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StartseiteCampus & KarriereWas die PISA-Studie zeigt - und was nicht03.12.2019

Die Macht der ZahlenWas die PISA-Studie zeigt - und was nicht

Deutschland ist im Ländervergleich des PISA-Tests zwar ins obere Mittelfeld aufgerückt, doch in einigen Punkten versagt das Schulsystem. So sind Jugendliche, deren Eltern keine Akademiker sind, häufig abgehängt und werden nicht gefördert. Doch die Daten erfassen längst nicht alle Aspekte guter Bildung.

Armin Himmelrath im Gespräch mit Stephanie Gebert

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Ein Schülergruppe sitzt während des Unterrichts an einem Tisch - vorn steht der Lehrer und erklärt etwas. (NeONBRAND / Unsplash)
Weltweit machen ungefähr 600.000 15-Jährige aus 79 Ländern beim PISA-Test mit, aus Deutschland waren es rund 5500 Schülerinnen und Schüler (NeONBRAND / Unsplash)
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Mit der PISA-Studie möchte die OECD testen, inwieweit 15-Jährige auf das spätere Erwachsenenleben vorbereitet sind. Untersucht werden die Leistungen in Mathematik, Naturwissenschaften und Lesen. Auch in der aktuellen sechsten Studie liegen Deutschlands Schüler im Mittelfeld.

Warum bleiben wir im Mittelfeld, obwohl sich schon viel bewegt hat?

Deutschland ist besser geworden. Man hat sich von einem Platz im unteren Mittelfeld nach vorne geschoben ins gehobene Mittelfeld. Ein besseres Abschneiden des Schulsystems wird durch verschiedene Faktoren verhindert. Einer davon ist die Leistungs-Bandbreite zwischen guten und schlechten Schülern, die viel größer ist als in anderen Ländern. Eine Anhebung des Gesamtniveaus erfordert dann aber wesentlich mehr Energie als bei einem gleichen Ausgangsniveau.

Ein zweiter Punkt ist die starke Abhängigkeit des Bildungsweges vom Elternhaus. Hier versagt das Schulsystem: Es gelingt nicht, Jugendliche aus nicht-akademischen Haushalten entsprechend zu fördern. Dies führt dazu, dass das "Bildungserbe" weitergegeben und damit auch der Gesamtschnitt nach unten gezogen wird. Ein erschreckender Befund: Jeder fünfte Jugendliche im Alter von 15 Jahren liest nur auf Grundschul-Niveau oder schlechter.

Es wird kritisiert, PISA sei von Wirtschaftsinteressen geleitet

Wenn man die Schülerinnen und Schüler als Ganzes betrachten will, dann reicht die PISA-Studie nicht. Aber mit ihren seit 18 Jahren erfassten Daten ist sie aus sozialwissenschaftlicher Sicht ein unglaublicher Schatz. Und das Konzept der Studie richtet sich ja auf Mathematik, Naturwissenschaften und Lesen, Fähigkeiten die später im Berufsleben nötig sind. Man will testen, wie gut die Jugendlichen auf das späterer Leben vorreitet sind. Weil das viel mit Wirtschaft zu tun hat, fokussiert sich die Studie auf diese Themenfelder. Soft skills wie Sozialverhalten und Teamfähigkeit kommen nicht vor. Der wissenschaftliche Aufwand für Untersuchungen dieser Fähigkeiten ist ungleich höher. Die Daten, die PISA liefert, sind also interessant, aber eben auch begrenzt.

Was kann man mit den Daten anfangen?

Man kann analysieren, wo und wie wir uns von anderen Ländern unterscheiden. Dann sieht man, dass zum Beispiel in der Mathematik die Menge von Schülern in der Leistungsspitze kleiner, am Leistungsende aber größer geworden ist. Genauso schlimm ist, dass die Jugendlichen Schwierigkeiten haben, in Texten zu erkennen, was Fakten und was Meinungsäußerungen sind.

Jeder Zehnte hat hiermit Schwierigkeiten. Die Kompetenz ist aber dringend nötig, um sich in gesellschaftliche Auseinandersetzungen einbringen zu können. Da hat Schule bisher versagt, hier muss sie tätig werden und die Kommunikations- und Lesefähigkeit fördern. Und hier kann man nicht nochmal zehn Jahre warten, denn in jedem Jahr, in dem nichts passiert, ist wieder ein Schülerjahrgang, der durchrutscht.

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