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Die Diskussion um das Kyoto-Protokoll

Angesichts der Diskussionen um das Kyoto-Protokoll auf dem G8-Gipfel in Gleneagles ist der Energie-Wissenschaftler Stefan Thomas der Auffassung, dass die USA mit der gegenwärtigen Regierung sich nicht auf die quantitativen Ziele des Protokolls festlegen lassen werden. Die US-Regierung habe selbst vorgeschlagen, anstatt des Kyoto-Protokolls konkrete Prozesse wie die Entwicklung von Erneuerbare-Energie-Konzepten voranzubringen.

Moderation: Bettina Klein |
    Klein: Am Telefon begrüße ich Stefan Thomas vom Wuppertal Institut Klima, Umwelt und Energie. Schönen guten Tag, Herr Thomas.

    Thomas: Guten Tag, Frau Klein.

    Klein: Wenn wir die Zeichen aus Gleneagles richtig deuten, dann soll es nun so etwas wie einen Neuanfang geben. Tony Blair wird heute mit den Worten zitiert, es habe keinen Zweck, die Kyoto-Debatte wieder von vorne anzufangen, es ist offenbar ein leidiges Thema. Was kann denn ein neues Kyoto-Protokoll bringen, auch wenn es einen anderen Namen trägt?

    Thomas: Es gibt im Moment auf internationaler Ebene ein zweigleisiges Vorgehen. Auf der einen Seite wird in den internationalen Klimaverhandlungen zum Beispiel Ende des Jahres in Montreal über eine Fortsetzung oder eine zweite Phase des Kyoto-Protokolls gesprochen werden. Auf der anderen Seite ist klar, dass die USA mit der gegenwärtigen Regierung sich nicht auf quantitative Ziele festlegen lassen werden. Von daher versucht man, mit den USA parallel über konkrete Maßnahmen zu sprechen, auch im Rahmen von Prozessen, wie die Renewables, die im letzten Jahr gestartet wurden. Es geht um effizientere Nutzung der Energie, es geht um Wasserstoff und all solche Initiativen.

    Klein: Man will über konkrete Projekte reden. Was heißt das, welche Zugeständnisse wären dann von Nöten an die USA, um sie wieder mit einzubinden?

    Thomas: Ich glaube, die USA haben selbst ja auch vorgeschlagen, anstatt des Kyoto-Protokolls eben solche konkreten Prozesse voranzubringen. Von daher glaube ich nicht, dass besonders große Zugeständnisse in diesem Bereich von Nöten wären.

    Klein: Sondern in welchen?

    Thomas: Eher wahrscheinlich im Hinblick auf die Weitentwicklung des Kyoto-Protokolls. Ich weiß nicht, ob es gelingt, dann diese beiden parallelen Tracks wie man sagt, wieder zusammenzubinden zu einem Protokoll. Vielleicht wäre das dann das Zugeständnis an die USA, was eben nicht die Ziele in den Vordergrund stellt, was die Reduktion der Treibhausgase angeht, sondern vielleicht andere Ziele, wie Verringerung des Energieverbrauchs - die EU will sich ja da auf zusätzliche Einsparungen von sechs Prozent bis zum Jahr 2012 festlegen - oder Ziele der Förderung von erneuerbaren Energien.

    Klein: Die Einschätzung des Klimaexperten Stefan Thomas. Herzlichen Dank.