21. März 2026
Die internationale Presseschau

Ein Thema ist der Besuch der japanischen Premierministerin Takaichi in Washington. Im Mittelpunkt steht jedoch weiterhin der Krieg im Iran mit verschiedenen Aspekten.

US-Präsident Donald Trump und Japans Premierministerin Sanae Takaichi nehmen an einem Abendessen im State Dining Room des Weißen Hauses teil.
Einige ausländische Zeitungen beschäftigen sich mit dem Treffen von Japans Premierministerin Takaichi (l.) mit US-Präsident Trump in Washington (Archivbild), (Julia Demaree Nikhinson / AP / dpa / Julia Demaree Nikhinson)
"Der hohe Ölpreis verschafft Russland jeden Tag Mehreinnahmen in dreistelliger Millionenhöhe", betont die schwedische Zeitung DAGENS NYHETER: "Hält die Blockade der Straße von Hormus an und gibt es weiter Angriffe auf die Golfstaaten, könnte das Öl noch teurer werden. Besser hätte es für Russland nicht kommen können. Alle zusätzlichen Einnahmen werden in das fließen, was der Kreml am meisten priorisiert: in den Krieg in der Ukraine und in die Aufrüstung. Eine weitere Folge des Iran-Kriegs ist, dass die US-Vorräte an Patriot-Raketen rasant schrumpfen. Es mag sein, dass Russland mit dem Iran einen Verbündeten verliert, aber Putin ist bislang der einzige klare Sieger des Kriegs", glaubt DAGENS NYHETER aus Stockholm.
Die türkische Zeitung STAR aus Istanbul ist überzeugt, es handelte sich um einen "asymmetrischen Krieg, der zwar wie ein Frontalangriff aussieht, in Wirklichkeit aber auf die wirtschaftlichen Arterien abzielt. Betroffen ist der globale Energiefluss selbst, der in der Hormus-Linie feststeckt. Die Tatsache, dass der Ölpreis von 60 Dollar auf über 100 Dollar gestiegen ist und anschließend die 200-Dollar-Schwelle angekündigt wurde, zeigt, dass dieser Druck keine vorübergehende Schwankung ist. Der Iran unterbricht hier nicht nur den Fluss, sondern drückt auch auf die Ader der etablierten Ordnung. So ist die Forderung, das Öl in chinesischem Yuan zu bezahlen, für den Übergang beispielsweise ein direkter Angriff auf die Petro-Dollar-Ordnung", analysiert STAR aus Istanbul.
Die britische Zeitung THE INDEPENDENT aus London ist überzeugt: "Irans Ziel besteht darin, die weltweite Energiekrise zu verschärfen und so Druck auf die Amerikaner und Israelis auszuüben, damit diese ihre Angriffe einstellen und einen Frieden zu Bedingungen anstreben, die für Teheran akzeptabel sind. Die iranische Führung ist zu dem Schluss gekommen, dass sich US-Präsident Donald Trump am besten über den Dow-Jones-Index und ähnliche wirtschaftliche Faktoren beeinflussen lässt", folgert THE INDEPENDENT.
Die spanische Zeitung LA VANGUARDIA verweist auf die Kosten des Iran-Krieges für die USA: "Donald Trumps 'kleiner Ausflug' in den Iran verschlingt täglich zwischen einer und zwei Milliarden Dollar. Die USA haben bei ihrem 'Picknick' möglicherweise bereits 30 Milliarden Dollar verbrannt. Das Pentagon hat beim Kongress 200 Milliarden Dollar beantragt. Doch eines der Probleme ist, dass diese riesige Summe keinen ausreichenden Nachschub garantiert, da die Rüstungsindustrie nicht über so große Reserven verfügt, wie die USA benötigen könnten", hebt LA VANGUARDIA aus Barcelona hervor.
Die niederländische Zeitung DE VOLKSKRANT aus Amsterdam äußert sich zum Vorgehen des US-Präsidenten: "Trump tastet sich irgendwie weiter durch, während sein Kriegsminister wie in einem bitteren Echo des Vietnamkriegs immer wieder beteuert, dass man 'alle Ziele erreichen' werde. Durch die überlegene militärische Macht der USA sind das iranische Regime und seine militärischen Fähigkeiten zwar erheblich geschwächt worden. Doch das Regime hält sich und schlägt zurück – asymmetrisch, aber äußerst effektiv", bilanziert DE VOLKSKRANT.
Die panarabische Zeitung AL QUDS AL-ARABI befürchtet, dass die USA und Israel für einen Sieg über das Regime in Teheran keine andere Option bleibt als der Einsatz von Bodentruppen: "Mit Luftangriffen allein lässt sich dies Ziel offenbar nicht erreichen. Ein Regime wie das iranische wird nicht stürzen - ganz gleich, wie viele Bomben vom Himmel fallen, ganz gleich, wie viele Angriffe und Attentate es auch geben mag. Diese Taktiken verfehlen ihr Ziel. Weder vermögen sie die Unmut der Iraner über ihr Regime in einen Aufstand zu verwandeln, noch schwächen sie den iranischen Staatsapparat." Das war AL QUDS AL-ARABI mit Sitz in London.
