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StartseiteInformationen am MorgenWo die Beatles erwachsen wurden17.08.2020

Die Hamburger JahreWo die Beatles erwachsen wurden

Vor 60 Jahren hatte eine unbekannte Band aus Liverpool ihren ersten Auftritt in Hamburg. In den Clubs um die Reeperbahn begann die steile Karriere der Beatles – dort bekamen sie den letzten Schliff, der sie zu den späteren Weltstars machte.

Von Michael Marek

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Beatles backyard 1963 (Courtesy Galerie Stephen Hoffman / Iconic Images)
Nach ihren Hamburger Jahren traten die Beatles ihren weltweiten Siegeszug an (Courtesy Galerie Stephen Hoffman / Iconic Images)
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17. August 1960: Fünf unbekannte Musiker aus Liverpool treten im berüchtigten Hamburger "Indra"-Club auf - mitten auf dem Kiez neben der Reeperbahn. Pete Best, George Harrison, John Lennon, Paul McCartney und Stuart Sutcliffe – die "Silver Beatles". Das Silver wird schon bald aus dem Namen der Band gestrichen. Und damit beginnt ein kurzes, aber faszinierendes Kapitel der Rock- und Popgeschichte. In Hamburg feiern die Beatles ihre ersten Erfolge, und hier wurde der legendäre Beatles Sound geboren:

"Hamburg war damals einer jener Orte, an denen es am Wildesten zuging. Unsere Talente haben sich entwickeln können, und wir hatten Erfolg", erinnert sich Schlagzeuger Pete Best, der schon bald gegen den besser spielenden Ringo Star ausgetauscht wird. 

Das Schild der Abbey Road Studios mit vielen Unterschriften. (imago / CTK Photo) (imago / CTK Photo) "Abbey Road"-Album - Vier Beatles, ein Zebrastreifen und viele Konflikte
Für viele Musikkritiker ist "Abbey Road" das beste Album der Beatles. Die Aufnahmen dafür gestalteten sich jedoch schwierig.

Im Rotlichtmilieu reiht sich ein Club an den anderen: Wilde Kerle, viel Musik und mitten drinnen die Beatles. Das Vokabular lernen sie schnell: 

"Ja, Grundstoff war Schaschlik und Cornflakes mit Milch, Frühstück und eine Tasse Tee bitte! ... Ein Glas Tee, ja, entschuldigen Sie bitte!"

Frikadellen, Bier und Aufputschtabletten

Tee wird für Paul McCartney und die anderen Band-Mitglieder nur selten serviert. Sie spielen jeden Abend in den Clubs der Stadt. Durchhaltemittel sind Frikadellen, Bier und Aufputschtabletten.

Die Beatles leben in einer kärglichen Hinterhofkaschemme. Sie machen Schulden in den Kneipen und kommen wegen Erregung öffentlichen Ärgernisses in Polizeiarrest. Ruhm und Reichtum waren noch in weiter Ferne, so Paul McCartney: 

"In Hamburg, wir wohnten im Bambi-Kino in der Nähe von den Toiletten. It’s true."

Eine Schwarzweißfotografie auf Papier zeigt die Beatles bei ihrem ersten Auftritt im Hamburger Indra-Club am 17. August 1960. (DPA)Eine Schwarzweißfotografie auf Papier zeigt die Beatles bei ihrem ersten Auftritt im Hamburger Indra-Club am 17. August 1960. (DPA)Beatles auf St. Pauli" - Hamburg schlägt Liverpool" 
Beat im Schichtsystem – im Stripclub "Indra" traten Stuart, Pete, George, John und Paul vor 60 Jahren zum ersten Mal in Hamburg auf. Sie wussten nicht, dass sie acht Stunden durchspielen mussten. "Durch die Nacht geholfen haben kleine Pillen", sagte Beatles-Expertin Stefanie Hempel im Dlf.

Das sind die Hamburg Days für die Beatles. In ihrer Heimatstadt Liverpool hatten sie kaum noch Engagements bekommen. Da kam ein Angebot aus der Hafenstadt. Dort quälen sie für 30 D-Mark pro Mann jede Nacht ihre Instrumente. Für die elterliche Kriegsgeneration ist das, was ihre Kinder von den Beatles hören, nichts als Lärm und Krach. Doch für die Jugendlichen und Halbstarken kommt mit dem Beat die Rebellion – und das Ende der heilen deutschen Schlagermusik.

"800 Stunden im Probenraum"

Auch das Beatles Markenzeichen, die Pilzkopffrisur, wird in Hamburg erfunden. Ihr lauter, mit stampfenden Rhythmen und Gitarren instrumentierter Rock’n Roll ist besonders beliebt. Wir spielten alles, was uns einfiel, so John Lennon: "Wir waren Bühnenkünstler in den Tanzlokalen in Hamburg. Wir spielten fantastischen, geraden Rock."

Und das heißt: Jede Nacht sechs Sets bis in den frühen Morgen, für die ihr Song-Repertoire kaum ausreicht. "800 Stunden im Probenraum", hat Paul McCartney die Hamburger Jahre einmal scherzhaft genannt. Ein Gang durchs Feuer, der die Band zusammenschmiedet. 

Schließlich wird Horst Fascher auf sie aufmerksam. Die Hamburger Lokalgröße wirbt die Beatles für seinen Star-Club kurzerhand ab.

"Als sie im Star-Club anfingen, haben sie endlich das mitbekommen, was sie noch brauchten, noch andere große Stars auf der Bühne zu beobachten, wie deren Bühnenshow oder dergleichen organisiert ist", so Horst Fascher: "Und da haben sie den letzten Schliff mitbekommen im Star-Club."

Große Freiheit Nummer 39

Die Beatles werden immer bekannter. Und sie nehmen ihre erste Platte auf: ein mit Rock’n Roll Elementen versehenes Volkslied, so Paul McCartney: 

"Wir hatten die Platte mit Tony Sheridan aufgenommen, der damals eine richtige Bühnengröße gewesen war. Wir arbeiteten im Top Ten Club, und My Bonnie hatte es sogar auf Platz fünf der deutschen Hitparade geschafft", sagte Paul McCartney.

Silvester 1962 spielen sie zum letzten Mal im Hamburger Star-Club an der Großen Freiheit Nummer 39. Aus den Beatles sind Musiker mit Aussicht auf eine große Karriere geworden – eine Karriere, die hier begonnen hatte, so Ringo Star: "In Germany, im Star Club!"

Das sagt auch Martin King, Direktor des renommierten Beatles Museums in Liverpool: "Die Hamburg-Jahre sind ein wichtiger Teil in der Geschichte der Beatles. Ich würde sagen: Liverpool war die Geburtsstadt der Beatles. Als sie nach Hamburg gingen, war die Band noch grün hinter den Ohren. Aber als sie von dort zurück nach Liverpool kamen, waren sie zu richtigen Männern geworden."

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