04. März 2026
Die internationale Presseschau

Der Iran-Krieg ist weiterhin das bestimmende Thema in den Kommentaren. Viele Zeitungen beschäftigen sich mit den Folgen, die der Konflikt regional und weltweit haben könnte.

Rauch steigt in Kuwait nahe dem Gelände der US-Botschaft nach einem Angriff auf.
Der Iran attackiert auch Ziele in Nachbarstaaten, hier steigt in Kuwait Rauch nahe dem Gelände der US-Botschaft auf. (AFP / -)
Für die in Hongkong erscheinende Tageszeitung TAKUNGPAO ist klar: "Da die USA nicht über die Fähigkeiten verfügen, eine neue Ordnung im Nahen Osten zu schaffen, könnte Präsident Trumps planloses Vorgehen schon sehr bald die gesamte Region ins Chaos stürzen. Dieses Szenario eines politischen Vakuums im Iran könnte sich dann noch als viel verheerender erweisen als die Folgen des Irak-Kriegs. Mit roher Gewalt lassen sich zwar bestehende Machtkonstellationen zerstören, aber man kann damit keine neue Friedensordnung schaffen", unterstreicht TAKUNGPAO.
Die chinesische Zeitung JIEFANG RIBAO sieht eine Blockade der Straße von Hormus durch den Iran als zweischneidiges Schwert für Teheran. "Sollte dieser wichtige Schifffahrtsweg tatsächlich blockiert bleiben, würde das zu einem Anstieg der Energiepreise und in der Folge zu Kettenreaktionen in der ganzen Welt führen. Dennoch ist dieses Vorgehen für Teheran hochriskant, da es damit auch seinen eigenen wirtschaftlichen und diplomatischen Spielraum erheblich einengen würde. Es sind auch Zweifel daran angebracht, ob der Iran überhaupt in der Lage sein wird, die Meerenge auf Dauer vollständig abzuriegeln", gibt JIEFANG RIBAO aus Schanghai zu bedenken.
Viele Menschen sitzen wegen des Kriegsausbruchs im Iran fest. Die Zeitung EXPRESSEN aus Stockholm hat dazu folgende Meinung: "Es ist beunruhigend, wie viele Menschen ihren Staat als eine Art Elterntaxi betrachten, das man jederzeit herbeirufen kann. Aber so funktioniert das nicht. Das schwedische Außenministerium hat von allen Reisen in den Iran abgeraten und die Bürger bereits im Januar dazu aufgefordert, das Land zu verlassen. Ignoriert man solche Aufrufe und reist in eine Diktatur, die noch vor ein paar Monaten ihre eigene Bevölkerung massakrierte, kann man wohl kaum verlangen, dass schwedische Soldaten ihr Leben riskieren, um einen nach Hause zu holen", heißt es im schwedischen EXPRESSEN.
DER STANDARD aus Österreich macht sich Gedanken über ein mögliches Ende des Krieges: "Der Krieg wurde von einem US-Präsidenten begonnen, der nicht nur von seinen Gegnern für unberechenbar gehalten wird. Und von einem israelischen Ministerpräsidenten, der oft genug bewiesen hat, dass ihm das politische Überleben wichtiger ist als das Wohl der Menschen. Wo soll das hinführen? Was ist das Exit-Szenario? Die Antworten auf diese Fragen fallen vage aus. Israels Armee sagt: Es geht darum, eine schwere Bedrohung für Israel abzuwenden. Benjamin Netanjahu sagt: Es geht um die Menschen im Iran. Donald Trump sagt: Es ist der Anfangspunkt einer Revolte, die weiteren Schritte müssen die Iraner selbst erledigen. Im Iran selbst jubeln erst einmal viele über den Tod von Ali Chamenei, der das Blut zehntausender Menschen an den Händen hat. Hat es dafür aber diesen Krieg gebraucht?", fragt DER STANDARD aus Wien.
Die in Riga erscheinende Zeitung DIENA hält fest: "Offenbar herrscht die Überzeugung, dass sich durch die physische Liquidierung der iranischen Führung auch ein Regimewechsel herbeiführen lässt: Die Massen erheben sich gegen die Theokraten, und die iranischen Streitkräfte kapitulieren angesichts der militärischen und technologischen Überlegenheit ihrer Gegner. Aber eine solche Strategie wird im Iran keinen Erfolg haben. Nach wie vor ist damit zu rechnen, dass Proteste gnadenlos niedergeschlagen werden, und ebenso unwahrscheinlich ist, dass sich die iranischen Streitkräfte freiwillig ergeben", prognostiziert DIENA aus Lettland.