Nach Einschätzung der österreichischen Zeitung DIE PRESSE hat der US-Präsident nun "zwei Optionen: Er kann versuchen, im April die Reißleine zu ziehen, das iranische Nuklear- und Raketenprogramm für vernichtet, sich zum Sieger und den Krieg für beendet zu erklären. Die Frage ist nur, wie glaubwürdig das ist und ob auch das iranische Regime mitspielt. Oder Trump intensiviert die Schlagzahl gegen das iranische Regime. Das aber birgt die Gefahr, dass der Krieg und seine Folgen völlig außer Kontrolle geraten. Nach einem 'Ausflug' im Iran sieht all das jedenfalls nicht aus. Eher nach einem Albtraum", urteilt DIE PRESSE aus Wien.
Themenwechsel. Aus Angst vor einer möglichen US-Invasion hat Dänemark laut einem Medienbericht im Januar ein Armeeregiment und Elitetruppen nach Grönland entsandt. Die norwegische Zeitung AFTENPOSTEN führt aus: "Als dänische Soldaten nach Grönland flogen, hatten sie Sprengstoff zur Zerstörung der Flugzeuglandebahnen in Nuuk und Kangerlussuaq sowie Blutkonserven dabei, um Verwundete behandeln zu können. Auch ein französisches Bataillon stand bereit. Solche und andere kürzlich bekannt gewordenen dramatischen Details sind eine eindrückliche Lektüre. Gegen wen sollten sich die dänischen und französischen Soldaten denn verteidigen? Nein, es waren nicht etwa die Russen, die jahrzehntelang als die große Bedrohung galten. Vielmehr wappnete sich Dänemark gegen einen Angriff eines engen Verbündeten, der USA. Zum Glück hat Donald Trump zuletzt nicht mehr so viel über Grönland gesprochen, nachdem in Davos noch von einer Invasion die Rede war. Aber seine inakzeptable Forderung nach einer Übernahme Grönlands steht weiter im Raum", gibt AFTENPOSTEN aus Olso zu bedenken.
Die dänische Zeitung POLITIKEN aus Kopenhagen beobachtet: "Regierungschefin Mette Frederiksen versäumt keine Gelegenheit, um zu wiederholen, worum es bei den Parlamentswahlen am Dienstag geht: Um die Führungsrolle in einer unruhigen und unsicher gewordenen Welt. Nichts könnte richtiger sein, und auf keinem Konto hat die Premierministerin mehr politisches Kapital gesammelt als genau in ihrem Umgang mit der von Donald Trump angedrohten Übernahme Grönlands und mit der dänischen Unterstützung für die Ukraine."
Die chinesische Zeitung HUANQIU SHIBAO aus Peking geht auf den Staatsbesuch der japanischen Premierministerin Takaichi in Washington ein: "Das ist eine kostspielige Politshow. Denn die Ministerpräsidentin brachte ihrem Gastgeber Investitionen in Höhe von 730 Milliarden US-Dollar mit. In Wirklichkeit geht Takaichi damit den früheren Forderungen des Weißen Hauses nach. Das Geld hätte Japan selbst auch dringend benötigt. In Sachen Iran-krieg versucht Tokyo eine schwierige Balance. Die Kalkulation, Amerika für den Konfrontationskurs gegen China zu gewinnen, wird nicht aufgehen", erwartet HUANQIU SHIBAO.
Die polnische Zeitung GAZETA WYBORCZA aus Warschau bilanziert, die Visite Takaichis war "ebenso freundlich wie inhaltslos. Selbst ein unpassender Witz des US-Präsidenten konnte die Stimmung nicht trüben. Man sieht, wie wenig es braucht, um Trump bei Laune zu halten. Seit ihrem Amtsantritt im vergangenen Oktober hat Takaichi geschickt den Spagat geschafft, den US-Präsidenten, Japans wichtigsten Verbündeten, zufriedenzustellen und gleichzeitig die Interessen ihrer eigenen Bevölkerung zu berücksichtigen."
Die japanische Zeitung ASAHI SHIMBUN aus Tokio beobachtet: "Takaichi hat bei ihrem Besuch in Washington US-Präsident Trump überschwänglich gelobt: 'Die einzige Person, die Frieden und Wohlstand in der ganzen Welt bringen kann, ist Donald', sagte sie im Weißen Haus über den Mann, der gerade durch seinen Angriffskrieg die internationale Gemeinschaft ins Chaos gestürzt hat. Dieses unkritische Verhalten der Regierungschefin ihres Landes dürfte viele Japaner schockiert haben. Aber das ist die harte Realität der Welt", kommentiert ASAHI SHIMBUN zum Ende der internationalen Presseschau.