Montag, 23. Mai 2022

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Dichterin Monika Rinck
"Ein Gedicht zum Frühstück zu lesen, verändert den Tag"

Lyrik kann das Denken verändern, meint die Dichterin Monika Rinck, Mitkuratorin des ersten Festivalkongresses "Fokus Lyrik" in Frankfurt. Doch die deutsche Lyrikszene kämpft ums Überleben. Helfen könne nur eine staatliche Förderung von Verlagen, sagte Rinck im Dlf.

Monika Rinck im Gespräch mit Jan Drees | 10.03.2019

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Die Lyrikerin und Essayistin Monika Rinck (picture alliance / dpa / Patrick Seeger)
Jan Wagner machte den Anfang: Der Preis der Leipziger Buchmesse 2015 wurde ihm für den Gedichtband "Regentonnenvariationen" zuerkannt. 2016 bekam Bob Dylan den Literaturnobelpreis. 2018 diskutierte sogar die "Bild"-Zeitung über Eugen Gomringers Gedicht "avenidas". Sind Lyriker die neuen Popstars? Nein, denn die Lyrikszene hat mit etlichen Problemen zu kämpfen, berichtet die Dichterin Monika Rinck. "Es ist ein sehr weites Feld, ein sehr reges Feld, komischerweise aber findet man sehr wenig davon im Feuilleton."
Außerdem sei die wirtschaftliche Lage sowohl der Autorinnen und Autoren als auch der Verlegerinnen und Verleger prekär: "Was den Zustand der Verlage angeht, die ja jetzt auch durch die Pleite des Grossisten KNV sehr in Schwierigkeiten sind, denke ich, dass eigentlich kaum etwas anderes hilft als - wie es in Österreich bereits gehandhabt wird und teilweise auch in der Schweiz - Verlagsförderung." Früher, in der frühen Bundesrepublik, hätten die Verleger sich um die Autoren gesorgt, so Monika Rinck. "Jetzt ist es umgekehrt, die Autorinnen und Autoren sorgen sich um ihre Verlegerinnen und Verleger."
Kunstform Lyrik: Arm aber frei
Der Zulauf des Publikums zu Lyrik-Lesungen oder Poetry-Slam-Veranstaltungen ist enorm. Trotzdem so Rinck, sei dieses Publikum ziemlich abgekoppelt vom Buchmarkt: "Wer ein Ticket zu einer Lesung kauft, kauft oft kein Buch."
"Solange wir von Auflagen unter 1.000 Stück sprechen, solange kleinere Lyrik-Verlage ihre Autoren und Autorinnen kaum bezahlen können, solange Verlegerinnen und Verleger arbeiten gehen müssen, um sich ihren Verlag überhaupt leisten zu können, ist so ein einmaliger Kongress auch ein Symptom dessen, dass man sich wünscht, dass diese ja sehr interessante Kunstform etwas mehr Resonanz erhält. Aber letztlich gibt es vielleicht auch eine gewisse Unverwöhnbarkeit der Lyrik, und darin besteht teilweise wohl auch ihre Freiheit."