Auch die in London erscheinende pan-arabische Zeitung AL QUDS AL-ARABY sieht schlechte Aussichten auf einen Regimewechsel in Teheran: "Zweifellos wünscht sich ein großer Teil der iranischen Bevölkerung ein anderes politisches System für ihr Land – eines, das Freiheiten ermöglicht, das Wohlergehen seiner Bürger in den Mittelpunkt stellt und eine freie Wirtschaft sowie eine weltoffene und mit der Welt versöhnte Gesellschaft fördert, frei von ideologischen Illusionen. Allerdings dürfte sich kaum jemand finden, der sich als Verbündeter einer Aggression gegen das eigene Land erweist. Dafür sind Nationalstolz und Patriotismus schlicht zu groß. Es wird schwierig sein, eine Führung zu etablieren, die aus amerikanischer und israelischer Aggression hervorgegangen ist", vermutet AL QUDS AL-ARABY.
Die Onlinezeitung T24 mit Sitz in Istanbul schreibt mit Blick auf den US-Präsidenten: "Es gibt einen Faktor, der Trump ausbremsen wird. Nicht der Kongress und der Oberste Gerichtshof, sondern das Vietnam-Syndrom! Jeder Soldat, der im Krieg stirbt, löst eine Rebellion in der amerikanischen Gesellschaft aus. Nun, da die Zahl der getöteten Soldaten zunimmt, könnte sich in Amerika nach einer gewissen Zeit das 'Iran-Syndrom' einstellen", mutmaßt T24 aus der Türkei.
Die russische Zeitung NESAWISSIMAJA GASETA zieht eine Verbindung zum Krieg in der Ukraine: "Im Fall des Irans sind die USA eindeutig Konfliktpartei. Im Fall Russlands und der Ukraine hingegen wählt Trump die Rolle des Vermittlers und betont dies ausdrücklich. Gleichzeitig haben die USA Sanktionen gegen Russland verhängt und halten an diesen fest. Sie haben Waffen an die Ukraine geliefert und sind bereit, dies im Falle eines Scheiterns eines Abkommens über neue Wege fortzusetzen. Offenbar wurde auch dem Iran in Genf ein Abkommen angeboten, während die USA gleichzeitig ihren Angriff vorbereiteten. Derzeit scheint sich die Überzeugung der russischen Behörden zu verstärken, dass Trump zu Doppelspiel, Täuschungsmanövern und dem Missbrauch von Verhandlungen als Taktik fähig ist", notiert die NESAWISSIMAJA GASETA aus Moskau.
Mit dem Iran steht ein weiterer Verbündeter Russlands unter zunehmendem Druck. Die finnische Zeitung HUFVUDSTADSBLADET bemerkt dazu: "Putin gerät damit zunehmend in die Isolation. Vor gut einem Jahr fiel mit dem Assad-Regime in Syrien einer seiner engsten Verbündeten. Vor zwei Monaten nahmen dann die USA bei einem chirurgischen Blitz-Einsatz einen weiteren Verbündeten gefangen, den venezolanischen Präsidenten Maduro. Russlands Verbündete fallen wie Domino-Steine. Damit wächst die Abhängigkeit von Nordkorea und China, und Russland wird immer mehr zum Vasallenstaat und zur Tankstelle degradiert. Der Iran wackelt, und das ist ein enormer Stressfaktor für Putin", beobachtet HUFVUDSTADSBLADET aus Helsinki.
Die tschechische Zeitung PRAVO überlegt, warum die offiziellen Reaktionen Chinas auf das US-amerikanische Vorgehen im Nahen Osten nicht schärfer ausgefallen sind: "Bis zum geplanten Treffen des chinesischen Staats- und Parteichefs Xi Jinping und des US-Präsidenten Donald Trump bleibt nur knapp ein Monat. Beide Seiten haben sich viel zu sagen. Und das amerikanische Staatsoberhaupt vorher zu beleidigen, könnte China später leidtun. Jedes Jahr, in dem die USA finanziell und menschlich im Nahen Osten ausbluten, könnte zudem zu einem Jahr des Erfolges für China und für chinesische Investitionen im gesamten Indochina-Raum werden. Wer die Auftritte und Erklärungen des US-Präsidenten aufmerksam verfolgt, wird bemerkt haben, dass Taiwan in den letzten Monat als Thema aus seinen Reden verschwunden ist", bemerkt die in Prag erscheinende Zeitung PRAVO.
Auch NIHON KEIZAI SHIMBUN aus Tokio widmet sich diesem Thema: "Chinas Machthaber Xi kann den geplanten Besuch von Trump Ende März nicht ablehnen. Der erste China-Besuch eines US-Präsidenten seit 2017 ist ein lang ersehntes Ereignis und bedeutet eine besondere Weltbühne der Diplomatie beider Großmächte. Außerdem: Ein Ausbleiben von Trumps Wirtschaftsdelegation würde Chinas Wirtschaft auch innenpolitisch stark unter Druck setzen."