
Doch zunächst in die australische Hauptstadt Canberra. Dort haben EU-Kommissionspräsidentin von der Leyen und Premierminister Albanese ein Freihandelsabkommen unterzeichnet. Dazu schreibt die australische Zeitung THE AGE: "Anstatt sich auf einen einzelnen Wirtschafts- oder Sicherheitspartner zu verlassen, ist Diversifizierung entscheidend – selbst wenn das Kompromisse bei Rindfleischquoten und Prosecco-Etiketten bedeutet. Wir leben in einer gefährlichen, umkämpften und unberechenbaren Zeit, die ein abgestimmtes Vorgehen in den Bereichen Handel, kritische Rohstoffe, Verteidigung und Klimaschutz erfordert. In einfacheren Zeiten konnten Australien und Europa in wohlklingenden Worten ihre gemeinsamen demokratischen Werte beschwören und ihre Beziehung einfach laufen lassen. Diese Zeiten sind vorbei", bemerkt THE AGE aus Melbourne.
Nun zu der jüngsten Entwicklung im Iran-Krieg. US-Präsident Trump hat ein Ultimatum verlängert und behauptet, es gebe einen Dialog zwischen Teheran und Washington. Der britische GUARDIAN fragt sich: "War dies ein weiteres Beispiel für die Redewendung 'Taco' - Trump Always Chickens Out - auf deutsch: Trump kneift immer ? Der Iran hatte Trumps Bluff durchschaut und mit einer weiteren Eskalation des Krieges gedroht. Suchte womöglich der US-Präsident nach einem Ausweg aus einem Konflikt, der nicht wie geplant verlaufen war? Oder würde Trump in ein paar Tagen seine Meinung ändern und den Iran doch bombardieren? Alles war gleichermaßen möglich. Denn: Nicht einmal Donald Trump weiß, was er in ein paar Tagen oder ein paar Stunden tun wird. Er ist ein Mann der Impulse. Ein amoralischer Narzisst", urteilt THE GUARDIAN aus London.
Die polnische RZECZPOSPOLITA bemerkt: "Kontakte der Amerikaner zum Iran laufen in der Regel über befreundete Länder – etwa über die Türkei, Ägypten und Pakistan, und gelegentlich Katar im Hintergrund. Pakistan, Irans atomar bewaffneter Nachbar, entwickelt sich dabei zu einem Schlüsselakteur. Pakistan unterhält gute Beziehungen sowohl zum Iran als auch zu US-Präsident Trump. Pakistan ist Gründungsmitglied von Trumps Friedensrat und ein strategischer Partner Chinas. Ein hochrangiges amerikanisch-iranisches Treffen in Islamabad könnte bevorstehen", überlegt die RZECZPOSPOLITA aus Warschau.
Die Zeitung PAKISTAN TODAY führt aus: "Die taktische Pause in der Konfrontation der USA und Israels mit dem Iran sollte nicht mit einer Deeskalation verwechselt werden. Mit der Entscheidung von Präsident Trump, Angriffe auf die iranische Energieinfrastruktur aufzuschieben, dauert die Ungewissheit lediglich länger. Allerdings lehnt Teheran Verhandlungen kategorisch ab und warnt vor Vergeltung. Das zeigt: Das Risiko, dass dieser Konflikt noch lange dauert, bleibt hoch", notiert PAKISTAN TODAY aus Lahore.
Die katarische Zeitung AL SHARQ aus Doha dringt auf eine rasche Lösung. "Aus Sicht der Golfstaaten wird der Krieg immer bedrohlicher. Sie können die fortgesetzten Angriffe auf Energieanlagen, Seewege und zivile Infrastruktur nicht länger tolerieren. Für die Golfstaaten kommt es darum darauf an, dass die Vereinigten Staaten den Krieg beenden und zugleich auch direkten Druck auf Israel ausüben, seine Angriffe einzustellen."
Die chinesische Zeitung JIEFANG RIBAO aus in Schanghai hält fest: "Trumps Traum vom schnellen Sieg ist geplatzt. Und die von ihm immer wieder gestellten Ultimaten nimmt inzwischen keiner mehr ernst. Der Iran setzt darauf, den Konflikt immer weiter in die Länge zu ziehen, damit er sich von einer militärischen Konfrontation zu einem weiter reichenden Machtpoker entwickelt. Dabei geht es um Energie, Schifffahrtsrouten und Bündnisse."
