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StartseiteSprechstundeDer lange Weg zurück in die Normalität12.07.2016

Diagnose KrebsDer lange Weg zurück in die Normalität

Detlev Peick erkrankte viermal an Lymphdrüsenkrebs. Trotz mehrerer Chemotherapien kam der Krebs zurück, bis Detlev Peick das Risiko einer Stammzelltransplantation von einem Fremd-Spender einging. Das Zusammenleben mit seiner Frau war in dieser schweren Zeit das Einzige, was ihm wichtig war.

Von Martin Winkelheide

Keimfreies Labor an der Kyoto Universität in Japan.  Mit einer Pipette werden Stammzellen in Petrischalen gefüllt. (imago/Medicimage)
Stammzellenbehandlung an der Kyoto Universität Japan. Stammzellen werden in Petrischalen gefüllt (imago/Medicimage)
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Eines Morgens entdeckt Detlev Peick: Da stimmt was nicht. "Beim morgendlichen In-den-Spiegel-Sehen an der linken Halsseite eine Beule. Eine Verdickung." 2008 war das. "Und am dritten Tag, als es nicht dünner wurde, habe ich dann auch meine Frau gefragt. Die sagte: Ja, das ist dicker."

Detlev Peick geht zum Arzt. Der schickt ihn zu einem Spezialisten. Dann die Diagnose: Lymphdrüsenkrebs. Er bekommt eine Chemotherapie. Der Tumor kommt wieder. Dann noch eine Chemotherapie. Und noch eine. "Da hat es jedes Mal geheißen, jetzt haben Sie erst einmal zwei, drei Jahre Ruhe. Dem Ganzen war nicht so. Denn nach einem halben Jahr ungefähr war die Geschichte wieder da."

Die Ärzte raten ihm zu einer Stammzell-Transplantation. Mit Zellen aus dem eigenen Knochenmark. "Nach einem halben Jahr war wieder alles wie gehabt. Man hat gesagt, man kann jetzt noch als letzte Lösung eine Stammzelltransplantation von einem Fremd-Spender durchführen lassen. Da muss man sich natürlich gut überlegen: Machst Du das? Oder machst Du das nicht?"

Detlev Peick holt den Rat eines zweiten Spezialisten ein. Denn: Das Risiko, die Transplantation nicht zu überleben, ist hoch. Andererseits: Wenn er nichts macht, hat er noch ein, vielleicht zwei Jahre zu leben. "Und dann habe ich gesagt: gut. Mehr als kaputtgehen kann man nicht. Versuchen wir das ganz einfach. Ich will das machen. Schluss."

Im Nachhinein eine gute Entscheidung? "Ja." Seine Frau begleitet und berät ihn, sie informiert sich, kümmert sich.

"Ich konnte dieses Thema nicht ausstehen"

"Wenn früher Dinge kamen, die unangenehm waren - in Bezug auf meine Krankheit zum Beispiel -, da wollte ich gar nichts von hören. Ist natürlich schwierig für sie, wenn sie mir helfen will, und dann hat sie so jemanden stehen, der macht nicht mit.

Ja, Angst war, glaube ich, gar nicht dabei. Es war nur ganz einfach, ich konnte dieses Thema nicht ausstehen. Ich wollte überhaupt nicht darüber reden. Ich hab nur gesagt: Die sollen was machen, dann muss irgendein Ergebnis bei rumkommen, dass hoffentlich mir erst mal hilft."

Die Stammzelltransplantation hat Detlev Peick gut überstanden.

"Und seitdem hab ich keinerlei Wehwehchen. Wir wandern wieder, wir kraxeln in den Bergen rum, wir fahren Rad. Wir gehen viel spazieren, wir tun im Grunde genommen das alles, was wir möchten. Bis auf den Umstand, dass ich seit meinem neuen Leben – glaube ich zumindest – viel empfindlicher bin gegen Wind, Zug und dergleichen, deswegen bin ich auch alle naselang erkältet.

Ich glaube, man hört verstärkt in sich rein. Wenn es piekst oder zwackt: Oh, was ist das? Was könnte das sein? Insofern beobachtet man sich selbst stärker."

Die ersten zwei Jahre nach den Chemos eher nachdenklich gestimmt

Während der langen Zeit der Behandlung, erzählt Detlev Peick, war ihm nur das gemeinsame Leben mit seiner Frau wichtig. Darauf kam es an. "Und wenn Leute falsch abgebogen sind, oder wenn irgendwo zwei sich gestritten haben, oder wenn der Busfahrer bescheuert gebremst hat, das waren alles Dinge…. Ist eben so.

Und jetzt mittlerweile bin ich wieder so weit, da nehme ich wieder aktiv am Leben teil. Es gibt wieder bescheuerte Autofahrer, und dem Busfahrer sollte man noch mal zum Führerscheinmachen schicken. Also ich habe den Eindruck, dass, nachdem das erste die ersten zwei Jahre nach den Chemos einen eher nachdenklich und besonnen gestimmt hatten, das ist jetzt erst einmal ein bisschen passé. Deshalb habe ich den Eindruck, man nimmt wieder so richtig am Leben teil. Es macht wieder richtig Spaß. Im Moment fühle ich mich richtig wohl. Von mir aus kann das so bleiben."

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