
In Österreich hat die Regierung die Maßnahmen gegen die gestiegenen Kraftstoffpreise bereits verschärft. Die Zeitung DIE PRESSE aus Wien spricht von einem "halbgaren Kompromiss" und erklärt: "Die Regierung verweist ja darauf, dass man den Menschen das zurückgeben möchte, was der Staat durch die höheren Nettopreise zusätzlich an Mehrwertsteuer einnimmt. Aber laut Finanzministerium sind das nur etwa 1,5 bis zwei Cent je Liter. Grund dafür ist, dass sich Unternehmen die Mehrwertsteuer vom Fiskus zurückholen können. Und diese tanken zwei Drittel des Sprits. Im schlimmsten Fall wird nun also mit österreichischem Steuergeld auch italienischen und deutschen Frachtunternehmen der Treibstoff quersubventioniert, mit dem diese dann über den Brenner rollen und dort Lärm und Emissionen produzieren", befürchtet DIE PRESSE.
Die Zeitung THE AUSTRALIAN aus Sydney sieht sich durch die Energiekrise veranlasst, ein generelles Umdenken im Land anzustoßen: "Es ist ernüchternd, wenn man darüber nachdenkt, dass wir uns trotz der Lektion aus der Pandemie so beeilt haben, unsere Abhängigkeit von kritischen Importen wie Flüssigbrennstoffen, Plastik und Glas zu erhöhen. Wir behindern weiterhin die Erkundung und Entwicklung von neuen Öl- und Gasvorkommen. Das führt zu einer Energiearmut für Unternehmen, die zunehmend hinterfragen, ob sie in Australien noch eine Zukunft haben. Staatliche Subventionen sind da nicht die Antwort", meint THE AUSTRALIAN.
Vor einer ganz anderen wirtschaftlichen Auswirkung durch den Irankrieg und die Angriffe auf die Golfstaaten warnt der BOTSWANA GUARDIAN aus Gaborone: "Die glitzernde Skyline Dubais, die mit ihren Hochhäusern als Synonym für den exklusiven Lifestyle der Superreichen und Berühmten steht, ist dem Zorn der Iranischen Raketen nicht entgangen. Die Folgen davon sind direkte oder indirekte Auswirkungen auf unseren ohnehin schwierigen Diamantenhandel. Es ist unbestrittene Realität, dass wir von den opulenten Lebensstilen in Megastädten wie Dubai oder Doha abhängig sind. Daher steigt die Wahrscheinlichkeit, dass auch wir vom Krieg betroffen sein werden, je länger dieser andauert", heißt es im BOTSWANA GUARDIAN.
Die NEUE ZÜRCHER ZEITUNG aus der Schweiz beschäftigt sich ebenfalls mit der Situation in den Golfstaaten. Sie findet, diese müssten nun selbstständig handeln: "Vergangene Woche verabschiedete der UNO-Sicherheitsrat eine von Bahrain im Namen der Golfstaaten eingebrachte Resolution. Sie stellt klar, dass den betroffenen Staaten das Selbstverteidigungsrecht nach Artikel 51 zusteht, und schafft damit die Grundlage für eine militärische Option. In den letzten Jahren haben die Golfstaaten kräftig aufgerüstet. Bis jetzt setzen sie ihr Militär in diesem Krieg defensiv ein, doch das kann sich ändern. Die Golfstaaten möchten nicht mehr hinnehmen, dass das iranische Regime – sofern es überleben sollte – nach Ende des Krieges wieder die vollständige Kontrolle über die Straße von Hormus zurückerlangt. Die Unterstützung aus Washington und Jerusalem haben sie derzeit. Es wäre allerdings riskant, sich allein darauf zu verlassen. Die Golfstaaten müssen selber handeln", meint die NEUE ZÜRCHER ZEITUNG.
Die russische Zeitung NESAWISSIMAJA GASETA rechnet mit einer Annäherung zwischen den USA und China. "Eine Koalition wäre für den US-Präsidenten sehr wünschenswert. Dennoch haben sich unter den Verbündeten Amerikas bislang keine Helfer für Trump gefunden. Vielleicht liegt es daran, dass sich die Zeiten geändert haben. Die Welt steigt auf Elektrofahrzeuge um, der Übergang zu erneuerbaren Energien schreitet voran. Das bedeutet, dass die Lieferungen aus dem Persischen Golf nicht mehr so wichtig sind wie vor 40 Jahren. Dies gilt für Europa, das bereits Wege gefunden hat, ohne russische Energie auszukommen, nicht aber für Indien und China. Es ist kein Zufall, dass Trump ihnen ebenfalls die Teilnahme an der 'Hormus-Koalition' angeboten hat. Und wer weiß, vielleicht führt ein Krieg gegen den Iran zu dem vor kurzem noch unvorstellbaren Bündnis zwischen den USA, China und Indien. Öl wird alle versöhnen", prognostiziert NESAWISSIMAJA GASETA aus Moskau.
