Mittwoch, 18.07.2018
 
Seit 02:30 Uhr Lesezeit
StartseiteInterviewTrainingslager für gesellschaftliches Handeln22.04.2018

Die Bedeutung des TheatersTrainingslager für gesellschaftliches Handeln

Das Theater sei eine Einrichtung, um Konfliktbearbeitung, List, Lüge und Betrug in Ruhe und gelassen anzuschauen, sagte der Soziologe Dirk Baecker im Dlf. Theater löse das Problem, anderen bei der Kommunikation zuzuschauen, ohne selbst beteiligt zu sein.

Dirk Baecker im Gespräch mit Michael Köhler

Hören Sie unsere Beiträge in der Dlf Audiothek
Der Rüssel | Wolfgang Bauer | Uraufführung im Akademietheater (Copyright: Reinhard Werner/Burgtheater)
Das Theater selbst macht Theater, sagte der Soziologe Dirk Baecker (Copyright: Reinhard Werner/Burgtheater)
  • E-Mail
  • Teilen
  • Tweet
  • Drucken
  • Podcast
Mehr zum Thema

Theater hinter den Kulissen Die Kunst des Volkes

Das Theater sei eine der frühesten und geschicktesten Rituale, in denen man das, was Soziologen gerne "Beobachtung zweiter Ordnung" (man beobachtet Beobachter beim Beobachten) nennen, tatsächlich praktizieren könne, ergänzte Baecker. 

Das leiste tatsächlich nur das Theater, das leiste weder die bildende Kunst noch die Musik, sagte der Soziologe. Das Hängen an dem Sprechtheater sei deshalb verständlich, auch wenn es seinen Höhepunkt im 19. Jahrhundert gehabt habe und heute in einer multimedialen Welt das Sprechen als solches nicht mehr so sehr interessiere. 

Die Bedrängung des Schauspielers 

Der Zuschauer erfahre bei einem Besuch im Theater die Bedrängung des Schauspielers durch das Licht, durch die Szenenentwicklung, durch eine Dramaturgie, die von anderen bestimmt werde, "man denke an die unglaublich erfolgreichen Stücke von Molière im 'Tartuffe' zum Beispiel."

Der Zuschauer spüre die Bedeutung von Lichteffekten, die das Wort mal so und mal so ankommen lassen, erfahre "das komplexe Einlassen von Menschen, hier vertreten durch Schauspieler, in ein physisches, materielles, emotionales Umfeld, das wir immer nur zur Hälfte – wenn überhaupt – durchschauen und von dem wir viel weitergehend bestimmt sind, als wir das gerne hätten".

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie den Deutschlandfunk