Ein Gastkommentator der US-Zeitung THE HILL zieht folgendes Resümee: "Manchmal ist es einfach, in den Krieg zu ziehen, besonders dann, wenn der Kongress - also das Parlament - nicht widerspricht. Kriege zu beenden gelang den USA bislang nicht wirklich gut, wie die Erfahrungen in Vietnam, Afghanistan und im Irak nach 2003 zeigten. Die Frage ist, ob Präsident Trump über das tatsächliche Geschehen im Iran-Krieg informiert wird. Oder bestärken Trumps Berater ihn lediglich in seinen Entscheidungen, so wie einst die Teams um Präsident Johnson und Bush junior, deren unbeirrtes Vorgehen in die Niederlage führte?" Das war ein Auszug aus THE HILL in Washington.
Weiter geht es nach Italien. Dort ist die Regierung mit einem Referendum zum Umbau des Justizwesens gescheitert. Nach Ansicht der spanischen Zeitung EL MUNDO ist dies der erste große politische Rückschlag für Premierministerin Giorgia Meloni. "Es gelang der Linken, ausreichend Gegner zu mobilisieren, und die Wähler interpretierten das Referendum auch als Möglichkeit, ihre Ansicht über die Führung der rechten Regierungschefin zu äußern. Geplant war, die Laufbahnen von Richtern und Staatsanwälten zu trennen und die Justizverwaltung neu zu organisieren. Aber die als notwendige Modernisierung präsentierte Reform löste auch die Sorge aus, die Politik könne künftig mehr Einfluss auf die Justiz nehmen. Referenden können ein riskantes Manöver werden, aber vor allem können sie eine Gesellschaft spalten. Meloni kann deshalb jetzt nicht einfach so tun, als ob nichts passiert wäre, sondern sie muss die entstandene Kluft durch eine demokratische Amtsführung überbrücken", mahnt EL MUNDO aus Madrid.
Die italienische Zeitung CORRIERE DELLA SERA konstatiert. "Die Wahlbeteiligung lag über dem erforderlichen Quorum und legitimiert somit das klare Nein der Italiener zu der von der Regierung geplanten Justizreform. Jetzt müssen sowohl die Sieger als auch die Verlierer die Sicht der Gegenseite anerkennen und gemeinsam ein neues Kapitel aufschlagen. Im Parlament fehlte zuletzt der Dialog. Und wenn es eine Lehre gibt, dann ist es die, dass sich die Politiker ihrer Wähler niemals sicher sein können." Das war der CORRIERE DELLA SERA aus Mailand.
Zum Schluss der Blick nach Frankreich. Nach der 2. Runde der Kommunalwahl kann die rechtspopulistische Partei Rassemblement National knapp 70 Bürgermeister stellen. Das links-grüne Lager verzeichnet Erfolge vor allem in Großstädten. Die französische Zeitung LE FIGARO thematisiert die Absprachen zwischen der Sozialistischen Partei und der Partei "La France insoumise": "Die Bilanz fällt in den rund dreißig betroffenen Städten insgesamt negativ aus. Selbst in Tulle, der Hochburg von François Hollande in der Corrèze, konnte der Zusammenschluss den Sturz des Bürgermeisters nicht verhindern. Ungeachtet der Siege, die errungen wurden, um Paris oder Montpellier im eigenen Lager zu halten, steht die Sozialistische Partei vor einem Scheitern. Die Sozialisten bleiben von Jean‑ Luc Mélenchon, dem Gründer der Partei 'La France insoumise', abhängig. Wird die Linke ohne ihn bei den nächsten Präsidentschaftswahlen eine führende Rolle spielen können? Die Antwort ist eine unerschöpfliche Quelle der Spaltung. Denn die Linke ist nicht pluralistisch, sondern zersplittert mehr denn je", heißt es im FIGARO aus Paris.
"Die Kommunalwahlen in Frankreich geben wichtige Hinweise auf die zukünftige politische Richtung", lesen wir in der türkischen Onlinezeitung T24. "Die Städte marschieren nach links. Das Land als Ganzes neigt sich hingegen mehr nach rechts. In einem Europa, in dem die extreme Rechte auf dem Vormarsch ist, ist es ein großer Erfolg, die Großstädte zu halten. Die Linke kann immer noch Allianzen bilden, konkrete Lösungen für lokale Probleme erarbeiten und mit den Wählern durch das tägliche Leben in Verbindung treten. Die Linke ist also nicht völlig geschwächt." Mit diesem Zitat der T24 aus Istanbul endet die internationale Presseschau.
