ernannt wurde. Er sollte als Bindeglied zwischen DFL und DFB fungieren. Jetzt, nach nicht einmal zwei Jahren, steht er vor dem Aus.

Keller hatte Koch auf einer Präsidiums-Sitzung mit Nazi-Richter Roland Freisler verglichen, die Landes- und Regionalverbände entzogen ihm deshalb letzte Woche das Vertrauen. Am Freitagabend fordern sie ohne Gegenstimme ein Amtsenthebungsverfahren.

Fritz Keller hat sich für die Aussage inzwischen entschuldigt, will mit letzter Konsequenz vor dem DFB-Sportgericht kämpfen. Rainer Koch nimmt die Entschuldigung zur Kenntnis, betont er gestern im Sportstudio. Er selbst entkam vergangene Woche nur knapp einem Misstrauensvotum ­– auch, weil er als Präsident des bayrischen und süddeutschen Verbandes für sich selbst stimmte. Trotzdem: Das Wahlergebnis, für Koch ein Vertrauensbeweis:

"Wer soll denn dann das Vertrauen haben? Also an der Stelle verwehre ich mich auch dagegen."

Fritz Keller während einer Pressekonferenz am Mikrofon. (picture alliance / Sven Simon / Elmar Kremser) (picture alliance / Sven Simon / Elmar Kremser)DFB-Chef Fritz Kellers Nazivergleich - "Ein riesiger Intrigen-Stadl"
DFB-Präsident Fritz Keller hat seinen Vize im Streit mit dem NS-Richter Roland Freisler verglichen. Das kann ihn jetzt das Amt kosten. Der Journalist Ulrich Wickert findet den Vorfall "merkwürdig": Beim DFB scheine jeder gegen jeden zu intrigieren.

Verwehren will Koch sich auch gegen Vorwürfe, er hätte mit Medienberater Kurt Diekmann ein privates Verhältnis gepflegt. Diekmann wurde vor einigen Jahren vom DFB mit einem hochdotierten Vertrag ausgestattet. Sein Aufgabenbereich? Bis heute unklar. Als Moderatorin Kathrin Müller-Hohenstein ihn auf eine private E-Mail Diekmanns anspricht, entwickelt sich eine Art Streitgespräch.

Müller-Hohenstein: Es gibt eine Mail Herr Koch, der Wortlaut vom 21.6.16 von Diekmann an Sie.

Koch: Ich muss Sie unterbrechen, diese Mail kenne ich nicht.

Müller-Hohenstein: Dann lese ich Sie Ihnen vor –

Koch: Ich hab sie auch nicht bekommen.

Müller-Hohenstein: Ich möchte sie Ihnen trotzdem gerne vorlesen.

Am Ende dieses Hin und Her, wiederholt Koch: "Ich hab sie erstens nicht bekommen. Zweitens möchte ich fragen, wie Sie in den Besitz dieser Mail kommen. Das muss aus einem gehackten Vorgang herstammen."

Keine Belege, keine rechtlichen Schritte

Belege für Hack-Angriffe hat er nicht, sagt Koch, juristische Schritte habe er auch noch nicht eingelegt. Der DFB-Vize streitet alles ab, widerspricht sich mehrmals selbst, prangert andere Präsidiumsmitglieder an – und sieht sich am Ende des Interviews trotzdem als Teil der Lösung – und nicht als Teil des Problems.

"Die Lösung heißt, dass im Moment überhaupt keine Neuwahlen anstehen und der DFB im Moment, so zerrissen wie er dasteht, in eine geordnete Form gebracht werden muss. Und dafür geht es darum, in diesem Jahr Themen zu behandeln, die anstehen. Wir müssen die DFB GmbH schaffen, wir brauchen endlich Geld als Amateurfußball vom Profifußball. Darum geht es, und nicht darum, die Köpfe des Amateurfußballs zu fordern."

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