Die mexikanische Zeitung EL ECONOMISTA wirft vor diesem Hintergrund einen Blick auf die möglichen Folgen des Irankriegs für US-Präsident Trump: "Bei den Zwischenwahlen am 3. November werden in den USA alle 435 Sitze im Repräsentantenhaus, 35 der 100 Sitze im Senat und 39 von 50 Gouverneursposten neu vergeben. Vom Ausgang dieser Wahl hängt entscheidend ab, wie sich die zweite Hälfte der Amtszeit von Präsident Donald Trump gestaltet. Der Krieg im Nahen Osten wird sich maßgeblich auf die Entscheidung der Wähler auswirken. Parallelen zum Golfkrieg 1991 drängen sich auf: Damals gelang zwar die Befreiung Kuwaits, aber Präsident George Bush verlor die Wahlen im November 1992 gegen Bill Clinton. Und wie dieser selbst treffend bemerkte: Am Ende war die Wirtschaft der ausschlaggebende Faktor", erinnert EL ECONOMISTA aus Mexiko-Stadt.
Die in Shanghai ansässige Tageszeitung JIEFANG RIBAO fürchtet, dass nach den Tötungen mehrerer Führungskräfte im Iran niemand für Verhandlungen bereit stehen könnte: "US-Präsident Trump würde aus innenpolitischem Druck heraus lieber heute als morgen den Krieg für gewonnen und beendet erklären. Es gibt bloß im Iran bei der Tötungsserie von Führungspersönlichkeiten durch Israel immer weniger Menschen, die das Land ernsthaft und glaubwürdig bei Verhandlungen vertreten könnten", kommentiert die chinesische JIEFANG RIBAO.
Die panarabische, in London erscheinende Zeitung SHARQ AL-AWSAT beschäftigt sich mit der Lage im Libanon, wo sie eine -Zitat - "völlig neue Phase" für den Konflikt befürchtet: "Offenbar bereitet Israel keine begrenzte Operation oder lokale militärische Reaktion vor, sondern will die Kräfteverhältnisse im südlichen und östlichen Libanon grundlegend umgestalten. Die hohe Zahl der mobilisierten israelischen Soldaten wie auch die der vor der libanesischen Küste zusammengezogenen Kriegsschiffe lässt vermuten, dass die Nachschubwege der Hisbollah endgültig gekappt werden sollen. Vorbereitet wird offenbar kein kurzfristiges militärisches Engagement, sondern eine grundlegende Neustrukturierung der strategischen Landschaft im östlichen Mittelmeerraum. So scheint es, als stünde das Land vor einer äußerst heiklen, entscheidenden Phase", kommentiert SHARQ AL-AWSAT aus London.
Zuletzt ein Blick auf die möglichen Folgen des Irankrieges für die Ukraine. Die schwedische Zeitung EXPRESSEN aus Stockholm fasst zusammen: "Es sah wunderbar finster aus für den russischen Präsidenten Putin und seinen Krieg. Aber dann überfielen die USA den Iran, und auf einmal schien über dem Kreml wieder die Sonne. Je länger der Krieg im Iran dauert, desto kritischer wird die Lage für die Ukraine. Was also können Europa und die Koalition der Willigen tun? Zunächst einmal muss die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen beendet werden, und dann müsssen die Sanktionen gegen Russland verschärft werden. Putins lukrative Schattenflotte muss so stark wie möglich behindert werden. Hier zeigt Schweden den Weg auf. Russlands eingefrorene Mittel müssen für Hilfen für die Ukraine genutzt werden", fordert EXPRESSEN aus Stockholm.
"Washington versucht, die militärisch-politische Verantwortung für die Prozesse rund um den Ukraine-Krieg auf europäische Länder abzuwälzen", meint die aserbaidschanische Zeitung MÜSAVAT. Sie führt aus: "Das Weiße Haus versucht offenbar, mit dem Rückzug der USA das Modell des 'europäisierten Krieges' im Ukraine-Konflikt zu erproben. Aus dieser Perspektive wird die Lösung der Ukraine-Krise für europäische Länder zu einer Bewährungsprobe für ihre Sicherheit und politische Legitimität." Das war MÜSAVAT aus Baku. Und damit endet die internationale Presseschau.
