Sonntag, 14. August 2022

Kinder- und Jugendbücher
Die besten 7 im April

Existenzielles steht im Mittelpunkt: Anfang und Ende. Geburt und Tod. Über die Entstehung der Erde vor mehr als 4,4 Milliarden Jahren bis zur Entstehung der Lebensform Mensch, über einen Wettbewerb, gigantische Dinge, die man im Leben meistern muss und immer wieder: Wie finde ich meinen Platz?

Von Ute Wegmann | 02.04.2022

Lesender Junge
Lesender Junge (imago/JOKER / Ralf Gerard)

Aina Bestard: „Wie alles begann. Die wunderbare Geschichte unserer Erde"

Fossilien, Erdschichten, Skelette, der Urknall, das Lavameer, Meteoriten, die Bildung der Kontinente: Das Leben beginnt! Faszinierende Landschaften vor Millionen von Jahren, bevor Tiere und Pflanzen die Erde eroberten. Und dann: Riesenpilze. Haie und Riesenfische. Wälder. Dinosaurier. Die ersten Vögel. Der Planet Erde auf bunten Bildtafeln und Pergamentbögen, mit Klappen und Schwarzweißzeichnungen. So ist es entstanden, was es zu schützen gilt.
Aina Bestard
„Wie alles begann. Die wunderbare Geschichte unserer Erde“
Aus dem Katalanischen von Ursula Bachhausen
Gerstenberg Verlag, 80 Seiten, 26 Euro
ab 8

Micha Friemel und Jacky Gleich (Illustration): „Oma Erbse“

Die Großmutter liegt schwer krank im Bett und möchte mit der kleinen Leonor nicht über den Tod sprechen. Stattdessen macht sie Witze. Später beim Gärtnern erfährt das Mädchen Einiges über Würmer: Sie fressen, was tot ist, und machen daraus Erde. Aus der Erde wächst Gemüse. Leonor liebt Erbsen und Karotten. Oma schlägt vor, dass aus ihrer Erde eine Karotte wächst, die soll Leonor an ein Pferd verfüttern. So könnte Oma ein Pferd werden, das würde ihr gut gefallen. Ein eindringliches und gleichermaßen heiteres Buch über das Abschiednehmen.
Micha Friemel und Jacky Gleich (Illustration)
„Oma Erbse“
Hanser Verlag, 28 Seiten, 14 Euro
ab 4

Michael Hammerschmid und María José de Tellería (Illustration): „wer als erster“

„die friedensbrücke///.../ egal ob groß/ oder klein/ alles zählt/ worte/ taten gedanken blicke/ was man nicht tut/ genau/ bau sie grau/ gelb oder blau/aber bau sie/ sie fehlt/ bau!“
Sprachspielerisch, assoziativ und mit unerwarteten Wendungen eröffnen die Gedichte Räume, die zum Träumen einladen. Poetische Illustrationen verstärken die Stimmungen und laden zum Verweilen ein.
Michael Hammerschmid und María José de Tellería (Illustration)
„wer als erster“
Jungbrunnen Verlag, 24 Seiten, 16 Euro
ab 4

Susin Nielsen: „Die gigantischen Dinge des Lebens“

Unsichtbar sein, Kopf runter und einfach den nächsten Schultag überleben, so läuft das, wenn man in der Schule einen Gegner hat. Jetzt kommen die französischen Austauschschüler*innen und ausgerechnet Wilburs Charlie ist ein Mädchen. Ein bemerkenswertes Mädchen, das sich auch mit beiden Müttern und seinem besten Freund, dem alten Nachbarn versteht. Klar, dass er sich verliebt. Klar, dass auch noch andere merken, wie toll Charlie ist. Ausgerechnet sein Widersacher tut alles, um ihr zu imponieren. Wilbur entscheidet, nicht nach Paris zu fahren, egal wie viel sie ihm bedeutet. Das sehen seine Freunde anders. Sie arbeiten mit ihm, um sein Selbstbewusstsein aufzubauen und ihn zu einem „coolen Typen“ zu machen. Ein echtes Stück Arbeit. Mit viel Witz erzählt und absolut klischeefrei.
Susin Nielsen
„Die gigantischen Dinge des Lebens“
Aus dem kanadischen Englisch von Anja Herre
Verlag Urachhaus, 284 Seiten, 18 Euro
ab 11

Alina Bronsky: „Schallplattensommer“

Maserati betreibt mit ihrer sehr betagten Großmutter ein kleines Bistro. Dann zieht eine Familie mit zwei Jungs ins Dorf: Zwei sehr unterschiedliche Typen, Cousins, einer lebensfroh, der andere in sich gekehrt. Sie interessieren sich beide auf ihre Art für das Mädchen, das angeblich auf dem Cover einer alten Schallplatte abgebildet ist. Oder wem sieht sie ähnlich? Wer hat hier welche Geheimnisse? Und wie lange kann man, wenn man sich mag, Geheimnisse geheim halten? Ein Roman über Gefühlschaos und jugendliche Abgründe.
Alina Bronsky
„Schallplattensommer“
dtv, 190 Seiten, 15 Euro
ab 14

Gulraiz Sharif: „EY HÖR MAL!“

Oslo, Hochhaussiedlung, Mahmoud lebt dort mit seinen pakistanisch-stämmigen Eltern und seinem kleinen Bruder. Sie leben zwischen zwei Kulturen. Mahmoud, 15 Jahre alt, sieht sich weder norwegisch noch pakistanisch, er ist „osloisch“ und hat keine Identitätskrise. Als der Onkel aus Pakistan über die Sommerferien zu Besuch kommt und der zehnjähriger Bruder sein Geheimnis lüftet, dass er sich wie ein Mädchen fühlt, geht der Stress los. Mahmoud, der in jeder Lebenslage eine Idee und einen guten Spruch auf Lager hat, hat nun alle Hände voll zu tun, den Bruder vor den strengen Eltern zu schützen. Und das tut er, mit seiner bedingungslosen, grenzenlosen Bruderliebe. Ein frischer, neuer Ton im Jugendroman.
Gulraiz Sharif
„EY HÖR MAL!“
Aus dem Norwegischen von Meike Blatzheim und Sarah Onkels
Arctis Verlag, 208 Seiten, 15 Euro
ab 13

Fatma Aydemir: „Dschinns“

Nach 30 Jahren Arbeit in Deutschland erfüllt der Vater sich seinen Traum: eine Eigentumswohnung in Istanbul. An dem Tag, als alles fertig ist, stirbt er an einem Herzinfarkt. Seine Familie, Ehefrau und vier Kinder, reist zur Beerdigung aus Deutschland an. Sie alle treffen nun in der Wohnung aufeinander, jede/r mit eigenen Wünschen und Verletzungen. Was die Familie vereint: Alle leben mit Geheimnissen und einem diffusen Gefühl der Angst. Ein aus verschiedenen Perspektiven erzählter Roman, angesiedelt Ende der 1990er Jahre, über eine Familie, die sich fremd geworden ist.
Fatma Aydemir
„Dschinns“
Hanser Verlag, 368 Seiten, 24 Euro
ab 15