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StartseiteSternzeitErde eiert, Himmel wandert07.01.2019

Die Entdeckung der PräzessionErde eiert, Himmel wandert

Schon in der Antike wussten die Astronomen, dass sich die Position der Erde unter dem Sternenhimmel im Laufe von Tausenden von Jahren allmählich verändert. Diese Präzession der Tagundnachtgleichen entsteht durch eine langsame Kreiselbewegung der Erdachse.

Von Hermann-Michael Hahn

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Noch ist für der Hauptstern im Kleinen Bären unser Polarstern; infolge der Präzession steht in etwa 12.000 Jahren Vega in der Leier nahe dem Himmelspol (Stellarium)
Noch ist für der Hauptstern im Kleinen Bären unser Polarstern; infolge der Präzession steht in etwa 12.000 Jahren Vega in der Leier nahe dem Himmelspol (Stellarium)

Ursache dafür sind die Anziehungskräfte von Sonne, Mond und Planeten auf die leicht abgeplattete Erde und ihre schräg stehende Achse. Dadurch eiert die Erde wie ein Kreisel kurz vor dem Umfallen – eine volle Runde dauert rund 26.000 Jahre.

Erstmals beschrieben wurde die Präzession durch den griechischen Astronomen Hipparcos von Nicäa. Er beobachtete im Jahr 135 vor Christus eine totale Mondfinsternis, die drei Tage vor Frühlingsanfang eintrat.

Dabei hat er gemessen, dass Spica, der Hauptstern in der Jungfrau, etwa drei Grad neben dem verfinsterten Mond und damit sechs Grad neben dem Herbstpunkt der Ekliptik stand, den die Sonne zur Herbsttagundnachtgleiche passiert.

Um gut dreißig Grad weiter nach Westen gezogen

Rund anderthalb Jahrhunderte zuvor hatten andere Beobachter ebenfalls eine totale Mondfinsternis verfolgt, die damals sieben Tage vor Frühlingsanfang eintrat. Sie hatten Spica etwa zwei Grad neben dem verfinsterten Mond oder acht Grad neben dem Herbstpunkt beobachtet.

Die Erdkugel vom Weltraum aus betrachtet (NASA)Bei der Präzession vollzieht die Erde mit ihrer um 23,5 Grad geneigten Erdachse einen Umschwung in 26.000 Jahren (NASA)

Hipparcos schloss, dass sich die Tagundnachtgleichen während dieser anderthalb Jahrhunderte relativ zu den Sternen um zwei Grad nach Westen verschoben hatten.

Heute, nach weiteren 2.100 Jahren, sind sie um gut dreißig Grad weiter nach Westen gezogen. Der Herbstpunkt ist schon fast in den Löwen gewandert.

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