25. März 2026
Die internationale Presseschau

Ein Thema ist das Ergebnis der Parlamentswahl in Dänemark. Nach wie vor befassen sich die Kommentatoren aber vor allem mit dem Krieg der USA und Israels gegen den Iran - heute mit einem besonderen Augenmerk auf die angeblichen Bemühungen um eine diplomatische Lösung und der gleichzeitigen Drohung mit US-Bodentruppen.

US-Präsident Trump spricht vor einer Gruppe von Medienvertretern.
US-Präsident Trump (picture alliance / ZUMAPRESS.com / Mehmet Eser)
Dazu schreibt der russische KOMMERSANT: "Es könnte sein, dass US-Präsident Trump den Konflikt, der für die USA nicht gut läuft, schnell beenden will. Die Kontakte zwischen dem Iran und den Vereinigten Staaten werden derzeit mutmaßlich von Mohammad Bagher Ghalibaf, dem Sprecher des iranischen Parlaments, gepflegt. Der 64-jährige Parlamentarier wird vom Weißen Haus offenbar als potenzieller iranischer Staatschef in Betracht gezogen. Doch Washington scheint noch keine endgültige Entscheidung getroffen zu haben. Die USA wollen offenbar testen, ob der Anwärter auf das Amt des iranischen Staatschefs ein Verfechter einer harten Linie ist oder nicht. Hochrangige iranische Beamte scheinen zu bestätigen, dass der Oberste Führer Modschtaba Chamenei Verhandlungen mit den USA zugestimmt habe", notiert der KOMMERSANT aus Moskau.
Die NEUE ZÜRCHER ZEITUNG findet Argumente für eine diplomatische Annäherung: "Trotz der militärischen Überlegenheit der USA lässt der versprochene Sieg weiter auf sich warten. Den Vereinigten Staaten wird es mit einem enormen und riskanten militärischen Einsatz kaum gelingen, sowohl die Straße von Hormus wieder zu öffnen als auch dem iranischen Atomprogramm ein Ende zu bereiten. Um wenigstens einen Teil dessen zu erreichen, könnte Präsident Trump einen Kompromiss eingehen und auf Gespräche mit Iran setzen, ohne dass irgendjemand diesen Schritt als Schwäche interpretiert", erläutert die NZZ aus der Schweiz.
Die libanesische Zeitung AN NAHAR bemerkt: "Die USA verlieren diesen Krieg nicht durch eine militärische Niederlage, sondern in jenem Moment, in dem niemand mehr versteht, warum er überhaupt geführt wird", meint AN NAHAR aus Beirut.
Neben dem Iran-Krieg wird auch der Bodeneinsatz Israels im Südlibanon thematisiert. Die niederländische Zeitung DE VOLKSKRANT findet klare Worte: "Israel hat einen neuen Angriffskrieg im Libanon begonnen - mit dem Ziel, 'ein für alle Mal' mit der Hisbollah abzurechnen. Angesichts der Wortwahl und der Art und Weise der Kriegsführung ist ein zweites Gaza-Szenario zu befürchten." Weiter heißt es in dem Kommentar: "Die israelische Obsession mit der eigenen Sicherheit wird unter der Hardliner-Regierung von Ministerpräsident Netanjahu immer mehr zu einer sich selbst erfüllenden Prophezeiung. Nach zwei Jahren Krieg ist Gaza fast vollständig zerstört, haben zwei Millionen Palästinenser fast alles verloren und ist die Hamas militärisch dezimiert, doch der palästinensische Widerstand gegen die israelische Besatzung ist nach wie vor intakt", analysiert DE VOLKSKRANT aus Amsterdam.
Die JERUSALEM POST verteidigt hingegen Israels militärisches Vorgehen im Südlibanon gegen die Hisbollah als legitime Sicherheitsmaßnahme, warnt aber zugleich vor einer dauerhaften Besetzung des Gebiets bis zum Fluss Litani: "Die Hisbollah muss weiter Richtung Norden zurückgedrängt werden, und zwar bis hinter den Fluss Litani. Israel muss sich die Möglichkeit offenhalten, gegen neue Stellungen der Hisbollah vorgehen zu können. Israels Bevölkerung im Norden des Landes muss wieder sicher nach Hause zurückkehren können. Eine Verschiebung der Grenze würde die Armee aber in eine Mission verwickeln, die weit über den Schutz der Gebiete im Norden Israels hinausgeht. Sollte die Situation weiter eskalieren, kann Israel diesen Krieg nur schwer rechtfertigen", fasst die JERUSALEM POST zusammen.
Die japanische Zeitung ASAHI SHIMBUN aus Tokio wirft ein Schlaglicht auf die Lage der Bevölkerung im Libanon: "Dort sind durch die Kämpfe zwischen der Hisbollah und Israel mehr als tausend Menschen getötet worden, mehr als eine Million Menschen sind auf der Flucht: Die humanitäre Krise verschlimmert sich. Die internationale Gemeinschaft muss alle möglichen Kanäle nutzen, damit die Konfliktparteien schnell eine diplomatische Lösung finden."
Die slowakische Zeitung PRAVDA schlussfolgert. "Der Iran-Krieg ist in eine Sackgasse geraten. US-Präsident Trump droht ein Verlust an Prestige und Respekt. Daher versucht er alles, um den Krieg so rasch wie möglich zu beenden, irgendeinen Kompromiss zu finden, am besten gleich auch noch mit einem Frieden in der Ukraine verknüpft: Dann könnte er sich zum Sieger erklären und die Mission wäre erfüllt", lesen wir in der PRAVDA aus Bratislava.
Auch die chinesische Zeitung WENHUIBAO knüpft eine Verbindung zwischen den Kriegen im Iran und der Ukraine. Die Wechselwirkung trete immer offener zutage, heißt es in dem Blatt aus Shanghai. "Angesichts der in der Straße von Hormus blockierten Öl- und Gastanker gewinnen Energielieferungen aus Russland an Bedeutung. Das hat dem Kreml einen neuen strategischen Spielraum eröffnet. Noch vorteilhafter für Staatschef Putin als eine Aufhebung der Sanktionen durch den Westen wäre es, wenn der Streit zwischen USA und Europa in dieser Frage tiefere Gräben aufreißt. Die militärischen Konflikte im Iran und der Ukraine können nicht mehr isoliert voneinander betrachtet werden. Dabei steht das äußerst angespannte Dreiecksverhältnis zwischen den USA, Europa und Russland im Mittelpunkt, das in eine Phase der Neukalibrierung getreten ist", argumentiert WENHUIBAO aus Shanghai.
Nun nach Dänemark, wo die Bürger ein neues Parlament gewählt haben. Die norwegische Zeitung VERDENS GANG spricht von einem Wahlkrimi: "Die Sozialdemokraten von Premierministerin Mette Frederiksen haben ihr bislang schlechtestes Ergebnis seit 1903 eingefahren. Aber trotz dieser historischen Niederlage wird die alte Regierungschefin vermutlich auch die neue sein. Sie hatte Neuwahlen in der Hoffnung ausgerufen, dass der Anti-Trump-Effekt ihr frischen Wind verschaffen würde. Der blieb aus. Frederiksen genoss hohes Ansehen dafür, dass sie die Forderungen der USA nach einer Übernahme Grönlands konsequent zurückwies. Aber trotzdem erzielte ihre Partei ein historisch schlechtes Ergebnis, und das politische Drama ist längst nicht vorbei. Dänemark stehen lange Verhandlungen über eine Regierungsbildung bevor", erwartet VERDENS GANG aus Oslo.
Auch die schwedische Zeitung DALA-DEMOKRATEN verweist darauf, dass der Streit um Grönland mit US-Präsident Trump die Parlamentswahl beeinflusst hat: "In Dänemark gilt eine Sperrgrenze von nur zwei Prozent, und so sitzen nun 12 Parteien im Parlament. Königsmacher könnten die Moderaten von Parteigründer Lars Løkke Rasmussen werden, dem amtierenden Außenminister und einstigen Regierungschef. Mette Frederiksen ist seit sieben Jahren im Amt, und in der politischen Landschaft von heute ist Regierungsverantwortung oft gleich bedeutend mit sinkender Unterstützung der Wähler. Aber die Sozialdemokraten haben gute Aussichten, auch die nächste dänische Regierung anzuführen. Es steht noch nicht fest, ob Mette Frederiksen bei Donald Trump anrufen wird, um ihm für seine Hilfe zu danken." Das war DALA-DEMOKRATEN aus Falun.
Die dänische Zeitung JYLLANDS-POSTEN richet den Fokus auf die innenpolitische Debatte: "Zwar wollte die sozialdemokratische Regierungschefin Mette Frederiksen eigentlich mit dem Thema Vermögenssteuer in den Wahlkampf ziehen, aber stattdessen rückte das Wohlergehen der dänischen Schweine auf der Tagesordnung immer weiter nach oben. Wie es mit dem Tierwohl auf den großen Schweinefarmen künftig bestellt sein wird, wissen wir am Tag nach den Wahlen immer noch nicht, und mit großer Wahrscheinlichkeit werden bei den Verhandlungen zur Regierungsbildung all die großen Herausforderungen für Dänemark auf den Tisch kommen, die im Wahlkampf weit gehend durch Abwesenheit glänzten." Das war JYLLANDS-POSTEN aus Århus.